Gründerinnen im Porträt

Mai Nguyen: Traumatherapeutin, Speakerin & Gründerin des Survivor Queen Podcasts

Mai Nguyen ist Traumatherapeutin, Heilpraktikerin für Psychotherapie und Gründerin des Survivor Queen Podcasts. Sie sagt über sich selber, dass sie heute der Mensch ist, den sie früher gebraucht hätte. Mit ihrer Öffentlichkeitsarbeit setzt sich dafür ein, dass Trauma und sexualisierte Gewalt entstigmatisiert und enttabuisiert werden, sodass Betroffene endlich die Hilfe erhalten, die ihnen zusteht.

Mai Nguyen ist beim Futuremakers Award 2022 Preisträgerin der Kategorie „Female Empowerment“

Was ist die Besonderheit Ihres Start-ups?

Ich bin nicht nur Traumatherapeutin, sondern auch selbst eine Survivor Queen (Opfer, Betroffene und Überlebende von sexualisierter Gewalt). Daher weiß ich, wie wichtig es für Betroffene ist, zu verstehen, was ein Trauma eigentlich genau ist und was es mit ihnen macht. Daher biete ich viele niederschwellige, kostenlose und kostengünstige Unterstützungsangebote für Survivor Queens an wie z.B. meinen Podcast mit vielen Mutmachgeschichten von anderen Survivor Queens und auch Fachinterviews mit Expert:Innen.

Wie ist Ihr beruflicher Werdegang?

Erst geradlinig, dann authentisch. (Sie lacht.) In meinem ersten Leben war ich in der Wirtschaft. Ich habe einen Bachelor in Wirtschaftsinformatik und einen MBA in International and General Management. Zuletzt habe ich in einem Großkonzern in der strategischen Planung gearbeitet. Durch die Aufarbeitung meines eigenen Traumas hatte ich viel Zeit zur Reflexion und habe für mich entschieden, dass ich einen anderen Weg einschlagen möchten – einen mit mehr Sinn. So entschied ich mich dafür, mich für Survivor Queens einzusetzen. Erst übers Bloggen, später Podcasten und heute bin ich Traumtherapeutin, Heilpraktikerin für Psychotherapie und Speakerin.

Was war für Sie der Auslöser, ein eigenes Unternehmen zu gründen?

Schon während ich noch angestellt war und mir über mein Trauma noch gar nicht bewusst war, wollte ich mich neben der Arbeit selbstständig machen. Ich wollte was eigenes machen. Etwas mit Mehrwert kreieren. Ich hatte auch viel ausprobiert, aber irgendwie hat es sich nie richtig angefühlt. Heute schaue ich mit einem Schmunzler zurück und bin froh, dass nichts davon geklappt hat, sonst würde ich heute nicht das tun, was ich tue.

Wer hat Sie beraten, wer sind Ihre Helfer und Mentoren?

Oh, diese Liste ist sehr, sehr lang. Als Traumatherapeutin habe ich sehr viel von Dr. Melanie Büttner gelernt, eine großartige Trauma- und Sexualtherapeutin und Mentorin für mich. Aus unternehmerischer Sicht habe ich sehr von von meinem Unternehmer:innennetzwerk, dem Citizen Circle, profitiert. Immer wenn ich eine unternehmerische Frage habe, erhalte ich dort innerhalb von wenigen Stunden Antworten von anderen Unternehmer:innen, mit denen ich dann weiterarbeiten kann. Und die letzten Monate war das Futuremaker Frauentraining von KIZ Sinnova sehr präsent.

Was war Ihre größte Herausforderung und wie haben Sie diese gemeistert?

Ganz ehrlich? Zu glauben, dass es in Ordnung ist, für ein so soziales Unterfangen Geld nehmen zu dürfen. Und bis heute bekomme ich immer mal (zum Glück nicht allzu oft) Kritik daran, dass ich auch Bezahlprodukte anbiete. Das hat mich früher echt in die Selbstzweifel gebracht, heute pikst es immer noch kurz, aber ich weiß, dass es vollkommen in Ordnung ist, auch Geld für meine Arbeit zu verlangen.

Was ist Ihre beste Vermarktungsidee?

Nach 3 Jahren reiner digitaler Arbeit, bin ich total stolz darauf, dass es nun ein traumasensitives Kartenset mit Affirmationen von und für Survivor Queens gibt. Dieses Kartenset habe ich zusammen mit der Künstlerin Liyaha_art kreiert, wir haben 55 Sätze von Survivor Queens gesammelt, die sie gerne früher gehört hätten. Zur Finanzierung der Druckkosten der ersten Auflage haben wir einen Vorverkauf eröffnet. Schon nach 11 Stunden hatten wir über 100 Vorbestellungen, sodass wir den Druckauftrag erteilen konnten.

Welchen Traum möchten Sie noch verwirklichen?

Gerade bin ich dabei eine gemeinnützige Organisation, eine gGmbH zu gründen. Mit dieser Organisation möchte ich noch viel mehr Queens unterstützen können. Ich erarbeite gerade gemeinsam mit einer Sozialarbeiterin eine virtuelle Erstberatungsstelle für Survivor Queens. Außerdem werden wir einen eigenen Fonds zur Finanzierung von Überbrückungstherapie und Traumatherapie anlegen, sodass die aktuelle Wartezeit von 1 – 2 Jahren übersprungen werden können. In diesen Fonds können Menschen dann einmalig oder auch einen monatliche Betrag spenden. Das wird mein großes Projekt für 2023 und ich freue mich riesig darauf!

Ihr Tipp: Was würden Sie anderen Gründerinnen empfehlen?

Mein größter Gamechanger war zu akzeptieren, dass ich ein zyklisches Wesen bin und mein Menstruationszyklus ein Teil von mir ist. Dass ich nicht „funktionieren“ muss wie ein Mann und mich dauernd über meine Grenzen pushen muss. Mittlerweile steht mein Zyklus sogar in meinem Kalender. In dieser Zeit arbeite ich nicht, sondern liege mit Wärmeflasche auf dem Sofa und schaue mir Disneyfilme an. Es ist Zeit zur Erholung und zum Anlauf nehmen, sodass ich danach wieder frisch und gestärkt loslegen kann.

Vielen Dank für das Gespräch und viel Erfolg!

Hier geht es direkt zur Homepage von Mai Nguyen: www.mainguyen.de

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