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Angelique Karekezi: „Erfolg ist ein Prozess!“

Angelique Karekezi ist schon ihr ganzes Leben in der Kaffeeindustrie engagiert. Ihre Mutter ist Kaffeeproduzentin und ihr Vater hat eine Kaffeekooperative gegründet. 2003 wurde sie zunächst zur Verwalterin und schon ein Jahr später zur Leiterin einer Kaffeewaschstation ernannt. 

2008 wurde Angelique dann zur Leiterin der Verwaltung von RWASHOSCCO ernannt. Dieses Unternehmen repräsentiert die Interessen von sechs Kaffeekooperativen, in denen sich Kleinbauern zusammengeschlossen haben. 2014 stieg sie Geschäftsführerin auf und füllt diese Rolle bis heute aus. 

Durch ihre Motivation und ihre inspirierende Art hat Angelique schon viel erreicht, auch international auf die ruandischen Kaffeeindustrie aufmerksam zu machen. 

Am liebsten trinkt Angelique ihren Kaffee schwarz und ohne Zucker. So schmeckt man am besten, was man trinkt. 

Wie definieren Sie Erfolg?  

Erfolg bedeutet für mich einfach, seine Ziele zu erreichen. Ich betrachte Erfolg darum als Prozess und nicht als einmaliges Ereignis. Dieser Prozess fordert dich heraus und verhindert, dass du aufgibst, sondern stattdessen Bewältigungsstrategien entwickelst und umsetzt. Diese konfrontieren uns mit Problemen, doch statt entmutigt zu werden, findest du kreative Lösungen. Für mich persönlich bedeutet Erfolg, immer das Beste zu geben und meine Rolle auszufüllen. In Bezug auf mein Team bedeutet Erfolg, nicht nur das zu tun, was ich tun sollte, sondern auch sicherzustellen, dass jedes Team-Mitglied engagiert ist und seine Rolle ausfüllen kann.  

Was zeichnet Sie aus? 

Es ist schwierig sich selbst unvoreingenommen zu beschreiben, da wir von Natur aus nur positiv von uns sprechen möchten! Sollte ich jedoch von anderen oder mir selbst beschrieben werden, so würde ich gern von meinen Werten und Prinzipien aus definiert werden. Ich würde gern als jemand definiert werden, der in jedem Menschen das Potential sieht, großartig zu sein. Das lässt mich andere Menschen mit Respekt und Fairness begegnen. Was auch immer ich tue, ich habe den Ansporn etwas zu verändern und das ermutigt mich, immer mein Bestes zu geben und alles zu tun, um Resultate zu erzielen. 

Wer oder was ist Ihr Motor? 

Mich treibt die Leidenschaft und das Verlangen an, kreative Ideen zu entwickeln, um zu verbessern, was ich tue und auch neue Dinge auszuprobieren. Mich motiviert  zudem der Spaß und das gute Gefühl, die aus den erzielten Erfolgen resultieren. 

Straighter Weg oder Abzweigungen – wie verlief Ihr Berufsweg bisher?  

Von meiner Tätigkeit als Buchhalterin und Managerin einer Kaffeekooperative bis zur Rolle als technischer Beraterin (Management, Produktion und Marketing) für verschiedene Kooperativen, dann Buchhalterin und aktuell Geschäftsführerin von Rwashoscco, würde ich sagen, dass meine berufliche Karriere nicht unbedingt geradlinig war. Ich würde diese früheren Positionen aber auch nicht als Umwege bezeichnen, da ich in jeder Position spezifische Rollen zu erfüllen hatte.  

Gibt es Rollenbilder in Ihrem Alltag, denen Sie gern entkommen möchten?  

Nein, in meinem täglichen Leben gibt es keine Rollen, dich ich ablegen möchte. Ich würde eher sagen, dass es Rollen gibt, für deren Ausfüllung ich nicht genug Zeit habe. Als Mutter zum Beispiel bin ich nicht zufrieden mit der Zeit, die ich für meine Familie aufbringen kann, da ein Großteil meiner Zeit als Geschäftsführerin von Rwashoscco ausgefüllt wird. Beruflich betrachtet würde ich keine meiner Rollen aufgeben müsse, obwohl ich von den Anforderungen der zu erfüllenden Aufgaben überwältigt war. Um dieser Situation zu begegnen habe ich meine Kolleg*innen mehr Befugnisse gegeben und wann immer ich zu viel Arbeit habe, delegiere ich diese an Kolleg*innen. 

Welche eigene Erfahrung geben Sie anderen Frauen als Tipp mit auf den Weg?  

Alle Erfahrungen, die ich im Beruf gemacht habe und weiterhin mache, geben ich an andere Frauen weiter. Ein Beispiel ist meine Erfahrung als Leiterin des ruandischen Chapters der International Women’s Coffee Association. Trotz der Bitten meiner Kolleginnen, dieses zu führen, habe ich den Staffelstab an eine von ihnen übergeben und gleichzeitig angeboten, bei Bedarf zu unterstützen und meine Erfahrungen zu teilen. 

Vielen Dank für das Gespräch!

Über Kaffee-Kooperative
Die Kaffee-Kooperative ist deutsch-ruandisches Social Business (kaffee-kooperative.de | angeliquesfinest.de) und handeln im Direkthandelsmodell Angelique’s Finest, einen Kaffee, der komplett in Eigenverantwortung von Frauen hergestellt wird. Das Besondere: Die Marke gehört den Produzentinnen (passt sehr gut zu Ihrem aktuellen E-Magazin-Thema) in Ruanda, die nicht mehr nur wie im üblichen Handelsmodell den Rohstoff zu unterirdischen und stark schwankenden Weltmarktpreisen verkaufen, sondern den Kaffee eigenverantwortlich verarbeiten. Mit diesem Handelsmodell verdienen die Bäuerinnen 55% mehr als im Standard-Modell. Sie kooperieren mit Kaffeekooperativen, die ihren Kaffee komplett zum fertigen Endprodukt verarbeiten und kaufen dieses ab. So bleibt mehr Wertschöpfung bei den Erzeugerinnen. Das Ganze nennt sich Fairchain, also Fairtrade noch einmal weiter getrieben. 

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