Gründerinnen im Porträt

people who kaer: Natürliches Ergänzungsfutter für Hunde

Christina Biermann hat im Dezember 2019 gemeinsam mit ihrer Co-Founder Ellmar Jungschaffer das Start-up people who kaer in Hamburg gegründet. Im März 2020, zu Beginn des ersten Corona Lockdowns, haben sie dann ihren Shop gelaunched und entwickeln und verkaufen seitdem natürliches Ergänzungsfutter für mehr Lebensfreude bei Hunden, die die Gelenke, die Verdauung und das Immunsystem unterstützen sowie schonend gefriergetrocknete Leckerlis. Im Team ist die 32-Jährige vor allem für Marketing und Branding verantwortlich – also alles, was irgendwo mit Kreativität zu tun hat.

Was ist die Besonderheit Ihres Start-ups?

Hundegesundheit ist ein total emotionales Thema, doch die meisten Marken vermitteln das gar nicht: Wir holen die Produkte aus der verstaubten Ecke und hauchen ihnen die Emotionalität und Lebensfreude ein, die sie verdient haben.
Dabei ist uns einerseits die Beschaffung der hochwertigsten, natürlichen Rohstoffe und die Produktion unter den strengsten Zertifizierungen sehr wichtig. Andererseits hatte aber auch ein starkes Design sowie der Verzicht auf Plastik und Fokus auf Nachhaltigkeit von Anfang an höchste Priorität. Was uns in der Kombination dann noch weiter abhebt, ist vor allem Persönlichkeit und der enge Kontakt zu unseren Kund:innen!

Das dieser einzigartige Mix gut ankommt, merken wir an den zahlreichen Kund:innen, die ein flexibles Abo bei uns abgeschlossen haben und uns dabei überdurchschnittlich treu sind – teilweise haben sie in den letzten 24 Monaten 35 mal bestellt. Diese starken Kundenbeziehungen und die daraus resultierenden zahlreichen positiven Bewertungen über TrustedShops (4.95 / 5 Sterne) machen uns einfach unglaublich stolz.

Was sind Ihre ersten beruflichen Erfolge?

Durch den Beginn der Coronapandemie verloren wir im März 2020 unsere Investor:innen und gingen noch vor dem Start fast pleite. Glücklicherweise gelang es uns, neue Investor:innen zu gewinnen und wir brachten unser erstes Produkt, ein Gelenkpulver, auf den Markt. Als wir am ersten Tag 1.000 Euro Umsatz gemacht haben, konnten wir es kaum fassen! Mittlerweile haben wir uns auf dem Markt einen Namen gemacht und konnten 2021 unsere bisher größte Finanzierungsrunde mit knapp einer Million Euro abschließen.

Wie ist Ihr beruflicher Werdegang?

Ursprünglich war ich in der Modebranche unterwegs und habe im Vertrieb für sehr hochwertige italienische und französische Designermarken sowie als Freelancer Stylistin gearbeitet. 2017 gründete ich eine Onlinevermietung für Designerhandtaschen. Ich war in einem Accelerator und bekam das Gründerstipendium. Leider lief es nicht wie erhofft und nach knapp zwei Jahren musste ich die Geschäftsidee aufgeben. Die gemachten Erfahrungen haben mich jedoch unglaublich weitergebracht. Außerdem habe ich auf einer der Pitch-Events, die ich besuchte, Ellmar kennengelernt. Dass wir 1,5 Jahre nach unserem Kennenlernen einmal gemeinsam ein Start-up gründen würden, war damals nicht abzusehen. Scheitern kann also auch gut sein und weiterbringen!

Was war für Sie der Auslöser, ein eigenes Unternehmen zu gründen?

Die Idee, etwas Eigenes zu machen, hatte ich schon länger, da ich nach und nach die Motivation in meinem Angestelltenjob verlor. Es hat mich genervt, in starren Strukturen zu arbeiten und mir fehlte die Freiheit, eigene Ideen umzusetzen. Nachdem es mit den Designerhandtaschen nicht geklappt hatte, kam Ellmar mit der Idee zu den Produkten von people who kaer auf mich zu. Ich war sofort begeistert, da ich einerseits selbst eine Hündin habe, für die ich – wie jede andere Hundemama auch – nur das Beste will. Andererseits habe ich aber auch das große Potential in dem Markt gesehen und hatte als der kreative Part von uns beiden direkt wahnsinnig viele Ideen im Kopf wie man das Ganze umsetzen könnte. Mein Feuer war entfacht und wir sind gemeinsam weiter in die Recherche und Entwicklung gegangen, bevor wir dann einige Monate später tatsächlich gegründet haben.

Wer hat Sie beraten, wer sind Ihre Helfer und Mentoren?

Wir haben das Start-up von Anfang an mit einem Hamburger Company Builder zusammen gegründet – bei einem von ihnen ausgerichteten Pitch-Event haben Ellmar und ich uns damals auch kennengelernt. Darüber haben wir viele Kontakte aus dem Netzwerk bekommen und tauschen uns mit sehr vielen Leuten aus verschiedenen Bereichen und Themen regelmäßig aus. Austausch, Netzwerk und Mentoren sind meiner Meinung nach das A & O bei der Gründung. Ohne Netzwerk geht es nicht!

Nach diesen Kriterien haben wir uns auch unsere bisherigen Investoren ausgesucht. Wir waren nicht nur auf der Suche nach Geld, sondern haben auch immer geschaut, ob die Person / das Unternehmen uns einen zusätzlichen Mehrwert biete kann. Das kann großes Know-How in einem bestimmten Bereich sein, der für uns sehr relevant ist, oder aber ein sehr starkes und großes Netzwerk.

Was war Ihre größte Herausforderung und wie haben Sie diese gemeistert?

Eine große Herausforderung war die Suche nach einer nachhaltigen Verpackung. Als wir endlich einen passenden Hersteller gefunden hatten, kam es durch den ersten Lockdown zu Lieferengpässen. Wir hatten nur unser Stammkapital, standen mit unserem Online-Shop in den Startlöchern und konnten keine 12 Wochen auf die Lieferung warten. Unser Produzent bot uns Plastikdosen an, doch das kam nicht in Frage. Also wurden wir kreativ und füllten unsere ersten Bestellungen in Butterbrottüten aus dem Supermarkt, die wir mit einer Kordel zugebunden haben. Damals war uns das sehr unangenehm, aber heute sind wir stolz, dass wir so tatsächlich unsere ersten 100 Kund:innen gewinnen konnten.

Wie machen Sie auf Ihr Unternehmen aufmerksam?

Unser wichtigster Kanal ist Instagram: Hier pflegen wir eine enge Beziehung zu unserer Community. Das zahlt sich auch aus, denn 30% unserer Conversions sind organisch. Zudem schalten wir Werbeanzeigen, investieren in Pressearbeit, Influencer Marketing, SEO und SEA und sind bei Amazon vertreten.

Was ist Ihre beste Vermarktungsidee?

Die beste Vermarkungsidee ist es, einfach authentisch zu sein! Ich würde anderen Gründer:innen immer raten, sich zu trauen und wirklich sie selbst zu sein: Sei auf Instagram aktiv, erzähl deine Geschichte, zeig dich und arbeite mit Kooperationspartner:innen, die ebenso authentisch sind wie du und spread the word together!

Ehrlichkeit und Authentizität gepaart mit einer kompromisslosen, hohen Produktqualität und einem sehr guten Kundenservice wissen (potenzielle) Kund:innen sehr zu schätzen. Wenn deine Kund:innen erst mal überzeugt sind, werden sie immer wieder bestellen und dich in ihrem Umfeld weiterempfehlen. Das ist beste (und auch günstigste) Marketing überhaupt.

Mittlerweile wissen wir das, aber anfangs war es nicht als Marketingidee geplant. Wir sind einfach so wie wir sind, von Anfang an. Es zeigt sich in der vorhin schon erwähnten hohen Kundenloyalität:innen und unseren super Bewertungen, dass es richtig war, einfach unserem Bauchgefühl zu folgen.

Wie haben Sie die Finanzierung Ihrer Gründung umgesetzt?

Wir hatten schon früh Investor:innen an Bord: Der Markt entwickelt sich schnell und ist sehr fragmentiert. Um sich da schnell durchzusetzen, brauchen wir finanzielle Unterstützung. Ende 2021 konnten wir dann, wie vorhin schon erwähnt, die bisher größte Finanzierungsrunde abschließen: Fast eine Million Euro.

Welchen Traum möchten Sie noch verwirklichen?

Wir wollen nachhaltig weiterwachsen, neue Produkte entwickeln und ein profitables Unternehmen werden. Gerade sind wir dabei unser B2B Business weiter auszubauen und gehen auch bereits die ersten internationalen Schritte. Außerdem wünsche ich mir, dass people who kaer noch mehr zu einem Movement aus Menschen wird, „die sich kümmern“. Wir setzen uns schon jetzt für den Tierschutz ein, aber ich kann mir auch vorstellen mit Altenheimen zu kooperieren oder einen eigenen Gnadenhof zu haben.

Ihr Tipp: Was würden Sie anderen Gründerinnen empfehlen?

Glaubt an euch und lasst euch von schwierigen Situationen nicht entmutigen! Wenn ihr eine Vision habt, dann lohnt es sich auch, dafür zu kämpfen. Außerdem würde ich empfehlen, sich einen Co-Founder an die Seite zu stellen, denn ein starkes (Gründer-)Team ergänzt sich ideal und kann so viel mehr bewegen. Je mehr Leute wirklich für eine Sache brennen und mit Herzblut dabei sind, desto besser!

Vielen Dank für das Gespräch und viel Erfolg!

Hier geht es direkt zur Homepage von people who kaer: www.peoplewhokaer.pet

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