Gründerinnen im Porträt

talking hands: Daumenkinos für mehr Inklusion

Mit ihrem Unternehmen talking hands wollen die beiden Gründerinnen Laura Mohn und Maria Möller einen Beitrag zu einer inklusiven und verständnisvollen Gesellschaft leisten. Sie wollen die Kommunikation zwischen Kindern mit und ohne Behinderung ermöglichen und vereinfachen, sodass niemand mehr mit Gefühlen von Isolation und fehlendem Verständnis aufwachsen muss.

Was ist die Besonderheit Ihrer Firma?

Mit talking hands haben wir ein neues Lernmedium erschaffen – Daumenkinos für Gebärden. Es war uns wichtig, das Erlernen von Gebärden für Kinder möglichst spannend und spielerisch zu gestalten, um die nötige Neugier zu erwecken. Mit Spaß lernt man schließlich am besten. Gebärden sind für Kinder mit Hör-und Sprachproblemen, Down-Syndrom, Autismus etc. ein wichtiges Kommunikationsmittel, um Wünsche und Bedürfnisse zu äußern. Vor allem wollen wir mit talking hands alle Kinder, ob mit oder ohne Behinderung ansprechen, denn nur so kann Inklusion funktionieren.

Was sind Ihre ersten beruflichen Erfolge?

Mit talking hands haben wir schon Preise gewonnen (Future Award, ADC Silber) und sind für weitere Preise nominiert (Hessen Ideen Wettbewerb, Kultur-und Kreativpiloten). Wir stecken gerade mitten in der Gründungsphase, hoffen aber, dass wir ab Mitte November mit dem Verkauf von talking hands starten können. Auf unserer Website haben wir eine Warteliste für die erste Auflage eingerichtet und dadurch schon eine ganze Reihe an Kunden gewonnen, die auf den Verkaufsstart von talking hands warten.

Was war für Sie der Auslöser, ein eigenes Unternehmen zu gründen?

talking hands ist als Herzensprojekt gestartet, nicht als Business Idee. Die Inspiration dahinter ist Lauras Schwester Jami, sie hat das Down-Syndrom. Als wir aber das erste Set, bestehend aus 100 Gebärden-Daumenkinos, testweise zu einer integrativen Kita in Frankfurt brachten und in den folgenden Monaten das tolle Feedback von Erzieher*innen, Eltern und Kindern hörten und auch schon Anfragen für weitere Sets ankamen, haben wir kurzerhand entschlossen, talking hands als Start-up aufzubauen. Die Entscheidung fiel auch so leicht, weil sowohl Laura als auch ich das dringliche Verlangen hatten, die Welt durch unsere Arbeit ein kleines bisschen besser machen zu können. Ich war vorher in der Werbebranche tätig und hatte nie das Gefühl, dass ich da wirklich reingepasst habe.

Wer hat Sie beraten, wer sind Ihre Helfer und Mentoren?

Wir sind seit Juni 2020 Teil des Start-up Programms „Unibator“ der Goethe-Universität und profitieren dort von dem Austausch mit anderen Gründern und Mentoren, wie z.B. Felipe Macias. Zusätzlich sind wir Teil des SEND e.V. und können dort auch an Workshops und Coachings teilnehmen. Auch von Familie und Freunden bekommen wir Hilfe, gerade wenn es um Business- und Vertriebsfragen geht. Luise Hoffmann und meine Schwester Anna sind eine große Stütze und stehen uns beratend zur Seite.

Was war Ihre größte Herausforderung und wie haben Sie diese gemeistert?

Sätze wie „Ihr könnt euch doch nicht selbständig machen“, „Ihr habt doch kein BWL studiert“, „also echt mutig, aber was, wenn das nichts wird“ zu ignorieren war anfangs eine sehr große Herausforderung. Aber wir haben uns immer wieder dran erinnert, wie wichtig talking hands für unsere Gesellschaft ist und wussten, dass wir es uns niemals verzeihen könnten, wenn wir es nicht zumindest probieren würden. Gott sei Dank hatten wir das nötige Selbstbewusstsein und Vertrauen in unser Produkt, um uns den Schritt in die Selbstständigkeit nicht ausreden zu lassen.

Wie machen Sie auf Ihr Unternehmen aufmerksam?

Wir selbst haben noch gar nicht aktiv auf unser Unternehmen aufmerksam gemacht. Wir waren bis jetzt noch zu vertieft in die Perfektionierung der Daumenkinos. Dank der Preise und der vielen Presseartikel hat talking hands von alleine Aufmerksamkeit generiert und sich unter Eltern und Kitas herumgesprochen. Das ist eigentlich die beste Art von Aufmerksamkeit, die man sich wünschen kann.

Wie haben Sie die Finanzierung Ihrer Gründung umgesetzt?

Wir haben unsere Sparkonten ausgeräumt und finanzieren die Gründung und die erste Auflage der Daumenkinos selbst.

Welchen Traum möchten Sie noch verwirklichen?

Wir träumen davon, talking hands irgendwann weltweit anbieten zu können und Inklusion auf der ganzen Welt zu fördern.

Ihr Tipp: Was würden Sie anderen Gründerinnen empfehlen?

Wir alle haben auch mal Rückschläge, Zweifel und Ängste, das ist völlig normal. Wichtig ist, sich davon nicht unterkriegen zu lassen, sondern stattdessen tief durchzuatmen, boxen zu gehen und dazu laut Musik zu hören. Es geht auch wieder bergauf.

Hier geht es direkt zur Homepage: www.talkinghandsflipbooks.com

Das Projekt talking hands ist für die Kultur- und Kreativpiloten 2020 nominiert.

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