Gründerinnen im Porträt

Greenling: Minigarten für die Stadt

Greenling ist ein Münchner Urban Gardening Start-up, welches den ersten fertig-bepflanzten Minigarten für die Stadt entwickelt hat. Mit Greenling ist es unser Ziel, eine neue, einfache Art des Stadt-Gärtnerns ins Leben zu rufen – und das ganz ohne Aufwand oder erforderliche Vorkenntnisse. Wir kombinieren eine eigens entwickelte Hardware (Patent angemeldet) mit speziell darauf getesteten Qualitätspflanzen und einem neuen digital-gedachten Service mittels „Virtual Gardener“, der automatisch saisonale Nachpflanzungen ermöglicht. Gegründet wurde das Startup von Johanna Leisch.

Convenience Service wird mit Greenling nicht nur groß gedacht, sondern auch umgesetzt: Unser Minigarten verfügt über smarte Add-Ons wie beispielsweise die Overflow-Protection, mit denen das Gärtner auch garantiert gelingt. Und um den oftmals gestressten Städter:innen nicht noch mehr Zeit zu rauben, aber dafür Momente des puren Gartengenusses im urbanen Kontext zu schenken, wird jeder Greenling und das individuelle Pflanzenarrangement bereits im Voraus von unserem Profigärtner erprobt und durchdacht und wird mit vorgezogen und vorgedüngt Pflanzen direkt nach Hause geliefert. Zusätzliches Equipment wie Schaufel, Töpfe oder Erde wird mit Greenling folglich nicht benötigt. Egal ob Blüh-, Fruchtpflanze oder nützliches Küchenkraut – unsere Pflanzen sind speziell auf die Bedürfnisse heimischer Insekten wie Bienen und Schmetterlinge abgestimmt. Damit wollen wir einen Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt leisten, aber auch Bewusstsein und Begeisterung für die heimische Insektenwelt schaffen. Der ausgetüftelte Clou für maximalen Nutzen auf minimalem Raum: Das Design von Greenling bietet ein effizientes, multifunktionales Handling. Binnen wenigen Sekunden lässt sich unser Greenling vom Gartenhochbeet auf optimaler Höhe für die Freude am Gärtnern zum Tischmobiliar umwandeln – und das ebenfalls ohne weitere Hilfsmittel wie Schrauben oder Werkzeugschlüssel.

Johanna Leisch / Foto privatWas ist die Besonderheit Ihres Start-ups?

Die Besonderheit unseres Start-ups ist neben der Entwicklung eines noch nicht vorhandenen, innovativen Produktes, dass wir verschiedene Elemente der Gartenbranche, aber auch sehr verschiedene Menschen mit komplementären Fähigkeiten einbeziehen. Wenn sich ein Team von Business Studierenden mit lokalen Gärtner:innen zusammentut, kann daraus überraschend viel Neues und Positives entstehen. Für mich persönlich und als Gründerin zeichnet sich Greenling deshalb auch durch eine Einstellung zum Leben und eine innere Haltung aus: Neugierig zu sein, andere Sichtweisen zuzulassen und im Team kreative Lösungen zu gestalten.

Was sind Ihre ersten beruflichen Erfolge?

Tatsächlich bin ich als Gründerin und Unternehmerin noch sehr neu im Geschäft. Meine ersten beruflichen Erfolge habe ich als Juristin, also als Wirtschaftsanwältin und Unternehmensjuristin erzielt. Dort hat es mich eigentlich immer am meisten beflügelt, dass Mandant:innen oder ganze Abteilungen durch meine Arbeit weitergekommen sind. Ich wollte auch in der Rechtsabteilung nie die Bremse im Unternehmen seine, sondern Projekte ermöglichen. Bezogen auf Greenling war einer der ersten großen Meilensteine ein Gastvortrag auf dem diesjährigen „Forum Gartenmarkt“ des Industrieverbands Garten in Düsseldorf. Und ganz klar: Mit dem Go-Live unserer Kickstarter-Crowdfunding-Kampagne am 07. Dezember 2021 wird das nächste Highlight folgen. Für mich ist es ein unbeschreibliches Gefühl, Greenling dann ein Stück weiter in die Welt hinaustragen zu können.

Wie ist Ihr beruflicher Werdegang?

Ich habe meine Laufbahn in einer Großkanzlei begonnen, in der ich neben präzisem Arbeiten auch wirtschaftliches Verständnis und Funktionieren unter Druck gelernt habe. Dann bin ich relativ zügig auf die Unternehmensseite gewechselt – zunächst in größere Industrieunternehmen, dann als alleinige Anwältin zu einem kleineren Onlinehändler. Dort habe ich zusätzlich zur Leitung Recht auch die Personalleitung übernommen. In dieser Doppelfunktion bin ich noch heute bis zum Ende des Jahres tätig, um mich dann voll auf mein eigenes Unternehmen und Herzensprojekt Greenling zu konzentrieren.

Was war für Sie der Auslöser, ein eigenes Unternehmen zu gründen?

Auslöser war mein MBA Studium an der Mannheim Business School. Als Teil des Studiums habe ich Greenling als Strategic Business Projects (ein praxisnahes Strategieprojekt, welches an die Stelle einer theoretischen Masterarbeit tritt) ausgearbeitet. Mit dem Fortschreiten des Projekts wurde mir jedoch klar, dass mich die eigene Unternehmensgründung und die skizzenhaften Ideen von Greenling, die fast tagtäglich immer greifbarer wurden, derart fesselten, sodass es für mich keinen Weg zurück gab. Die Möglichkeit, Produkt, Team, Unternehmenskultur und Vermarktung selbst zu gestalten, ist für mich ungeheuer erfüllend.

Wer hat Sie beraten, wer sind Ihre Helfer und Mentoren?

Helfer:innen und Unterstützer:innen habe ich sehr viele – allen voran mein Greenling Team von der Uni, meine Familie, Freunde und mein Netzwerk aus Kolleg:innen und Geschäftspartner:innen. Berater und Mentor ist am Ende aber eigentlich immer mein Mann. Ich habe ihn (neben seinem exzellenten Aussehen) unter anderem wegen seines scharfen Verstands, seiner Fähigkeit zuzuhören und seiner Verlässlichkeit und Loyalität geheiratet. Mit ihm an meiner Seite habe ich vor wenig Angst.

Was war Ihre größte Herausforderung und wie haben Sie diese gemeistert?

Ich denke, keine meiner beruflichen Herausforderungen reicht an das heran, was wir während der coronabedingten Schulschließung zu Hause stemmen mussten. Wenn zwei Erwachsene im Home-Office und drei Kinder im Home-Schooling sitzen, kommt doch jeder schnell an seine Grenzen. Konkret: Wenn Strukturen weitgehend wegbrechen und drei Jungs wie eine Horde Affen durchs Haus jagen, ist mein Geduldsfaden äußerst kurz.

Gemeistert haben wir auch das nur mithilfe und Unterstützung – insbesondere der von unseren Eltern und Geschwistern sowie den Fußballvereinen mit ihren ehrenamtlichen Jungendtrainer:innen, die unermüdlich Online-Training veranstaltet haben.

Wie machen Sie auf Ihr Unternehmen aufmerksam?

Auch hier stehen wir ja noch ziemlich am Anfang. Da wir aber ein reiner Online-Shop sind und ein Nischenprodukt anbieten, investieren wir viel in den Aufbau einer Greenling Community über Social Media – aber auch durch lokales Engagement in unseren Ankerstädten wie München und Frankfurt am Main. Hier bauen wir gerade ein Netzwerk an Kooperationen im Bereich Biodiversität und naturnaher Bildung auf.

Was ist Ihre beste Vermarktungsidee?

Wenn man das wüsste! Da halte ich es mit Henry Ford: „Ich weiß, die Hälfte meiner Werbung ist hinausgeworfenes Geld. Ich weiß nur nicht, welche Hälfte.“ Im Grunde denke ich aber, dass die beste Idee der Vermarktung noch immer ein exzellentes Produkt mit einzigartigem Service für Kund:innen ist. Da sind wir äußerst ehrgeizig. Wir müssen nur erst die Chance bekommen, unser Produkt in einer ersten, größeren Serie fertigen und anbieten zu können – und dazu bedarf es viel Überzeugungskraft und Kommunikation.

Wie haben Sie die Finanzierung Ihrer Gründung umgesetzt?

Bislang habe ich die Gründung aus eigenen Mitteln finanziert. Nun startet am 07.12.2021 unsere Crowdfunding-Kampagne, die uns die erste Produktion ermöglichen soll. Ziel ist es, innerhalb von 30 Tagen mindestens 58.000 EUR einzunehmen, um die ersten 500 Minigärten im Frühjahr ausliefern zu können. Im Anschluss begeben wir uns dann auf die Suche nach weiteren Investoren, welche ein Wachstum des Unternehmens mitfinanzieren.

Welchen Traum möchten Sie noch verwirklichen?

Oh, meine innere To-do-Liste ist noch lang! Aber ich habe eigentlich nicht den einen großen Traum. Momente, in denen man vor Lebensfreude platzen könnte, kommen manchmal auch ungeplant und unverhofft. Aber bei mir erhöhen sich die Chancen auf solche, wenn ich atemberaubende Orte auf der Welt entdecke. Sobald Corona es wieder zulässt, möchte ich mit meiner Familie quer durch Costa Rica fahren und den Dschungel erleben.

Ihr Tipp: Was würden Sie anderen Gründerinnen empfehlen?

Ich bin nicht sicher, ob ich schon in der Position bin, Tipps für Gründerinnen verteilen zu können. Ich würde vielleicht lieber an die noch Unentschlossenen plädieren: Wenn man den Drang in sich verspürt, Dinge selbst in die Hand nehmen zu wollen, eine Idee hat, an die man glaubt, und Menschen um sich herum kennt, welche man dafür begeistern kann, dann sollte – nein, muss – man es einfach probieren. Und das ganz ungelöst davon, ob als Gründerin oder als Gründer.

Vielen Dank für das Gespräch und viel Erfolg!

Hier geht es direkt zur Homepage von Greenling.

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