SHE works!

Who Run The World? Girls! Was Frauen im Arbeitsalltag lernen können

Von Boris Grundl

Geschäftsführerinnen, Entscheiderinnen, Gründerinnen – immer mehr Frauen bekleiden hohe Positionen in Unternehmen oder machen sich mit kreativen und außergewöhnlichen Ideen selbstständig. Dabei treffen sie immer wieder auf neue Herausforderungen: Wie Familie und Karriere unter einen Hut zu bekommen beispielsweise oder wie sie sich in noch immer männerdominierten Branchen als Chefin behaupten. Erfolgreiche Frauen kennen die Schwierigkeiten und Fallstricke, welche ihnen im Arbeitsalltag entgegen baumeln. Eine gute Dosis Selbsteinschätzung, eine große Portion Selbstliebe und eine Prise Humor helfen, den Spaß an der Arbeit auch an stressigen Tagen zu bewahren. Wer den Zwiespalt zwischen Vorgesetzte und Freundin kennt, greift für mehr Professionalität auf kleine Tricks zurück.

Geradlinig statt kurvig im Arbeitsalltag

Eine beliebte Boss, gemocht von allen, Vorbild für die Mitarbeiterinnen – eine romantisierte Vorstellung. Denn nicht in allen Fällen sollte die Vorgesetzte Harmonie, Verbundenheit und Integration an erste Stelle setzen. Klare Grenzen zwischen Mitarbeitenden und Chefin unterstützen ein respektvolles, aber durchaus auch lockeres Arbeitsklima. Geschäftsführerinnen prüfen, in welchen Fällen Integration, Verbundenheit oder Vorsicht geboten ist. Frauen nehmen oft breit wahr: Sie horchen bei Mitarbeitenden nach dem allgemeinen Wohlbefinden nach, bekommen mit, wer privat oder auf der Arbeit Probleme hat. Sie erledigen zehn Dinge gleichzeitig und packen nebenher noch bei der Kollegin mit an. Hier empfiehlt sich, Aufgaben zu priorisieren und auf ein Ziel hinzuarbeiten – zu viel Ablenkung hindert Arbeitsfluss und Beziehung zum Kollegium. Mit neuer Fokussierung und Sinn arbeitet sich der Berg auf dem Schreibtisch spielend weg.

Große Gefühle

Die weibliche Bevölkerung kommuniziert und handelt emotionaler, der Bauch entscheidet vor dem Kopf – eine überspitzte Aussage, in der aus meiner Sicht ein wahrer Kern steckt. Entscheiderinnen, die tiefe Gefühle und Empathie empfinden, leiten einfühlsam und sind auf das Wohlergehen jedes Einzelnen im Team bedacht. Mitarbeitende fühlen sich wahrgenommen und verstanden. Diese enge Verbindung hemmt jedoch Objektivität; Unterhaltungen und Unterredungen wandern schnell auf emotionale Ebenen. Damit ein Niemand-versteht-mich-Gefühl nicht die Oberhand gewinnen, hilft es, Emotionen im Innen und nicht im Außen zu verarbeiten. Distanzierte Nähe tut sowohl Mitarbeitenden als auch Chefinnen gut; ab und zu schweigen und Themen mit sich selbst aushandeln. Eine bedachte Herangehensweise braucht es auch bei Meinungsverschiedenheiten. Dem Gegenüber gefallen und für eine harmonische Stimmung sorgen, erzielt nicht das gewünschte Ergebnis. Hier ist ratsam, bei sich selbst zu bleiben und seine Argumente ruhig vorzubringen. Fühlen sich Frauen missverstanden, neigen sie dazu, in die zustimmungsbereite Opferrollen zu fallen.

Diesen Teufelskreis durchbrechen!

Eine einfache Übung setzt die eigene Schmerzgrenze höher: Durch Dissoziation der eigenen Person betrachten Profis die Situation von außen und neutralisieren sie. Wer kämpft und sich nicht von anderen als Opfer darstellen lässt, wird vom Kollegium auch nicht als Opfer wahrgenommen.

Selbstzweifel oder Selbstliebe?

Die Kunst des Scheiterns ist der eigene Umgang mit dem Scheitern. Beim Misslingen treten gerade Frauen gerne den Rückzug an, sind traurig und wütend auf sich selbst. Doch vorwurfsvolles Denken hemmt – Mitarbeitende spüren Verunsicherungen und Selbstzweifel. Geübte konzentrieren sich bei Misserfolgen daher auf zielorientiertes Handeln; begreifen das Scheitern als Möglichkeit für neuen Mut und kreativen Input. Den Fokus auf die eigenen Stärken legen und diese ausbauen, selbstbewusst auftreten und das Positive in jeder Situation sehen – das alles beugt starker Selbstkritik und geringem Selbstwertgefühl vor. Keine Frau muss oder sollte sich verstecken! Die weibliche Tendenz mehr auf die eigenen Fehler und Schwächen zu schauen, überwinden Motivierte leicht. Eine schriftliche Notiz jeden Tag, was hervorragend lief, lenkt die Aufmerksamkeit auf Stärken.

Ein Tipp: Sich anfangs selbstbewusster zu geben als man tatsächlich ist, hilft, langfristig ein größeres Selbstbewusstsein aufzubauen.

Boris Grundl / Foto Inka Englisch

Über den Autor

Als Führungsexperte erforscht Boris Grundl die Themen Verantwortung und Leadership in der Tiefe und macht sie systematisch erlernbar. Sein Institut sowie sein Buch „Leading Simple“ helfen Menschen und Organisationen sie in die Praxis umzusetzen.

https://www.grundl-institut.de/

 

 

   

 

 

 

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