Gründerinnen im Porträt

Mindable: Verhaltenstherapeutische Apps für Psychotherapie

2019 gründete Linda Weber, gemeinsam mit Eddie Rietz (Co-Founder), das Digital-Health Start-up Mindable Health. Das Unternehmen entwickelt verhaltenstherapeutische Apps mit dem Ziel, Psychotherapie zugänglicher zu machen und Therapieprozesse zu optimieren. Das erste Produkt, eine App gegen Panikstörung und Agoraphobie, ist bereits eine vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) offiziell anerkannte digitale Gesundheitsanwendung (DiGA). Die App kann auf Rezept verschrieben werden und wird von allen gesetzlichen Krankenkassen erstattet. Sie hilft Betroffenen, die durchschnittliche Wartezeit auf einen Therapieplatz von fünf Monaten zu überbrücken, zudem kann sie auch therapiebegleitend genutzt werden.

Was ist die Besonderheit Ihres Start-ups?

Mit Mindable bringen wir die effektivste Methode zur Behandlung von Angststörungen, die Konfrontationstherapie, direkt in die Hand der Patient:innen. Ohne Wartezeiten und mit der Möglichkeit, die App auch während einer Psychotherapie (weiter) zu nutzen. Nutzer:innen werden in ihrer Autonomie und Selbstwirksamkeit gestärkt, indem sie lernen, sich durch angeleitete Konfrontationen aktiv ihren Ängsten im realen Leben zu stellen. Angstverläufe können während der Konfrontationsübungen live per Lautstärkeregler der Kopfhörer aufgezeichnet werden. Das Ausmaß der Angst, als auch Therapiefortschritte, werden so objektiv abgebildet und anhand von anschaulichen Grafiken rückgemeldet.

Was sind Ihre ersten beruflichen Erfolge?

Unser bisher größter erster Erfolg ist die Aufnahme unserer ersten App „Mindable: Panikstörung und Agoraphobie“ in das DiGA-Verzeichnis des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Dadurch kann Mindable von Psychotherapeut:innen und Ärzt:innen als „App auf Rezept“ verschrieben werden.

Bei diesem Prozess sind wir außerdem sehr stolz auf unsere äußerst kurze Time-to-Market. Die Gründung im April 2019, über die Zertifizierung als Medizinprodukt im November 2019 bis hin zur Zulassung als DiGA im April 2021, erfolgte Schlag auf Schlag. Zudem haben wir das Ganze mit einem sehr kleinen Team, vorrangig Inhouse Lösungen und ganz ohne Großinvestoren oder VCs geschafft.

Wie ist Ihr beruflicher Werdegang?

Ich (Linda Weber) habe einen B.Sc. in Psychologie an der Universität Salzburg und zwei Master-Abschlüsse in International Cognitive Visualization (M.Ed und M.A. mit Auszeichnung) an der Universität Koblenz-Landau, der Université Pierre-Mendès France, Grenoble, und an der California State University Chico absolviert. Anschließend habe ich drei Jahre als User Researcher und User Experience Designer bei IBM gearbeitet. Dort habe ich auch meinen Co-Founder Eddie Rietz kennengelernt. Während meiner Zeit bei IBM habe ich nicht nur eine Design Thinking Ausbildung genossen, sondern auch eine Publikation veröffentlicht und ein Patent erreicht. Bei Mindable bin ich als CEO für Design, Psychologie und Business Development verantwortlich.

Was war für Sie der Auslöser, ein eigenes Unternehmen zu gründen?

Schon während meines Master-Studiums habe ich Gesundheitsapps für Zwangsstörungen und posttraumatische Belastungsstörungen (PTBS) designt und damit sogar den “Neurogaming” Hackathon in San Francisco gewonnen. Zudem habe ich durch längere Auslandsaufenthalte verschiedene Gesundheitssysteme im Detail kennengelernt. Dadurch wurde mir klar: Es geht auch anders! Durch diesen Hintergrund und den (schon lange gehegten) Wunsch zu gründen war schnell klar, wohin die Reise geht.

Wer hat Sie beraten, wer sind Ihre Helfer:innen und Mentor:innen?

Über ein Mentoren-Matching des „Startupbootcamp Digital Health“ haben wir unsere wunderbaren Mentoren Jessica Hanneken, Rechtsanwältin und Vizepräsidentin der BFS health finance GmbH, sowie Dr. Philipp Stachwitz, Anästhesist, Schmerztherapeut und Director Medical Care beim health innovation hub des BMG, kennengelernt. Beide waren und sind wichtige, unterstützende Weggefährt:innen.

Zudem haben wir von Anfang an mit federführenden Expert:innen im Bereich der Angststörungen kooperiert. Darunter Prof. Dr. Thomas Lang und Dr. Sylvia Helbig-Lang, den Autor:innen des Behandlungsmanuals „Expositionsbasierte Therapie der Panikstörung mit Agoraphobie“ (Lang et al., 2018), auf dem auch die Inhalte unserer App basieren.

Was war Ihre größte Herausforderung und wie haben Sie diese gemeistert?

Unser größter Erfolg war gleichzeitig auch unsere größte Herausforderung – die DiGA-Zulassung. Der Zulassungsantrag stellt unglaublich viele unterschiedliche regulatorische Anforderungen. Wir haben einfach einen Fuß vor den anderen gesetzt. Man muss es einfach machen und mit der richtigen Einstellung kann man sich in alles reinarbeiten.

Wie haben Sie die Finanzierung Ihrer Gründung umgesetzt?

Das eXIST-Gründerstipendium und diverse Preisgelder ermöglichten uns die ersten Schritte. Ansonsten konnten wir von verschiedenen Förderprogrammen profitieren. Deutschland bietet zahlreiche Förderprogramme. Es ist nicht nötig, Kredite aufzunehmen.

Welchen Traum möchten Sie noch verwirklichen?

Mein Traum ist es, mit Mindable Health zu einem der führenden Anbieter am Markt für digitale Gesundheitsanwendungen im Bereich psychischer Erkrankungen zu werden. Gerne auch auf dem internationalen Markt.

Ihr Tipp: Was würden Sie anderen Gründerinnen empfehlen?

Gründen ist kein Risiko. Es ist ein Investment in sich selbst. Das größte Risiko des heutigen Arbeitsmarktes ist es, sich kleinzuhalten. Auch wenn man scheitern sollte, so hat man enorm viele Erfahrungen gesammelt, die man im Angestelltenverhältnis nie gesammelt hätte. Das wiederum steigert den Wert auf dem Arbeitsmarkt.

Vielen Dank für das Gespräch und viel Erfolg!

Hier geht es direkt zur Homepage von Mindable Health.

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