Gründerinnen im Porträt

Tenetrio: Nachhaltiges Hundefutter auf Insektenbasis

Dr. Ina Henkel ist Mitgründerin und Geschäftsführerin der EntoNative GmbH. „Unter der Marke Tenetrio entwickeln und vertreiben wir nachhaltiges Hundefutter auf Insektenbasis“, so Henkel. Insektenproteine bieten eine vollwertige, verträgliche und umweltschonende Alternative zur herkömmlichen Fütterung mit tierischen Proteinen.

Was ist die Besonderheit Ihres Start-ups?

Die Produktphilosophie von Tenetrio verfolgt einen klaren Ansatz: so wenige Zutaten wie möglich, so viele wie nötig. Die Produkte kommen ohne Zuckerzusätze, Gluten, Farbstoffe und Geschmacksverstärker aus. Diese Transparenz ist besonders für die Besitzer:innen empfindlicher Hunde, die z.B. an Unverträglichkeiten oder Allergien leiden, wichtig. Mit dem Kauf jedes unserer Produkte sparen Kund:innen außerdem große Mengen an Wasser und CO₂ ein – das ist gelebter Umwelt- und Klimaschutz.

Was sind Ihre ersten beruflichen Erfolge?

Gestartet sind wir mit unserer Marke Tenetrio in Deutschland. Mittlerweile vertreiben wir unser nachhaltiges Hundefutter mit Insektenprotein auch in Österreich, den Niederlanden, Belgien und Polen.

Im Anschluss an das Einwerben eines EXIST-Gründerstipendiums konnten wir eine Anschlussfinanzierung sichern, sodass wir seit der Gründung aktiv zur Verbesserung des CO₂-Pfotenabdrucks von Hunden beitragen und mit unseren Kund:innen seither insgesamt über 400 Mio. Liter Wasser eingespart haben.

Wie ist Ihr beruflicher Werdegang?

Vor der Gründung von Tenetrio habe ich an der Universität Potsdam und der Charité Berlin im Fachbereich Ernährungsmedizin promoviert. Anschließend widmete ich mich im Rahmen meiner PostDoc-Stelle am Lehrstuhl für Physiologie und Pathophysiologie dem Thema International Nutrition. Dort forschte ich unter anderem mit meiner Mitgründerin Katrin Figueroa rund um das Thema Insekten.

Was war für Sie der Auslöser, ein eigenes Unternehmen zu gründen?

Je intensiver wir uns mit dem Thema Insekten und deren Potenzial für die Bekämpfung des Welthungers und zur Stärkung des Klimaschutzes beschäftigt haben, desto überzeugter waren wir davon, dass Insekten in der Ernährung der Zukunft eine zentrale Rolle spielen werden. Gemeinsam mit unserer Mitgründerin Sabrina Jaap, die die wirtschaftswissenschaftliche Expertise mitbringt, haben wir uns entschlossen, unsere Geschäftsidee umzusetzen und zu gründen. Mich persönlich reizte es damals als junge Mutter, das Potenzial von nachhaltigen Insekten auch tatsächlich in Anwendung zu bringen und Verantwortung für eine nachhaltige Ernährung in der Zukunft zu übernehmen.

Wer hat Sie beraten, wer sind Ihre Helfer und Mentoren?

Wir haben anfangs intensive Unterstützung durch den Gründungsservice der Universität Potsdam erhalten. Dank der Nähe zu Berlin und diverser Start-up-Veranstaltungen gab es zahlreiche Möglichkeiten, ein gutes Business-Netzwerk aufzubauen. Darüber hinaus haben wir im Rahmen des BPW (Business Wettbewerb Berlin-Brandenburg) viel Wissen für die ersten Schritte sammeln können. Den Wettbewerb konnten wir sogar mit einer Platzierung krönen. Das öffnete uns weitere Türen für den Austausch mit erfahrenen Kontakten. Der Austausch mit unseren Mentor:innen ist für uns gerade bei strategischen Weichenstellungen ein immenser Mehrwert.

Was war Ihre größte Herausforderung und wie haben Sie diese gemeistert?

Zum Zeitpunkt der Gründung haben wir die gesamte Wertschöpfungskette in Eigenregie abgedeckt. Insektenfarm, Produktion, Vertrieb, Marketing: alles aus einer Hand. Dank der Finanzierung konnten wir uns auf die Professionalisierung der Company konzentrieren. Dazu gehörte v.a. die gezielte Suche nach geeigneten Partnern in den genannten Unternehmensbereichen. Mittlerweile gibt es verlässliche Insektenproduzenten in Europa, sodass wir auch diesen Bereich auslagern und uns klar auf den E-Commerce-Bereich fokussieren konnten.

Wie machen Sie auf Ihr Unternehmen aufmerksam?

Wir haben eine aktive Community auf Instagram und versorgen Interessent:innen auf unserer Webseite regelmäßig mit hochwertigen Blog-Artikeln rund um die Ernährung, die Gesundheit und das Training von Hunden. Außerdem haben wir unsere Aktivitäten im Bereich Pressearbeit verstärkt. Aus Erfahrung wissen wir, dass Radio- bzw. TV-Auftritte sehr hilfreich für die Aufklärung bzw. Sensibilisierung sind.

Was uns aber immer am wichtigsten bleiben wird, sind die persönlichen Gespräche und Treffen, z. B. auf Messen. Im direkten Austausch lernen wir unsere Kund:innen und ihre Vierbeiner, ihre Bedürfnisse und mögliche Hemmungen in Bezug auf Insekten am liebsten kennen.

Was ist Ihre beste Vermarktungsidee?

Als Pioniere im Einsatz von nachhaltigem Insektenprotein gilt es in erste Linie, Menschen über die ökologischen, nutritiven und sensorischen Vorteile von Insekten aufzuklären. Dazu nutzen wir alle Berührungspunkte mit unseren Kund:innen: Sei es das auffällige Verpackungsdesign oder der Hinweis, wie viel Wasser mit unseren Produkten eingespart werden kann. Wir wollen Esskultur ändern und Hemmungen abbauen. Dabei setzen wir auf Direktvermarktung via Social Media bzw. die entsprechenden Onlinemaßnahmen. Auch Influencer bzw. Ambassadoren helfen uns, unsere Botschaft zu transportieren.

Wie haben Sie die Finanzierung Ihrer Gründung umgesetzt?

Wie bereits oben erwähnt, konnten wir für die erste Phase unserer Unternehmung ein EXIST-Gründerstipendium einwerben. Nahtlos ging es im Anschluss mit einer Seed-Finanzierung über einen VC weiter, wobei wir auch Eigenkapital einbrachten. Als innovatives Unternehmen standen uns auch diverse Förderinstrumente zur Verfügung.

Für die geplante Skalierung sind wir momentan auf der Suche nach einem strategischen Partner aus der Petfood Industrie.

Welchen Traum möchten Sie noch verwirklichen?

Wir verfolgen mit Tenetrio eine klare Mission, weil wir Hundeliebhabern eine sorgenfreie Ernährung ihrer Fellnasen basierend auf nachhaltigem Insektenprotein anbieten. Kurzfristig wollen wir das Vertriebsnetzwerk von Tenetrio erweitern und mehr Aufmerksamkeit für hochwertige Ernährungsalternativen für Hunde schaffen. Mittelfristig würden wir auch gern den Katzen- und letztlich auch den Lebensmittelmarkt erobern. Außerdem haben wir gemeinsam mit tollen Partnern eine Initiative gegründet, die sich dafür einsetzt, dass Nachhaltigkeit in der Tierhaltung eine größere Rolle spielt: Animals for the Planet informiert transparent, diskutiert offen und klar und legt auch den Finger in die Wunde, wenn nötig.

Ihr Tipp: Was würden Sie anderen Gründerinnen empfehlen?

Frauen sollten mutig sein und das Gründen als große Chance verstehen. Es ist wichtig, früh den Austausch mit Expert:innen und Kund:innen zu suchen und ein gutes Netzwerk aufzubauen.

Die Idee so früh wie möglich mit anderen zu diskutieren, hilft dabei, schnell in die konkrete Umsetzung zu kommen. Am Ende geht es darum, auf das eigene Bauchgefühl zu hören und auf Basis klarer Prozesse Entscheidungen zu treffen, mit denen das Geschäftsmodell sich optimal entwickelt. Das setzt nicht nur Hartnäckigkeit, sondern auch Flexibilität und den Willen, immer weiterzulernen, voraus. Und natürlich sollte man sich mit den richtigen Leuten auf die Reise begeben. Da hatte ich mit meinen zwei Mitgründerinnen riesiges Glück.

Vielen Dank für das Gespräch und viel Erfolg!

Hier geht es direkt zur Homepage von Tenetrio.

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