Unternehmerinnenwissen

Wie Sie Arbeitszeugnisse und Zwischenzeugnisse richtig schreiben und lesen

Von Dr. Katharina Suchy

Arbeitszeugnisse sind immer etwas ganz Besonderes. Als Unternehmer schreiben wir sie nicht gerne und für Arbeitnehmer sind sie für weiterführende Bewerbungen von erheblicher Bedeutung im beruflichen Werdegang. Für beide Seiten – Arbeitgeber und Arbeitnehmer – soll ein solches Zeugnis der Statusbericht von Arbeit, Aufgabenstellung und Leistung sein. „Arbeitszeugnisse sind seit jeher ein Ausdruck von Achtung und Wertschätzung für die Arbeitnehmer.“ So die Strategieexpertin Dr. Katharina Suchy. „Regelmäßig müssen Zeugnisse von Arbeitgebern überhaupt erst eingefordert oder in der Formulierung angepasst werden.“

Am Ende steht die Leistung

„Dabei hilft ein einfaches Mittel, ein adäquates Arbeitszeugnis zu erhalten.“, so Dr. Suchy. Der beste Weg zu einem realistischen Bild über die erbrachten Arbeitsleistungen, deren Erfüllungsgrad und die Integration in das Gesamtsystem eines Betriebes ist es, über die Inhalte des Arbeitszeugnisses bzw. eines Zwischenzeugnisses offen und frühzeitig zu sprechen und Formulierungen gemeinsam festzulegen.
Versteckte Zweideutigkeiten
Doch so klar, wie sprachliche Formulierungen scheinen, sind sie nicht. Wir zeigen Ihnen auf, welche Bedeutungen hinter den gewählten Inhalten von Personalern liegen und worauf Arbeitgeber und Arbeitnehmer bei der Formulierung achten sollten.

Verpflichtungen des Arbeitgebers

Der Aussteller eines Arbeits- bzw. Zwischenzeugnisses ist dazu verpflichtet, drei wesentliche Faktoren bei der Erstellung einzuhalten:

1. Wahrheitstreue
2. Wohlwollen gegenüber dem Arbeitnehmer
3. Eindeutigkeit für den neuen Arbeitgeber

Unterschiede gibt es in Ausführung, Beschreibung und Länge, abhängig von den individuellen Tätigkeiten – also ob ein Mitarbeiter als Abteilungsleiter eine leitende Funktion oder ob ein Arbeitnehmer z.B. eine ausführende Funktion als Handwerker innehatte.

Die formalen Inhalte eines Arbeitszeugnisses sind:

1. Beschreibung der eigentlichen Tätigkeit, Umfang, Einsatzgebiete, Entwicklungen
2. Verantwortung: Führung, Mitarbeiter, Regionales, Umsatz
3. Persönliche Bewertung der Aufgabenerfüllung
4. Soziale Integrität und Loyalität gegenüber dem Arbeitgeber
Die Beurteilung aus Sicht des Personalers
Bei der oft großen Zahl von Bewerbungen sichtet der „Personaler“ – als potentieller neuer Arbeitgeber – mit einem kurzen Blick die entscheidenden Stellen eines Arbeitszeugnisses quasi „im Überflug“.

Fallen ihm nicht die für ihn signifikanten und erfolgsbeschreibenden Verbe und Adjektive eines Bewerbers ins Auge, gerät der Kandidat ins Hintertreffen.
Formulierungen mit guten Erfolgsaussichten sind:
– …ist zielorientiert und durchsetzungsstark
– …zeigte hohe Eigeninitiative
– … brachte die Projekte entscheidend und sehr erfolgreich voran
– …mit hohem Engagement
– …machen sie/ihn zu einem gefragten Partner

Bewerber mit formulierter Ausdrucksstärke beweisen die höheren Erfolgsaussichten bei Neubewerbungen. Und: Werden Argumente bzw. Ausführungen gar weggelassen, spricht das klar gegen einen Kandidaten.

Der gute Schluss

Abschließende Formulierungen dürfen nicht fehlen. Z.B.:

– geht auf eigenen Wunsch -> zeigt die Freiwilligkeit des Ausscheidens
– mit Dank für das Engagement oder
– wir bedauern den Weggang -> deuten auf die Zufriedenheit des Arbeitgebers
– wünschen für die Zukunft alles Gute -> signalisiert die Wertschätzung gegenüber dem
Mitarbeiter

Beispiele für die Mitarbeiterbeurteilung:

Gut Ausreichend

– stets zu unserer Zufriedenheit – hat die übertragenden Aufgaben zufriedenstellend
aufgegriffen
– ausgezeichnet – hat sich bemüht (schaffte nichts zu Ende)
– hervorragende Leistung – hat uns in Erstaunen versetzt (AG war entsetzt)
– immer voll und ganz zufrieden – zeigte Verständnis für die Arbeit (brachte nichts ein)

Besonderheiten und ihre Bedeutung, die ergänzend hinterfragt werden sollten:

– …hat für Belange der Belegschaft stets Einfühlungsvermögen gezeigt
=> sorgte für belästigende/intime Kontakte
– …zeigte sich erkenntlich bei den Belangen der Kollegen
=> er ist homosexuell
– …seine Geselligkeit trug zum Geschäftsklima bei
=> Alkoholiker
– …war geschätzter Gesprächspartner
=> er war ein Vielredner
– …wünschen alles Gute, vor allem Gesundheit
=> war häufig krankgeschrieben

Es gibt immer zwei Seiten bei einer Mitarbeiterbeurteilung. Arbeitszeugnisse sind für Arbeitgeber, Arbeitnehmer und potentielle neue Arbeitgeber von hoher Bedeutung und Maßstab für eine erfolgreiche Einstellung. Insofern gilt besonders für den Arbeitnehmer: Leistung zählt.

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