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Franziska Brantner: Frauen und Vielfalt in der Wirtschaft stärken

Seit acht Jahren sitzt sie in der Politik. Von der Sprecherin für Kinder- und Familienpolitik der Bundestagsfraktion der Grünen 2013 über den Vorsitz des Unterausschusses Zivile Krisenprävention, Konfliktbearbeitung und vernetztes Handeln bis zur Europapolitischen Sprecherin und Parlamentarische Geschäftsführerin der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen.

Seit Dezember 2021 ist die gebürtige Lörracherin Franziska Brantner Staatssekretärin im Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz.

Im Interview mit SHE works! hat sie über ihre Ziele und Ideen gesprochen.

Frau Brantner, erst einmal herzlichen Glückwunsch zu Ihrem neuen Amt als Staatssekretärin. War der Posten einer Staatssekretärin Ihr Ziel?

Vielen Dank. Ich freue mich, dass ich nun bei der sozial-ökologischen Transformation der Wirtschaft mitwirken darf. Außerdem geht es darum, für die europäische strategische Souveränität die Schlüsseltechnologien der Zukunft bei uns und in Europa zu fördern und zu sichern.

In den vergangenen Tagen hatte man immer wieder munkeln gehört, dass Sie für einen Posten im Ressort der designierten Außenministerin Annalena Baerbock gehandelt worden sind. Wie kam es jetzt zu dieser Entscheidung?

An dieser Stelle kann ich meine europapolitische und wirtschaftspolitische Expertise vereinen, meine Vernetzung zu unseren Nachbarn in der EU, aber auch in die Wirtschaft. Hier kann ich meine Expertise voll einbringen.

Welche Themen werden Sie als erstes angehen?

Wir wollen bestehende Hürden aus dem Weg räumen, damit Unternehmen ambitionierte Klimaziele erreichen können. Wir wollen europäisch die Sicherheit unserer Energieversorgung, beim Digitalen, in der Gesundheitswirtschaft gewährleisten. Außerdem will ich dazu beitragen, Frauen und Vielfalt in der Wirtschaft zu stärken und die Entbürokratisierung für Unternehmen weiter voranbringen.

Sie haben bereits einige bedeutende Stationen auf Ihrem Weg dorthin absolviert. Welche Erfahrungen werden Ihnen bei Ihrer neuen Aufgabe besonders hilfreich sein?

Ich hatte das große Glück, bei Joseph Stiglitz studieren und von ihm viel lernen zu können. Durch die vielen Jahre im Europaparlament und im Bundestag habe ich gelernt, mit Menschen unterschiedlicher Position zu einer Lösung zu kommen. Das ist die Politik des Gehörtwerdens, die wir Grüne in Baden-Württemberg schon viele Jahre erfolgreich praktizieren: alle an einen Tisch bringen: Landwirte und Artenschützer, Autobauer und Aktivisten. Als Spitzenkandidatin in Baden-Württemberg war ich in vielen Betrieben im Ländle unterwegs. Hier gibt es sehr viele gute Beispiele, wie wir Wirtschaft und Klimaschutz zusammenbringen. Durch meine vielen Auslandsaufenthalte in Tel Aviv, Washington DC, Paris und New York habe ich mir zudem ein großes internationales Netzwerk in Politik und Wirtschaft aufgebaut, das ich nutzen will.

Unter anderem waren Sie für die UN-Frauenrechtsorganisation (UNIFEM) tätig. Was muss aus Ihrer Sicht noch für die Rechte von Frauen in Deutschland, aber auch Europa getan werden?

Viele Frauen in Europa werden immer noch in ihren Rechten beschnitten, etwa bei dem Recht auf körperliche Selbstbestimmung bei Schwangerschaftsabbrüchen wie in Polen. Außerdem verdienen Frauen häufig immer noch weniger als Männer für die gleiche oder gleichwertige Arbeit, sie sind seltener in Führungspositionen in der Wirtschaft vertreten – hier wollen wir ansetzen.

Sie waren während Ihrer Zeit im Bundestag auch stellvertretendes Mitglied des Unterausschusses für Sicherheit und Verteidigung, des Frauenrechts- und Gleichstellungsausschusses. In Sachen Gleichstellung wurde zwar schon viel getan aber das Ziel einer echten Gleichstellung – besonders auch im Berufsleben – haben wir noch nicht erreicht. Sind Sie der Meinung, dass staatliche Regelungen, wie z. B. das Zweite Führungspositionen-Gesetz, helfen können die Gleichstellung voranzutreiben?

Ja, brauchen wir. Es wäre besser, wenn es nicht nötig wäre, aber es ist es nunmal leider. Auch bei der Lohngleichheit wollen wir die EU-Richtlinie für Lohntransparenz ehrgeizig, bürokratiearm und mittelstandskonform umsetzen, damit sie möglichst viele Frauen erfasst. Sie können dann mit einem nach Betriebsgrößen und Leistung gestaffelten Berichtssystem leichter erfahren, was ihre Arbeit zumindest materiell wirklich wert ist.

Immer mehr Frauen gründen entweder im Haupt- oder im Nebenerwerb. Welche Pläne haben Sie für die kommenden vier Jahre, um Frauen bei der Unternehmensgründung noch mehr zu unterstützen?

Wir wollen Hürden für Frauen beim Zugang zu Finanzierungen, Förderungen und Wagniskapital abbauen. Auch die Beteiligung von Frauen in Investment-Komitees von staatlichen Fonds und Beteiligungsgesellschaften wollen wir deutlich erhöhen. Damit es gerade im Digitalsektor mehr Gründerinnen gibt, schaffen wir ein Gründerinnen-Stipendium und reservieren einen Teil des Zukunftsfonds. Und wir wollen Gründen viel unkomplizierter machen: mit „One Stop Shops“, also Anlaufstellen für Gründungsberatung, -förderung und -anmeldung in einem.

Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf stellt für viele Frauen immer noch eine Herausforderung dar. Häufig genug heißt es immer noch Beruf/Karriere oder Familie. Mit welchen Maßnahmen möchten Sie dem begegnen?

Als alleinerziehende Mutter weiß ich wie belastend es sein kann, Familie und Job unter einen Hut zu bringen. Wir wollen bessere Voraussetzungen für eine partnerschaftliche Aufteilung der Erwerbsarbeit schaffen zum Beispiel in dem wir die Partnermonate beim Basis-Elterngeld um einen Monat verlängern, auch für Alleinerziehende. Und wir verlängern den elternzeitbedingten Kündigungsschutz um drei Monate nach Rückkehr in den Beruf, um den Wiedereinstieg abzusichern.

Darüber hinaus: Welche Ziele haben Sie sich für die kommenden vier Jahre gesteckt? Welche Themen liegen Ihnen besonders am Herzen?

Ich will, dass all die Menschen und Firmen mehr Aufmerksamkeit bekommen, die schon längst neue Wege gehen, die Transformation vor Ort angehen, eine offene Unternehmenskultur leben und damit erfolgreich sind. Damit sie anderen Mut machen, ebenfalls den Aufbruch zu wagen, auf mehr Diversität und Nachhaltigkeit zu setzen. Wir werden sie dabei nach Kräften unterstützen.

Vielen Dank für das Gespräch!

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