Digitalisierung

7 Tipps gegen Zoom-Fatigue: So hört Ihnen Ihr Publikum wirklich zu

Jeder kennt es. Online-Besprechungen, die sich endlos hinziehen und wunderbar dafür geeignet sind, E-Mails abzurufen oder nebenbei durch Facebook zu scrollen. 7 Tipps, damit Ihnen das nicht passiert.

Von Tom Freudenthal

Ihr Zoom dauert bereits fünfzig Minuten. Sie wissen es nicht, aber eine Teilnehmerin malt Schildkröten auf ihre Schreibtischunterlage, ein anderer Teilnehmer beantwortet heimlich seine E-Mails.

Dabei wünschen Sie als Dozentin sich nichts mehr, als dass alle gebannt an Ihren Lippen hängen, aufpassen und auch achtundvierzig Stunden später noch wiedergeben können, was sie gelernt haben. Geht das überhaupt? Schließlich ermüden Menschen schnell, wissen oft schon nach fünf Minuten nicht mehr, was gerade eben gesagt wurde.

Und ob das geht! Und zwar dann, wenn bei der Konzeption eines Zoom Calls folgende sieben Tipps beachtet werden. Dann erreichen Sie, dass die Leute tatsächlich aufpassen.

Tipp 1: Perspektivwechsel

Der Perspektivwechsel ist die Mutter des Mindset-Shifts und definiert alles andere: Sie gehen ab sofort nicht mehr davon aus, alles erzählen zu müssen, was sie zum Thema wissen. Lange Vorträge bei einem Online-Medium führen fast immer nach kurzer Zeit zum geistigen Ausstieg der Zuhörenden. Nein, sie fragen sich zuerst: Was sollen meine Teilnehmenden erreichen und was brauchen Sie dafür? Sie nehmen also die Perspektive derer ein, die im Zoom Call oder Webinar dabei sein werden. Das hat Einfluss auf die Themen, die Sie dann auswählen.

Tipp 2: Das Resultatsziel

Stellen Sie ein attraktives Resultatsziel in Aussicht. Das ist der Dreh- und Angelpunkt für das gesamte Webinar per Zoom. In dem Moment, in dem ich am Anfang ein attraktives Ergebnis kommuniziere, wissen die Teilnehmer sofort, welchen Mehrwert sie haben werden, wenn das Ganze zu Ende ist. Ihnen ist also völlig klar, was es ihnen bringt, tatsächlich dabeizubleiben und aufzupassen.

Tipp 3: Aktivierung durch Arbeitsphasen

Und zwar alle zehn Minuten. Warum und warum so oft? Weil es nach meiner langjährigen Erfahrung kaum ein schlimmeres Gefühl für die Teilnehmenden gibt, als nur Publikum zu sein – passiv, nicht beteiligt, nicht gefragt. Der Schlüssel zur Aufmerksamkeit ist das Gefühl, eine wichtige Rolle zu spielen und sich selbst einbringen zu können. Deswegen sind Arbeitsphasen mit kleinen Aufgaben, welche die Teilnehmenden ihrem Resultatsziel näherbringen, so unglaublich wichtig.

Tipp 4: Erfahrungen abfragen

Niemand kommt ohne jegliche Vorerfahrung in einen Zoom-Call oder ein Webinar. Diese Vorerfahrungen, Ansichten und Ergebnisse früherer Erfahrungen mit dem Thema gilt es abzufragen. Und zwar reihum und nicht etwa nach dem Motto: Wer möchte gern sprechen? Alle kommen kurz dran, niemand fühlt sich ausgeschlossen, alle bringen gleich viel ein und fühlen so auch gleichermaßen, wie sehr sich die Veranstaltung für sie lohnt.

Tipp 5: Die Badewannenregel

In den Neurowissenschaften wurde nachgewiesen, dass alle Informationen, die im Langzeitgedächtnis gespeichert werden sollen – und genau dort möchten wir die Inhalte unserer Calls und Webinare natürlich verankern – zuerst den Weg durch das Arbeitsgedächtnis gehen. Warum ich das erkläre?

Dummerweise hat das Arbeitsgedächtnis im Gegensatz zum Langzeitgedächtnis keine unbegrenzte Kapazität. Der Arbeitsspeicher ist schon nach circa fünf Minuten Druckbetankung an seiner Aufnahmegrenze. Danach beginnt das Gehirn die zuerst gehörten Inhalte zu löschen, um Platz zu schaffen für weitere Informationen. Wie bei einer Badewanne, aus der das Wasser nach fünf Minuten überläuft.

Für die Planung von Zoom Calls und Webinaren bedeutet das: Geben Sie den Teilnehmenden nach fünf Minuten Druckbetankung mit geballtem Wissen immer Aktivierungspausen, damit das Gehörte oder Gesehene verarbeitet werden kann. Sie können sich zum Beispiel Notizen machen oder gemeinsam darüber nachdenken, wie man das Gehörte im Alltag vielleicht anwenden könnte. Der Arbeitsspeicher wird auf diese Weise geleert und kann im Anschluss neu gefüllt werden.

Tipp 6: Immer schön zu zweit

Paararbeit im Gegensatz zur Gruppenarbeit hat den Vorteil, dass alle Teilnehmenden im Zoom Call oder Webinar gleichzeitig und parallel aktiviert werden. Gerade in Gruppen-Calls passiert nach meiner Erfahrung häufig, dass einige viel reden und andere gar nichts. Werden Paare gebildet, kann das nicht passieren, dann werden auch die Introvertierten abgeholt.

Tipp 7: Medien wechseln

Stets dasselbe Gesicht, dieselbe Stimme. Langweiliger geht es kaum. Deswegen ist es gut und wichtig, zwischendurch mal ein Video einzublenden, eine Grafik oder eine kurze PowerPoint-Präsentation. Abwechslung heißt das Stichwort. Das Gehirn darf sich auf Neues einstellen, die Sinne erholen sich – der Call bleibt lebendig, kurzweilig und im Langzeitgedächtnis. Und nicht vergessen: nach fünf Minuten eine Aktivierungspause einlegen.

Der Schnelldurchlauf:
Der einfachste Weg, Menschen in Onlinekursen bei der Stange zu halten, ist der Perspektivwechsel.

Ich gehe also nicht mehr davon aus, die Expertin zu sein, die alles Wichtige zum Thema weiß und möglichst viel davon in der verfügbaren Zeit erzählt, sondern ich definiere für meine Teilnehmerinnen und Teilnehmer ein Resultatsziel.

Ich überlege mir also ganz genau, was für ein Ergebnis sie in einem Call oder einem Online-Kurs erreichen sollen. Dieses Ergebnis beschreibe ich – präzise, bildhaft und vor allen Dingen messbar (natürlich muss es etwas sein, das die Teilnehmenden attraktiv finden. Am Ende der Veranstaltung ist für sie ein Problem gelöst – wow!).

Sobald ich das Resultatsziel habe, gehe ich rückwärts vor und entscheide, welche Inhalte, Praxisübungen, Schritte und Arbeitsaufgaben notwendig sind, um die Teilnehmer zu diesem Ziel zu bringen. Das entschlackt den online Kurs enorm, erspart Arbeit, und führt dazu, dass die Teilnehmer statt unnötigem Ballast nur das lernen, was sie brauchen.

Nun noch für Abwechslung sorgen sowie das Resultatsziel regelmäßig im Bewusstsein halten – und siehe da: Mit großer Wahrscheinlichkeit steigt niemand vorzeitig aus – und niemand ruft Mails ab, oder zeichnet Schildkröten.

 

 

Über den Autor
Seit mehr als vierzig Jahren beschäftigt sich Tom Freudenthal mit Didaktik und hat 2001 das Speed-Learning-System Centered Learning entwickelt. Seine Mission: Den Markt für Online-Kurse zu revolutionieren, damit die Teilnehmenden wirklich lernen und umsetzen.
www.tom-freudenthal.de

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