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Frauen im Handwerk: Trend fortsetzen!

Von Carolin Schäufele

Es gibt 326 anerkannte Ausbildungsberufe in Deutschland. 40 % davon sind handwerkliche Berufe wie Gerüstbauer, Tischler oder Maurer. Berufe, die auf den ersten Blick nicht unbedingt mit Frauen in Verbindung gebracht werden. Denn nach wie vor gelten die Handwerksberufe als Männerdomäne.

Der Anteil von weiblichen Azubis liegt laut Zentralverband des Deutschen Handwerks bei 18,3 %. Und hier sind es vor allem die kreativen Berufe, die von Frauen ergriffen werden: Kosmetikerin (99 %), Schneiderin (84 %), Konditorin (80 %) und Friseurin (74 %). Frauen im Handwerk sind nach wie vor, auch wenn die Zahl leicht steigt, nicht selbstverständlich.

Doch was ist mit Technikern, Klempnern oder Malern? Fehlanzeige!
Körperliche Unterlegen? Nicht mehr in Zeiten der Digitalisierung und Automatisierung

Der Kampf für eine geschlechtergleiche Unternehmenskultur dauert nach wie vor an. Viele junge Frauen scheuen sich, beruflich den Weg ins Handwerk einzuschlagen, zu groß scheint die Angst, den männlichen Kollegen körperlich unterlegen zu.

Dabei ist das gerade in Zeiten der Automatisierung und Digitalisierung kein Argument mehr. Frauen im Handwerk bringen die Unternehmenskultur eher voran! Betriebe, die bei der Mitarbeiterstruktur auf Diversität setzen, gewinnen in den meisten Fällen.

Frauen im Handwerk: Jenseits der Klischees ermutigen

„Wir wollen Frauen zu einer Berufswahl jenseits von Klischees ermutigen. Frauen für gewerblich-technische Berufe zu begeistern, ist nicht nur wichtig mit Blick auf die Fachkräftesicherung. In der höheren Diversität der Mitarbeiterschaft steckt großes Potenzial für unsere Betriebe“, erklärt ZDH-Präsident Hans Peter Wollseifer gegenüber der Deutschen Handwerkszeitung.

Unternehmen, die sich für eine Steigerung des Frauenanteils im eigenen Betrieb entscheiden, können im Vorfeld bestimmte Bereiche anpassen:

  • Kulturwandel im Betrieb aktiv begleiten mit einer gleichstellungsfördernden Unternehmenskultur
  • Entwicklungs- und Aufstiegsmöglichkeiten schaffen
  • Angebote für eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben etablieren und Weiterbildung bei Genderkompetenz
  • „Sprachgebrauch“ anpassen

Hohe Zufriedenheit und gute Chancen

Eine Studie der Georg-August-Universität Göttingen belegt, dass Frauen im Handwerk nicht nur stolz auf ihren Beruf sind, sondern auch eine hohe Zufriedenheit mit ihrem Beruf haben.

Und sie sind Vorbild und Beispiel für junge Frauen oder Mädchen, die sich für das Handwerk interessieren.

Wer also dafür sorgt, dass sich Frauen für den eigenen Handwerksbetrieb interessieren, kann eigentlich nur gewinnen. Denn je mehr Frauen den Weg ins Handwerk finden, desto besser ist die Branche gegen den Fachkräftemangel aufgestellt.

Gute Chancen für Gründerinnen

Aus einem handwerklichen Beruf hinaus in die Selbstständigkeit überzugehen ist im Vergleich einfacher als in anderen Branchen. Voraussetzung und gleichzeitig die beste Qualifikation hierfür ist ein Meisterbrief. Laut ZDH führen Frauen immerhin schon jede vierte Gründung im Handwerk durch.

Natürlich ist Gründen immer eine risikoreiche Entscheidung, nicht nur finanziell. Für Gründerinnen gibt es zahlreiche Förderungsprogramme von Bund und Ländern, aber auch durch private Träger und Initiativen der Wirtschaftsunternehmen.

Das Bundeswirtschaftsministerium hat eine Broschüre extra für das Gründen im Handwerk herausgegeben: www.existenzgruender.de

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