Gründerinnen im Porträt

Das foodlab: Ein Platz für Food Start-Ups

Seit Mitte Juli existiert in Hamburg das Foodlab – ein “creative food space” für Start-ups. Ins Leben gerufen wurde es von Christin Siegemund. Das foodlab in der Hamburger Hafencity bietet einen Coworking Space für Food Startups, Küchenplätze zum Testen, Kreieren und Produzieren von Food Innovationen, ein Mediastudio für Shootings und Events und eine Popup Fläche, auf der alle vier Wochen ein neues Restaurantkonzept Platz findet.

Was ist die Besonderheit Ihrer Firma?

Mit dem foodlab habe ich einen Ort rund um Food in Hamburgs Hafencity eröffnet. Wir bieten hier einen Coworking Space für Food Startups, Küchenplätze zum Testen, Kreieren, Fermentieren und Produzieren, ein Media- und Eventstudio für Shootings um Produkte professionell in Szene zu setzen, sowie einen Mini Shop. Außerdem haben wir eine wunderschöne Popup Fläche, auf der alle vier Wochen ein neues Restaurantkonzept sich ausprobieren kann, mittags wie auch am Abend. Die jeweiligen BetreiberInnen können in geschütztem Rahmen mit bester Ausstattung Restaurant spielen und werden dabei von unserer Küchenchefin Marieke unterstützt soweit nötig. Sich unter realistischen Restaurantbedingungen auszuprobieren und direktes Feedback von Gästen zu erhalten hilft dem jeweiligen Akteur seine Baustellen aufzuzeigen. Das Gesamtkonzept soll etablierten Playern, Gründern, Gastronomen und Chefs Innovationen in der Foodbranche erleichtern. Ein eigenes, sechsmonatiges Accelerator Programm umfasst Coaching-Angebote und einen Arbeitsplatz im Coworking Space. Die Besonderheit liegt vor allem darin, dass wir eine offene Atmosphäre zum Austausch schaffen wollen, das Netzwerken im Bereich Food- Start Ups kann sehr viel bewirken ist aber alles andere als üblich. Aus diesem Grund ist unsere Coworking Fläche offen gestaltet, da kommt es ganz automatisch zum Austausch und alle können voneinander lernen.

Was sind Ihre ersten beruflichen Erfolge?

Ich habe relativ früh angefangen neben der Schule zu arbeiten. Mein erster Nebenjob war bei einer Bäckereikette. Und hier habe ich auch erste Erfolge gehabt, sei es, weil ich den Tagesabschluss irgendwann machen durfte oder die Schichtpläne geschrieben habe. Ich habe ziemlich schnell Verantwortung übernehmen dürfen, das war gut für meine Motivation.

Wie ist Ihr beruflicher Werdegang?

Ziemlich ungerade: Angefangen habe ich in der Werbung und bin durch einige Agenturen getingelt. Die erste Internetblase war gerade geplatzt, viele qualifizierte Menschen saßen auf der Straße. Für Leute wie mich, die frisch von der Schule kamen, war kaum Platz und wenn, dann nur im Rahmen von unbezahlten Praktikas. Also habe ich aus der Not eine Tugend gemacht und bin (mehr oder weniger) bewußt immer nur 6 Monate an einem Ort geblieben, habe aber parallel ein ein Abend-Studium zur Marketing-Kommunikationswirtin absolviert.
Als ich das in der Tasche hatte, hat es mich in die Eventplanung verschlagen und kurz darauf habe ich mich mit einer Freundin selbstständig gemacht. Wir haben Festpreis-Pakete für private Veranstaltungen verkauft und geplant, hatten eine eigene Veranstaltungsreihe und ein Hochzeitsmagazin, das wir im Raum Norddeutschland vertreten haben.

Nach drei Jahren ging es für meine Freundin und Geschäftspartnerin in eine andere Richtung, die Firma war mehr oder weniger pleite und ich bin zurück in die Werbung. Das hat mich aber auch nur kurzfristig glücklich gemacht, die Arbeitszeiten, der Druck, diese Attitüde… das war nicht meins. Also habe ich einen kurzen Break in New York City gemacht und kam zurück mit dem Ziel, in einem Unternehmen im Marketing Fuß zu fassen. 6 Wochen später saß ich dann bei Golfino in der Marketingabteilung, nochmal 6 Wochen später war ich Marketingleiterin als Elternzeitvertretung.

Diesen Job habe ich dann drei Jahre aktiv gemacht, habe zwischendurch einen Foodblog ins Leben gerufen, bis ich unsere Kinder bekommen habe. Ich habe mir sehr bewußt drei Jahre Elternzeit gegönnt weil ich wußte, dass ich nicht in den alten Job zurückwollte. Nach drei Jahren Elternzeit habe ich den Zwillingsbonus genutzt um auf 5 Jahre zu verlängern.

In den ganzen fünf Jahren habe ich aber schon nebenberuflich selbstständig gearbeitet, soviel ich eben durfte und habe meinen Blog betrieben und habe Marketing für Food Startups und andere Firmen gemacht.

Was war für Sie der Auslöser, ein eigenes Unternehmen zu gründen?

Für mich war es eine logische Konsequenz. Ich habe eine Nachfrage gesehen in meiner Zusammenarbeit mit den Food Startups und habe dann irgendwie einfach ein Projekt daraus gemacht, das zu einer festen Vision wurde. Der Stein kam ins Rollen und irgendwann gab es den „Point of no return“.
Einen einzigen Auslöser gab es somit nicht, sondern eher die ständige Bestätigung, dass das, was ich da tue, richtig und sinnvoll ist.

Wer hat Sie beraten, wer sind Ihre Helfer und Mentoren?

Ich hatte nicht viele Berater, aber einige Gute: einen Gründungsberater, der mit mir den Weg bis zur stehenden Finanzierung gegangen ist; eine Coachin, die mich im Rahmen einer Motiv-Potenzial-Analyse von Anfang an unterstützt hat und meine Bankberaterin, die meine Unternehmung sehr befürwortet hat.Ich hatte außerdem zwei Sparringspartner: meine Freundin und Gastro-Beraterin Antje de Vries, die mit mir tausend Gedanken rauf und runter geteilt hat und niemals müde wird mir neue Impulse zu geben und meinen Mann, der sich alle Ups & Downs anhören musste und immer ein guter Ratgeber ist.

Was war Ihre größte Herausforderung und wie haben Sie diese gemeistert?

In der Planungsphase: Die Finanzierung. Das war ein harter Brocken, den wir als Team gut gemeistert haben.
Jetzt, in der operativen: Strukturen schaffen, loslassen, dafür zu sorgen, dass sich mein Team wohlfühlt, gerade in der Anfangsphase ist es ruckelig und Dinge müssen sich einspielen bevor sie einschleifen. Und mich dabei nicht vergessen.

Wie machen Sie auf Ihr Unternehmen aufmerksam?

Ich habe mir in den letzten zwei Jahren ein sehr großes Netzwerk geschaffen. Ich setze auf „Spread the word“ und auf gemeinsame Unterstützung. Außerdem setze ich auf Pressearbeit und die sozialen Medien.

Was ist Ihre beste Vermarktungsidee?

Wahrscheinlich ich selbst. Ich merke immer wieder, dass es etwas anderes ist, wenn die Person von dem Projekt erzählt, die es gegründet hat. Das ist wie mit den eigenen Kindern: niemand kann sich für das/die Kind/er so begeistern wie eigenen Eltern.

Wie haben Sie die Finanzierung Ihrer Gründung umgesetzt?

Mit einem Baukostenzuschuss, einem Bankkredit und eigenem Geld.

Welchen Traum möchten Sie noch verwirklichen?

Ich möchte langfristig mit meiner Familie in den Sommerferien an einem anderen Ort zu sein und von dort aus zu arbeiten. Daher nehme ich meine Inspiration und Energie: aus einer guten Kombination aus Arbeit und Freizeit.

Ihr Tipp: Was würden Sie anderen Gründerinnen empfehlen?

Tauscht euch aus! Vernetzt euch und redet über das Projekt. Lasst euch nicht abwimmeln, akzeptiert erstmal kein Nein, es gibt immer einen Weg. Seid mutig, traut euch die Dinge zu und hört auf zu zweifeln. Wenn ihr für eine Idee brennt, erzählt sie anderen und fangt an. Ob letztlich was draus wird, weiß niemand, aber anfangen ist schon mal der erste, richtige Schritt.

Hier geht es direkt zur Homepage des Foodlab.

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