Gründerinnen im Porträt

Landfleischerei Koch: Traditionell und modern

Die Landfleischerei Koch aus Calden stellt ein einzigartiges Lebensmittel her: Nordhessische Ahle Wurst. Katharina Koch hat das seit 1877 bestehende Familienunternehmen übernommen und entwickelt dieses ständig weiter, um es in eine erfolgreiche Zukunft zu führen. Dabei bleiben die traditionellen Herstellungsmethoden weitgehend unverändert, aber Markenauftritt und Kommunikation sind neu.

Was ist die Besonderheit Ihrer Firma?

Wir sind ein seit 1877 bestehendes Familienunternehmen und stellen ein besonderes, handgemachtes Lebensmittel her: Luftgetrocknete, naturgereifte „Ahle Wurst“. Ich habe den Betrieb 2018 von meinem Vater übernommen. Zuvor habe ich in Berlin und Paris Kommunikations- und Politikwissenschaft studiert und mich auf eine Karriere in politischen Organisationen vorbereitet, denn eigentlich waren meine beiden älteren Brüder als Nachfolger vorgesehen.

Was sind Ihre ersten beruflichen Erfolge?

Ich habe in den letzten zwei Jahren das von einer traditionellen Landmetzgerei in Richtung einer spezialisierten Lebensmittelmanufaktur weiterentwickelt. Wir haben die Produktpalette verändert und erweitert, ebenso den Vertrieb über das Internet oder Partnerunternehmen. Das zeigt sich auch in den guten Geschäftszahlen, wir sind gewachsen und haben neue Arbeits- und Ausbildungsplätze geschaffen. (Für meine Arbeit wurde mir 2017 die Auszeichnung als „Unternehmerfrau im Handwerk“ verliehen…?)

Wie ist Ihr beruflicher Werdegang?

Nach dem Abitur in Kassel habe ich in Berlin und Paris studiert, mit Tätigkeit in politischen Organisationen wie dem Bundestag oder den Vereinten Nationen in New York. Den Kontakt zum elterlichen Unternehmen habe ich dennoch nie aufgegeben. Als sich abzeichnete, dass meine Brüder nicht ins Unternehmen einsteigen würden, habe ich mit meinem Vater zusammen überlegt, wie es weitergehen könnte. Ich habe dann in den ersten Jahren das Unternehmen mit ihm zusammen geleitet und mich auch beruflich zur Fleischermeisterin weiterqualifiziert.

Was war für Sie der Auslöser, ein eigenes Unternehmen zu gründen?

Meine Entscheidung, das Familienunternehmen weiterzuführen ist im Wesentlichen von zwei Dingen beeinflusst worden: Einerseits habe ich in Zusammenarbeit mit meinem Vater gemerkt, wie vielfältig, herausfordernd und sinnstiftend es ist, als selbständige Unternehmerin zu arbeiten. Die Möglichkeiten, sich zu entfalten und eigene Ideen umzusetzen sind viel größer als Angestellte in einer großen Organisation. Andererseits fand ich den Gedanken, dass unsere lange Familientradition als handwerkliche Fleischer mit meinem Vater endet, einfach nicht akzeptabel. Mir war einfach nicht egal, wie es mit unserer Familiengeschichte weitergeht.

Wer hat Sie beraten, wer sind Ihre Helfer und Mentoren?

Mein Vater war und ist sicherlich mein wichtigster Mentor und Ratgeber, vor allem natürlich im beruflichen Bereich. Geholfen in meine Rolle als Unternehmerin und Chefin hineinzuwachsen hat mir der Austausch mit anderen Unternehmerinnen in meinem Freundes- und Bekanntenkreis. Und nicht zuletzt mein Lebensgefährte, der mich bei vielen schwierigen Entscheidungen beraten und unterstützt hat.

Was war Ihre größte Herausforderung und wie haben Sie diese gemeistert?

Die größte Herausforderung der letzten Jahre ist sicherlich der Umgang mit der Corona-Pandemie. Darauf waren wir, wie alle, einfach nicht vorbereitet. Dass wir bisher verhältnismäßig gut mit den Auswirkungen klarkommen und unseren Betrieb auf die veränderte Situation einstellen konnten, ist sicherlich auch der Verdienst meiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Ich bin wirklich stolz darauf, wie sehr sie mich unterstützt und bei der Umsetzung unserer „Corona-Maßnahmen“ mitgemacht haben.

Wie machen Sie auf Ihr Unternehmen aufmerksam? Was ist Ihre beste Vermarktungsidee?

Durch eine Vielzahl von Maßnahmen. Klassische Anzeigenwerbung machen wir hauptsächlich in regionalen Veröffentlichungen, in diesem Frühjahr haben wir erstmals auch mit Anzeigen bei Google und anderen Suchmaschinen für unseren Onlineshop geworben. Zudem sind wir natürlich in den sozialen Netzwerken unterwegs. Sehr gut funktionieren auch PR- und Pressearbeit, zum Beispiel, wenn wir ein außergewöhnliches, neues Produkt entwickeln.

Wie haben Sie die Finanzierung Ihrer Gründung umgesetzt?

Die finanzielle Seite der Übernahme habe ich mit meinem Vater frühzeitig geregelt, dafür haben wir uns nicht nur von unserem Steuerberater, sondern auch von weiteren Fachleuten beraten lassen.

Welchen Traum möchten Sie noch verwirklichen?

Wenn man durch Frankreich fährt, weisen die rotbraunen Schilder entlang der Autobahn nicht nur auf Sehenswürdigkeiten, sondern auch auf die besonderen regionalen Lebensmittel hin. Die Franzosen leben ihr kulinarisches Erbe einfach viel intensiver als wir Deutschen und sind stolz auf die reiche Kultur ihrer Lebensmittelherstellung. Mein Traum wäre, dass dies auch in Deutschland stärker der Fall wäre. Wir bräuchten zum Beispiel ein braunes Schild für die „Ahle Wurst“ und die traditionellen Reifekammern, die es früher in jedem Bauernhaus gab.

Was ist Ihr besonderer Tipp: Was würden Sie anderen Gründerinnen empfehlen?

Es klingt ein bisschen kitschig, aber wir sollten wirklich versuchen, unserer Träume zu leben. Damit meine ich nicht, irgendeiner Utopie hinterherzurennen, sondern vielmehr das beharrliche Dranbleiben an den eigenen Zielen und Werten, die man für sich als richtig erkannt hat. Das erfordert Ausdauer und Geduld, auch Rückschläge und Enttäuschungen sind nie ganz zu vermeiden. Aber es gibt am Ende nichts Schöneres für mich als Unternehmerin als meinem eigenen Stern zu folgen.

Vielen Dank für das Gespräch und viel Erfolg!

Hier geht es direkt zur Homepage der Landfleischerei Koch

Gründerin Katharina Koch ist Bewerberin des Hessischen Gründerpreis 2020.

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