Gründerinnen im Porträt

Lost Film: Horror mit Mission

Nabila Bushra und Farah Bouamar // Foto: Milena Zara

Farah Bouamar und Nabila Bushra sind die Gründerinnen von Lost Film gUG i.G., eine Produktionsfirma, die Horror-Kurzfilme zu gesellschaftskritischen Themen dreht und dabei gendersensibel und rassismuskritische vor und hinter der Kamera arbeitet.

Lost Film gehört zu den Preisträger*innen der Kultur- und Kreativpiloten 2021.

Was ist die Besonderheit Ihres Start-ups?

Wir haben uns in der Filmbranche einer Nische verschrieben, dem Horror-Genre. Und dieser Nische verleihen wir inhaltlich und strukturell durch unsere Ausrichtung Tiefe und Komplexität. Wir arbeiten gendersensibel und rassismuskritisch, vor und hinter der Kamera, zentrieren unterrepräsentierte Geschichten und Perspektiven und machen uns für einen Paradigmenwechsel stark, der Chancengleichheit und strukturelle Veränderung großschreibt.

Was sind Ihre ersten beruflichen Erfolge?

Noch kein Jahr alt, blicken wir auf den großen Erfolg unserer ersten Kurzfilmproduktion zurück. I CAN HEAL YOU, ein okkulter Horrorthriller, der von einer Beziehungstragödie handelt und existenzielle Fragen aufwirft: Leben, Tod, Krankheit, Glaube, Aberglaube, Grenzen und Wahnsinn.

Mit I CAN HEAL YOU, begleitet von einem inhaltlichen Rahmenprogramm, touren wir auf Einladung bildungspolitischer Institutionen und Medienhäuser durch die Republik und laufen zudem auf Festivals (Berlin Indie Filmfestival und Remake. Frankfurter Frauen Film Festival).1

In diesem Jahr sind wir Kultur- und Kreativpilot*innen Deutschland und gehören zu einem von 32 Unternehmen deutschlandweit, die von der Bundesregierung für ihre Idee, Leistung und für ihre Unternehmerinnenpersönlichkeit ausgezeichnet worden sind.

Wie ist Ihr beruflicher Werdegang?

Nabila Bushra ist Pädagogin, studierte Sozialarbeiterin und Doktorandin an der Universität Bielefeld. Sie hat bisher in die Kinder,- und Jugendarbeit, Fachberatungsstellen für Frauen, sowie im Kultur- und Hochschulbetrieb gearbeitet.

Farah Bouamar ist ausgebildete Schreibberaterin und Doktorandin in Literaturwissenschaft und Philosophie an der Universität Paderborn. Seit 2013 bietet sie regelmäßig im Kultur- und Hochschulkontext Workshops zum kreativen- und wissenschaftlichen Schreiben im In- und Ausland an. Sie war Mitbegründerin des mehrfach ausgezeichneten YouTube-Satirekanals Datteltäter und Teil des YouTube Creators for Change Programms.

Was war für Sie der Auslöser, ein eigenes Unternehmen zu gründen?

Nachhaltiges Arbeiten, Zugänge zu Ressourcen und der Wunsch für Veränderung einzustehen, das waren von Anfang an unsere Prämissen, die sich dauerhaft nur in einer Unternehmensstruktur bewähren konnten. Deshalb beschlossen wir unmittelbar nach unserer ersten Produktion ein Unternehmen zu gründen – denn eins war uns nach dem ersten Kurzfilm klar, wir wollen unbedingt weitermachen.

Wer hat Sie beraten, wer sind Ihre Helfer und Mentoren?

Neben dem Austausch mit Freunden und Bekannten, die bereits erfolgreich Unternehmen gegründet haben, ließen wir uns juristisch beraten und sind infolgedessen die Gründung eingegangen. In ein Mentoring-Programm sind wir erst jüngst durch die Auszeichnung als Kultur- und Kreativpiloten 2021 gekommen und freuen auf unsere Mentor*innen, die wir noch nicht kennen.

Was war Ihre größte Herausforderung und wie haben Sie diese gemeistert?

Ein umfassendes Beratungsangebot, das über den gesamten Gründungsprozess aufklärt, Orientierung über die Wahl der Rechtsform für Unternehmen schafft und nicht mit exorbitanten Kosten verbunden ist – das hat uns etwas gefehlt. Die Online-Angebote waren in diesem Zusammenhang zwar sehr hilfreich, konnten aber mitnichten ein persönliches Beratungsgespräch ersetzen. Gemeistert haben wir die Herausforderung durch zahlreiche Gespräche und Austausch mit Bekannten, Freunden, zeitintensiven Recherchen im Netz und einer juristischen Betreuung.

Wie machen Sie auf Ihr Unternehmen aufmerksam?

Über unsere Social-Media-Präsenz, insbesondere über Instagram machen wir auf unser Unternehmen aufmerksam und setzen auf Word-of-Mouth und Networking.

Was ist Ihre beste Vermarktungsidee?

Die Tücke der Erwartungen. Unser selbstverständlicher Auftritt „wir sind wir und wir produzieren Horrorfilme“ ist unsere Vermarktungsidee. Das sorgt für Verwirrung und dies begrüßen wir, weil es im Sinn bleibt.

Wie haben Sie die Finanzierung Ihrer Gründung umgesetzt?

Wir haben unsere Gründung aus privaten Mitteln umgesetzt.

Welchen Traum möchten Sie noch verwirklichen?

Ein gesundes Unternehmen zu haben, das mit Menschen, Expertisen und Leidenschaft gewachsen ist und Langfilme und Serien realisiert und dabei jungen Talenten Türen öffnet. Wenn der Traum kleiner ausfallen soll, dann ist es der Traum von einem LOST FILM Büro, in dem beinahe alle Prozesse der Produktion unter einem Dach vereint sind.

Ihr Tipp: Was würden Sie anderen Gründerinnen empfehlen?

“The success of every woman should be the inspiration to another. We should raise each other up. Make sure you’re very courageous: be strong, be extremely kind, and above all be humble.” – Serena Williams

Vielen Dank für das Gespräch und viel Erfolg!

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