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FidAR fordert Rote Karte für 90-Prozent-Männerquote in Spitzenpositionen

75 der großen börsennotierten Konzerne planen mit einer frauenfreien Führungsetage, darunter das DAX-30-Unternehmen HeidelbergCement, DAX-30-Aufsteiger Deutsche Wohnen und die MDAX-Shootingstars Delivery Hero, HelloFresh und Rocket Internet. Das ergibt der aktuelle Women-on-Board-Index von FidAR (Stand 30.04.2020), der aktuell in Berlin veröffentlicht wurde.

Bei der Teilhabe von Frauen und Männern an Führungspositionen ist insgesamt der Motor ins Stocken geraten. Zwar ist der Frauenanteil in den Aufsichtsräten der derzeit 188 im DAX, MDAX und SDAX sowie der im Regulierten Markt notierten, voll mitbestimmten Unternehmen seit Anfang 2015 um 12,3 Prozentpunkte auf durchschnittlich 32,2 Prozent gestiegen – im Vergleich zum Vorjahr betrug der Zuwachs aber nur noch 1,3 Prozentpunkte. Die aktuell 105 der Quote unterliegenden Unternehmen erreichen im Aufsichtsrat mit durchschnittlich 35,2 Prozent Frauen (+13,9 seit 2015 / +1,3 seit 2019) einen neuen Höchststand. Die 83 nicht der Quote unterliegenden DAX-Unternehmen haben sich seit 2015 zwar auf 22,8 Prozent (+9,1 seit 2015 / +1,2 seit 2019) gesteigert, bleiben aber weiterhin deutlich unter 30 Prozent.

Stagnation bei gleichberechtigter Teilhabe in den Vorständen

In den Vorständen dominieren die Männer weiterhin mit stabilen 90 Prozent. Der Frauenanteil hat die 10-Prozent-Marke knapp überstiegen. Seit 2015 legte der Wert um 5,7 Prozentpunkte auf 10,7 Prozent (+1,5 seit 2019) zu – bei den Quotenunternehmen liegt der Anteil bei 11,5 Prozent (+6,6 seit 2015 / +1,9 seit 2019) leicht höher, bei den Nicht-Quotenunternehmen bei nur 9,5 Prozent (+4,3 seit 2015 / +1 seit 2019). Den geringen Frauenanteil zu steigern beabsichtigen nur wenige Konzerne. Weiterhin planen 75 der 165 Unternehmen, die eine Zielgröße für den Vorstand festgelegt und derzeit eine frauenfreie Vorstandsetage haben, mit Zielgröße „Null“.

„Viel zu viele Unternehmen geben sich die Zielgröße „Null“ für den Vorstand – zeigen also null Ambitionen. Ich kann das, insbesondere in Anbetracht der Corona Krise, nicht verstehen. Wir sehen, dass viele Frauen in Führungspositionen, beispielsweise als Regierungschefinnen, die Corona-Krise erfolgreich managen: unaufgeregt, pragmatisch, zielorientiert. Zu viele Unternehmen scheinen diesen Vorteil von Frauen nicht nutzen zu wollen, deshalb ist unser Gesetzesentwurf eindeutig. Große deutsche Unternehmen, deren Vorstände aus vier oder mehr Personen bestehen, sollen zukünftig mindestens eine Frau in ihren Vorstand bestellen“, sagt Bundesfrauenministerin Dr. Franziska Giffey. „Aber da hört unser Entwurf nicht auf, denn wer künftig weiterhin die Zielgröße „Null“ meldet und dies nicht plausibel begründet, muss mit spürbaren Sanktionen rechnen. Es ist an der Zeit, den Druck zu erhöhen, ich werde in der Bundesregierung alles dafür tun, hier weiter zu kommen.“

Nur gesetzlicher Druck schafft wirkliche Veränderung

„Die Zeit der Appelle ist vorbei. Wir wussten, dass es ein Marathon wird, den Frauenanteil in Führungspositionen zu erhöhen. Die erste Hürde wurde mit Einführung der Quote vor 5 Jahren genommen. Aber wo kein Druck ausgeübt wird, scheint es an Willen zur Veränderung und Kondition zu fehlen. Unternehmen, die weiter mit Zero Diversity planen, muss jetzt die Rote Karte gezeigt werden. Wir müssen daher die gesetzlichen Vorgaben ausweiten und die Sanktionen verschärfen. Es ist Zeit, Blockaden zu überwinden und das Tempo zu steigern“, erklärt FidAR-Präsidentin Monika Schulz-Strelow. „Es ist eine gemeinsame Verantwortung der Frauen und Männer in den Führungsgremien der Wirtschaft, die gleichberechtigte Teilhabe auf allen Ebenen durchzusetzen.“

Insgesamt betrachtet macht weiterhin die verbindliche Frauenquote den Unterschied. In allen Bereichen der umfassenden Untersuchung des WoB-Index sind in den der Quote unterliegenden Unternehmen größere Fortschritte beim Frauenanteil festzustellen, in den Aufsichtsräten und Vorständen, in den Ausschüssen der Aufsichtsräte und bei den Zielgrößen. Hier setzen sich die Quotenunternehmen weitaus ehrgeizigere Ziele als die Nicht-Quotenunternehmen. Bei Unternehmen, die nicht der Quote unterliegen, stagniert dagegen die Entwicklung der gleichberechtigten Teilhabe.

FidAR fordert europäische Initiative für mehr Gleichberechtigung

„90 Prozent Männerquote sind ein Armutszeugnis für die deutsche Wirtschaft. Deutschland steht damit bei der Teilhabe weltweit auf den hintersten Plätzen. Die Bundesregierung sollte die Ratspräsidentschaft der Europäischen Union nutzen, um der gleichberechtigten Teilhabe neuen Schub zu verleihen. Europaweit einheitliche Vorgaben für den Frauenanteil in Führungspositionen wären ein Meilenstein für die Gleichberechtigung“, betont Schulz-Strelow. „Weigern sich die Unternehmen weiterhin, strategisch mit Frauen in der Führung zu planen, wäre eine Quote für die Vorstandebene die logische Konsequenz. Und diese Quotenregelung hätten sich die Unternehmen selbst verdient, indem sie die letzte Chance der freiwilligen Selbstregulierung ausgeschlagen haben.“

Der WoB-Index wird gefördert vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Die ausführliche Studie zum Women-on-Board-Index 185 von FidAR finden Sie unter www.wob-index.de.

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