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Claudia Gersdorf: „Erfolg ist für mich, Grenzen zu verschieben.“

Claudia Gersdorf ist Gründerin und CVO von PolaR BEAR Positive Relations. Geboren in Chemnitz hat sie Kommunikationsmanagement an der DEPAK Berlin, Internationale Beziehungen, Politikwissenschaft, Französische und Italienische Sprach-, Literatur-, Kulturwissenschaft an der TU Dresden und Sorbonne Paris studiert.

Zwischen 2014 und 2019 war sie als CCO bei Viva con Agua tätig und entwickelte Strategien im Bereich Presse- und Öffentlichkeitsarbeit für den internationalen Auftritt der Wasserinitiative.

Wie definieren Sie Erfolg?

Erfolg ist für mich, Grenzen zu verschieben, neu zu definieren und den eigenen Gestaltungsspielraum zu erweitern. Das mache ich ganz instinktiv von Geburt an, und inzwischen intuitiv. So hat zum Beispiel anfangs kein:e Expert:in geglaubt, dass ich jemals gut laufen könnte. Die Ärzt:innen meinten, ich würde nie eigenständig lebensfähig, sondern ein Leben lang auf Assistenz angewiesen sein. Rückblickend zum Glück eine falsche Prognose. Jedoch Glück allein reicht hier nicht. Mit viel Ehrgeiz, Disziplin, Fleiß und Investition habe ich mich ins Leben, in die Gesellschaft gekämpft. Proaktive Inklusion in Eigeninitiative sozusagen. Das hat mich geprägt. Auch beruflich. Nach einigen Management-Positionen – zuletzt als Kommunikationschefin (CCO) und Pressesprecherin von Viva con Agua – habe ich mich für die Selbständigkeit entschieden. Für mich ist bereits das ein kleiner Erfolg: die Entscheidung für das Unternehmertum – mit allen Risiken, dafür aber einem nahezu unbegrenzten Gestaltungsspielraum.

Was zeichnet Sie aus?

Positive Power! Oder ganz nüchtern: Beharrungsvermögen, Ehrgeiz und eine hohe Frustrationstoleranz. Meine Ziele erreiche ich – lächelnd und ohne Verbissenheit. Dieser Grundoptimismus spiegelt auch meine neu gegründete Unternehmensberatung PolaR BEAR Positve Relations wider. Für Unternehmen will PolaR BEAR positive Beziehungen zu ihren Konsument:innen aufbauen sowie festigen. Der Kitt, der das zusammenhält, heißt proaktiver gesellschaftlicher Wandel, Corporate Responsibility und Nachhaltigkeit mit messbaren Ergebnissen.

Wer oder was ist Ihr Motor?

Meine Lebensfreude und mein Streben nach Weiterentwicklung sowie Potentialentfaltung. Ich ergreife gerne die Chancen, die sich mir im Leben bieten, um mein Leben sowie das Leben anderer zum Positiven zu verändern. Oder ich kreiere gerne Chancen. Stetig für eine erfüllte, gerechte Gesellschaft und bessere Welt aktiv zu sein, gemeinsam mit powervollen Unternehmen in Perspektiven und Menschenrechte zu investieren, das macht mich wirklich glücklich.

Straighter Weg oder Abzweigungen – wie verlief ihr Berufsweg bisher?

Ab und zu – aus den genannten Gründen – holperig. Für einige Mitmenschen ist es eine Herausforderung, meine Körperbehinderung auszublenden, wenn es um Kompetenzverteilung oder Karriereschub geht. Auch die damit einhergehenden Kommentare, Verurteilungen und Abwertungen vergisst man nicht so schnell. Ich habe sehr früh gelernt und trainiere bis heute derartige Äußerungen an mir abprallen zu lassen, lege dafür eine imaginäre Ritterrüstung an. Zudem zeige ich immer mehr, insbesondere seitdem ich Unternehmerin geworden bin, klare Kante und grenze mich gegenüber Menschen ab, die mir nicht wertschätzend gegenübertreten. Das alles führt dazu, dass ich meine Stärken potenziere und dann auch auf solche Ideen komme wie meine Stellen bei vormaligen Arbeitgeber:innen selbst zu erschaffen. Direkt nach dem Studium hatte ich mich sehr schnell auf den Bereich der Menschenrechts- und NGO-Arbeit spezialisiert. Ich kenne die Praxis, war in über 10 Ländern Afrikas und auf Haiti nach dem Erdbeben. Ich habe jedes Arbeitsumfeld mit meinen Ideen rund um Empowerment (statt Hilfe), Social Investment auf Augenhöhe (statt Spenden), positive Kommunikation von Weiterentwicklung und Potentialentfaltung (statt Mitleids-Kampagnen) entscheidend mitgeprägt. Mit diesem Know-How und reichhaltigen Ideen, Erfahrungen im Rücken eine Unternehmensberatung in diesem Sektor zu gründen – ich glaube, das ist ein vergleichsweise straighter Weg.

Gibt es Rollenbilder in Ihrem Alltag, denen Sie gern entkommen möchten?

Frau, behindert – das setzen zu viele immer noch mit Schwäche oder Inkompetenz gleich. In der Realität verhält es sich doch so: Diversity und Inklusion finden alle toll. So lange es nicht konkret wird. Dann kneifen viele und grenzen sich ab. Vielleicht, und das ist meine Hoffnung, kann ich mit meinem Beispiel zu einer deutlich toleranteren und neugierigeren Gesellschaft beitragen. Schön wär’s!

Welche eigene Erfahrung geben Sie anderen Frauen als Tipp mit auf den Weg?

„Ich habe 99 Probleme… Zerebralparese ist nur eines davon“ – die Urheberin dieses Zitats, Maysoon Zayid, ist meine größte Inspiration. Ihr Auftreten und Persönlichkeit haben mich vor einigen Jahren stark motiviert, mich als Karrierefrau mit Behinderung zu outen. Zayids Erfahrung ist auch meine eigene: Der Erfolg jeder Frau sollte eine Inspiration, Freude, Motivation für eine andere sein. Und hier ist mein Tipp: Lasst uns gegenseitig empowern! Zwar wurde uns beigebracht, miteinander zu konkurrieren, wir können jedoch das Stereotyp transformieren und gemeinschaftlich eine Kultur der powervollen gegenseitigen Potentialentfaltung schaffen. The sky is no limit – only your mind can limit you!

Vielen Dank!

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