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Katharina V. Haderer – Ich war keine Einser-Schülerin

Katharina V. Haderer ist eine österreichische Autorin der Phantastik. Sie studierte Germanistik in Wien und veröffentlichte 2014 ihren Debütroman „Das Herz im Glas“ im Selfpublishing. Inzwischen ist sie eine erfolgreiche Autorin und veröffentlicht beim Verlag Droemer Knaur.

Wie definieren Sie Erfolg?

Erfolg ist immer in Zusammenhang zu dem zu sehen, was man macht, und wie weit man bereits gekommen ist. Ich arbeite gern in erreichbaren Schritten. Zu Beginn, wenn man seine ersten Romanversuche zu Papier bringt, kann es schon ein Erfolg sein, Freunde dazu zu bringen, einen Blick drauf zu werfen. Einen Roman mit mehreren hundert Seiten zu beenden ist jedes Mal ein kleiner Erfolg, der gefeiert gehört. Sich die Arbeit zu machen, ein Buch im Selfpublishing herauszubringen, jeden einzelnen Leser zu feiern, der danach greift. Zu meinen größeren Erfolgen der letzten Jahre gehörten definitiv, mein Buch in einem Verlag und später sogar in einem großen Publikumsverlag untergebracht zu haben.

Was zeichnet Sie aus?

Kreativität, Vorstellungskraft, Hartnäckigkeit – ich war keine Einserschülerin in Deutsch, meine Texte voller Fehler, und nicht alle Lehrer haben meine Kreativität geschätzt und gefördert. Ich aber habe nicht aufgegeben. Ich tue gern, was ich mache. Das bedeutet nicht, dass Rückschläge nicht wehtun – im Gegenteil, beim Schreiben identifiziert man sich sehr mit Kritik oder schlechten Verkäufen, denn man gibt in jeden seiner Texte ein Stück von sich selbst. Aber die Leidenschaft lässt einen trotzdem weiterkämpfen. Jetzt erst recht!

Wer oder was ist Ihr Motor?

Geschichten zu erfinden kam mir schon seit der Kindheit ganz natürlich. Ich kann mich nicht erinnern, wann es jemals nicht so war. Selbstverständlich ist die Motivation zu schreiben und alles, was dazu gehört – Vermarktung, Kontakt mit den LeserInnen, Unterbringung beim Verlag etc. – auch mal nicht so groß. Es kann frustrierend sein, ein Jahr an einem Buch zu arbeiten und es dann innerhalb weniger Stunden verrissen zu sehen. Wie oben schon geschrieben, fühlt sich das oftmals auch sehr persönlich an. Wichtig ist ein Ausgleich, auch ein Körperlicher – denn das Schreiben an sich ist an den Computer gebunden. Auch der Rückhalt von Freunden und Familie kann einiges leisten, damit man nicht die Motivation verliert. Ich weiß nicht, ob ich es so weit geschafft hätte, wenn nicht jemand anderer an mich geglaubt hätte. Mir persönlich gibt auch die Arbeit als Pfadfinderleiterin viel. Es reißt dich aus dem einsamen Alltag, und auch viele meiner Freunde stammen nach wie vor aus der Pfadfindergemeinschaft. Hier unterstützt man sich und schätzt jeden als Individuum.

Straighter Weg oder Abzweigungen – wie verlief Ihr Berufsweg bisher?

Ich hatte bisher immer einen Nebenjob. Momentan arbeite ich noch immer Halbzeit in einem Dienstleistungsberuf, wobei ich natürlich immer wieder mit den Gedanken spiele, mich vollkommen selbstständig zu machen. Was meine Autorenkarriere angeht, ging’s bei mir nicht mit Buch eins steil nach oben, sondern ich bin einen Wanderweg gegangen – ich habe viele Bücher geschrieben, bevor ich mich ans Selfpublishing (Eigenverlag) getraut habe. Von dort aus wurde ich in einen kleineren Verlag und später dann auch an einen größeren Verlag empfohlen. Wenn du Menschen mit dem begeistern und berühren kannst, was du machst, tragen dich ihre Empfehlungen weiter. Dafür bin ich sehr dankbar.

Gibt es Rollenbilder in Ihrem Alltag, denen Sie gern entkommen möchten?

Ich fürchte, ich persönlich bin so ziemlich die Klischee-Autorin. Ich mag keine großen Menschenansammlungen, ich lebe mit meinen zwei Katzen in einer exzentrisch eingerichteten Wohnung, ich trinke gerne Mal ein Glas Wein und nehme meinen Laptop sogar in den Urlaub mit. Diese Klischees amüsieren mich, sie tun mir nicht weh und ändern nichts an meiner Wertigkeit. Im Dienstleistungsberuf, der hauptsächlich von Frauen getragen wird, sieht das wieder ganz anders aus.

In meinen Büchern spiele ich mit Rollenbildern. Die Phantastik, in der ich hauptsächlich schreibe, strotzt vor Rollenklischees – gerade diese zu nehmen und aufzubrechen, macht mir besonders Spaß. Manchmal geschieht das ganz unvorhergesehen. Ich möchte einen Aha-Moment beim Leser / bei der Leserin erzeugen.

Welche eigene Erfahrung geben Sie anderen Frauen als Tipp mit auf den Weg?

Kenne deinen eigenen Wert. Arbeite nicht gratis. Sei freundlich aber bestimmt. Nutze Angebote, die dich weiterbringen könnten – auch wenn du dich davor fürchtest, nicht gut genug zu sein. Die Möglichkeit, die du ausschlägst, hätte ein Mann mit der Hälfte deiner Qualifikationen schon längst angenommen. Unterstütze andere Frauen, und sieh sie nicht als Konkurrenz, weil unsere Gesellschaft das so plakatiert. Erfolg ist kein Kuchen: Wenn das Stück eines anderen größer ist, bedeutet das nicht, dass deins kleiner wird. Höre nicht auf Tratsch und bilde dir stets deine eigene Meinung. Das und mehr habe ich in den letzten Jahren als Autorin gelernt.

Vielen Dank!

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