Unternehmerinnenwissen

Frauen in Führungspositionen – Inspiration und Veränderung von the Boardroom

Am 26. Januar 2022 wurde von der Bundesregierung der sogenannte Jahreswirtschaftsbericht beschlossen. Er befasst sich in einem eigenen Kapitel erstmals auch mit dem Wohlfahrtsindikator Geschlechtergleichstellung und Frauen in Führungspositionen. Umfragen zu diesem Themenkomplex zeigen, dass Geschlechtergleichstellung überall auf der Welt ein wesentlicher Faktor für den individuellen ökonomischen Fortschritt ist, aber zugleich einen Indikator für subjektives Wohlbefinden und Zufriedenheit darstellt.

Frauen in Führungspositionen: EU geht Schritte in Richtung Gleichberechtigung

In der Europäischen Union sind hinsichtlich des herrschenden Geschlechterungleichgewichts seit längerem positive Veränderungen wahrzunehmen. So wurde im Sommer 2022 von der EU festgelegt, dass es ab 2026 eine Geschlechterquote in den Vorständen von Unternehmen geben soll. Bis zu diesem Zeitpunkt ist noch viel zu tun, denn solche Beschlüsse müssen erst einmal in den Chefetagen umgesetzt werden, auch wenn es schon 17 Prozent mehr Frauen in Aufsichtsräten gibt.

Denn insgesamt betrachtet, ist dies zwar eine wünschenswerte Entwicklung, allerdings sind Frauen in solchen Positionen noch allzu oft die einzigen weiblichen Mitarbeitenden in ihrem Gremium. Das ist umso unverständlicher, wenn man bedenkt, dass beispielsweise 60 Prozent aller Studienabschlüsse an deutschen Hochschulen von Frauen gemacht werden.

Eigentlich müssten sie damit viel stärker in hohen und höchsten Positionen vertreten sein, ihr Anteil macht in nicht geschäftsführenden Leitungsgremien von Unternehmen allerdings gerade einmal 30 Prozent aus. Da ist es nicht verwunderlich, dass in den wichtigsten, geschäftsführenden Unternehmensgremien noch weniger Frauen vertreten sind. Was notwendig ist, sind Vorbilder, die durch ihre eigenen Biografien zeigen, dass Veränderung prinzipiell möglich ist und wie sich solche Veränderungen in Gesellschaft und Wirtschaft herbeiführen lassen.

Studien zum Thema Geschlechterungleichheit und Gleichstellung

In Diskussionen zum Thema Geschlechtergleichstellung wird immer öfter neben den sozialen und individual­-ökonomischen Perspektiven auch die gesamtwirtschaftliche Dimension der wirtschaftlichen Teilhabe von Frauen betrachtet. So gewinnen etwa die gesamtgesellschaftlichen Kosten der Ungleichheit an Bedeutung. Darüber hinaus wird die Gleichstellung der Geschlechter mehr und mehr als wirtschaftliche Investition verstanden. Gleichstellung wird zu einem Faktor, durch den eine bessere Integration von produktivem Potenzial der erwerbsfähigen Bevölkerung gelingt.

Die Resilienz vieler Chefetagen gegen weibliche Führungskräfte ist auch deshalb erstaunlich, weil es zahlreiche empirische Untersuchungen gibt, die zeigen, dass das stur beibehaltene Geschlechterungleichgewicht signifikant negative Auswirkungen auf das wirtschaftliche Wachstum hat. Vor allem für Schwellen-­ und Entwicklungsländer konnte dies nachgewiesen werden. Die stärkere und gleichberechtigte Teilhabe von Frauen hat aber auch Vorteile für die Wirtschaft insgesamt und die Unternehmen in den Industrienationen. Im Rahmen einer international vergleichenden McKinsey-­Studie wurde aufgezeigt, dass eine größere Zahl von Frauen in Beschäftigungsverhältnissen und vor allem in Führungspositionen zu einer signifikanten Steigerung der Effektivität im Bereich der Unternehmensorganisation hat. Laut der McKinsey-Studie sind Unternehmen, bei denen der Anteil an weiblichen Führungskräften über 30 Prozent beträgt, profitabler als Unternehmen mit niedrigerem Frauenanteil.

Seit Oktober gibt es „the Boardroom“ auch in Athen. © the Boardroom

Der exklusive „the Boardroom“ für weibliche Führungskräfte

Im September 2022 veröffentlichte Diana Markaki-Bartholdi, Gründerin des exklusiven Vereins „the Boardroom“ das Buch „Inspiration and Advice from Women that Made it to the Top“. Das über ihren Verein für weibliche Führungskräfte veröffentlichte Werk stellt Frauen in Führungspositionen in den Fokus. Durch Frage/Antwort gewähren diese den Lesenden dadurch einen tiefen Einblick in ihre eigene Lebensgeschichte. Diana Markaki-Bartholdi möchte mit ihrem Buch erreichen, dass die enthaltenen Lebensgeschichten für Frauen und Männer, für Mädchen und Jungen und auch für die kommenden Generationen nützlich sind, sich als Quellen für Ratschläge erweisen und Menschen Inspiration schenken.

Dass Inspiration und Veränderung trotz aller Fortschritte immer noch dringend notwendig sind, zeigen die Realitäten in den Führungsetagen. Geschlechtergleichstellung darf sich nicht einzig aus gnadenhaft gewährten Beförderungen von Frauen in Führungspositionen speisen. Das Aufrücken weiblicher Mitarbeitender in solche Positionen muss vielmehr aus der Erkenntnis erwachsen, dass Talent nicht an ein bestimmtes Geschlecht gebunden ist.

Das Buch möchte berufstätige Frauen im Sinne der Equal-Voice-Initiative stärken und ihnen inspirierende Worte weiblicher Vorbilder schenken. Die im Buch zu Wort kommenden Frauen wollen die Lesenden in ihren Bemühungen unterstützen und am eigenen Beispiel zeigen, dass es sich lohnt, diesen Weg zu gehen. Bei der 2019 gestarteten Rignier-Initiative EqualVoice wurde untersucht, wie sich die Sichtbarkeit von Frauen z. B. in den Schweizer Medien darstellt.

Dabei zeigte sich, dass etwa 72 Prozent aller Schweizer Medienberichte von männlichen Protagonisten dominiert werden. Aufgrund dieser Ergebnisse hat sich EqualVoice zum Ziel gesetzt, Frauen eine gleichberechtigte Stimmer zu verleihen. Dies soll durch eine Stärkung der Sichtbarkeit von Frauen in der Medienberichterstattung erreicht werden. Das Buch möchte die Vision der Initiative unterstützen.

Internationalisierung von „the Boardroom“

Weil die Geschlechtergleichstellung über sämtliche Ländergrenzen hinweg ein wichtiges Thema darstellt, startete „the Boardroom“ im Oktober auch in Athen. Inzwischen konnten dort bereits sehr einflussreiche Mitglieder für das Advisory Board gewonnen werden, unter anderem Vassiliki Lazarakou, die Vorsitzende der griechischen Kapitalmarktkommission sowie Theodora Varvarigou, die Vorsitzende der Athener Wasserversorgungs- und Abwasserentsorgungsgesellschaft. Weitere Länder werden folgen, denn als Nächstes stehen neue Standorte in Dänemark und Deutschland auf der Agenda des Vereins.

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