Gründen

Bis zum Erfolg: Fünf Key-Challenges für Gründerinnen

Von Yalun Meng

Auf dem Papier sah es für Deutschlands Gründerszene noch nie besser aus: Laut dem Global Entrepreneurship Monitor (GEM) liegt die zuletzt erhobene Gründungsquote bei 7,6 Prozent und erreicht damit den höchsten Stand seit Erhebungsbeginn [1]. Erschreckend ist allerdings ein Blick auf die Geschlechterverteilung. Lediglich 15,7 Prozent von all denen, die im Jahr 2019 ein Start-up gegründet haben, sind weiblich [2]. Ein verschwindend geringer Prozentsatz, der bereits seit einigen Jahren nahezu stagniert.

Die Gründe für die noch immer deutlich unterrepräsentierte Anzahl an Gründerinnen im stetig wachsenden Start-up-Sektor sind vielschichtig. Fünf erfolgreiche Gründerinnen und Alumnae von LEXROCKET, der Gründer- und Start-up-Förderinitiative des Freiburger Softwarehauses Lexware, haben ihre Herausforderungen zusammengefasst.

Fünf Key-Challenges, denen Frauen im Gründungsprozess begegnen – und was es braucht, um diese zu meistern:

  • Risiko

Michelle Skodowski, Gründerin und CEO von BOTfriends: „Eine meiner Key-Challenges war es, mich auf diese ungewisse, unsichere und mit Risiko behaftete Reise einzulassen. Für jemanden, der eigentlich Sicherheit und Planbarkeit braucht, war es doch schwierig, sich an diese neue Situation zu gewöhnen. Aber je länger man erfolgreich das Unternehmen bzw. Start-up steuert, desto größer wird auch der Glaube an einen selbst, das weiterhin zu schaffen und sich damit wohler zu fühlen.“

  • Führung

Madeleine Heuts, Juristin, Gründerin und CEO von Raketenstart und Creators Loft: „Die größte Challenge für mich war und ist, mich von einer Gründerin zur Geschäftsführerin zu entwickeln. Viele denken, dass man einfach nur ein gutes Produkt entwickeln muss, aber was dahintersteht, sieht man anfangs gar nicht. Man muss nicht nur schnell ein passioniertes Team mit den gleichen Werten zusammenzustellen, sondern auch aus der eigenen Idee ein richtiges Unternehmen mit sehr viel Eigendynamik und vor allem einer starken Kultur aufbauen.  Da ich direkt nach dem Studium gegründet habe, war das eine große Herausforderung, weil man nichts davon vorab lernt. Man begreift sehr schnell, dass letztendlich nur wirklich gute und glückliche Mitarbeiter der Schlüssel zum Erfolg sind. Man kann als Gründerin noch so ambitioniert und visionär sein, irgendwann kann man nicht mehr alles alleine machen und sollte das auch gar nicht. Es ist wichtig zu verstehen, dass man sich unbedingt Menschen suchen muss, denen man vertraut und die einfach in ihrem Gebiet besser sind als man selbst. Ich versuche deswegen jeden Tag alles zu geben, mein Team weiter für unsere Mission zu begeistern, es eng in viele Entscheidungen einzubinden und so zu empowern, dass jeder sich und seine Fähigkeiten bestmöglich entfalten und weiterentwickeln kann. Und natürlich, dass wir gemeinsam auf dieser verrückten Achterbahnfahrt viel Spaß haben.“

  • Sexismus

Berliner Tech-Gründerin, möchte anonym bleiben: „Als ich zusammen mit meinem Mitgründer, der zufällig auch mein Vater ist, ein Start-up-Technologieunternehmen gründete, habe ich festgestellt, dass Sexismus von Berlin bis ins Silicon Valley existiert. Bei Besprechungen, egal ob mit potenziellen Investoren oder anderen Branchenführern, werde ich nicht gleichberechtigt. Ich werde beschönigt. Ich werde schonungsvoll behandelt und alle schlagkräftigen Fragen gehen an meinen Vater. Als Frau weiß ich, dass ich eher nach der Idee beurteilt werde, dass ich „emotionaler“ bin oder dass ich im „besten gebärfähigen Alter“ bin, was manche Menschen bewusst oder unbewusst als Ausrede verwenden, um mein Engagement und meine Motivation für mein Business infrage zu stellen. Mein Mitgründer und Vater unterstützt mich voll und ganz und behandelt mich als gleichberechtigt – unabhängig von den familiären Verhältnissen – und das bedeutet, dass ich über die ersten Minuten eines Meetings hinaus selten unterschätzt werde. Aber es ist immer noch lächerlich, dass sowas überhaupt noch passiert.“

  • Alte Denkmuster

Anna Müller, Seriengründerin von unter anderem AIO®: „Eigentlich kann ich mich nicht beklagen, da vor allem in den letzten paar Jahren doch einiges an Unterstützung und Förderung speziell für Gründerinnen geschaffen wurde. Allerdings kriege ich oft mit, dass viele Frauen den Schritt in die Selbstständigkeit nicht wagen. Da scheint es mir weitaus tiefer liegende Probleme zu geben. Meiner Meinung nach leben wir leider immer noch zu sehr in einer Gesellschaft, in der von Kindesbeinen an bestimmte Geschlechterrollen vorgelebt und weitergegeben werden. Meiner Meinung nach sollten wir bereits im Kindergarten anfangen, diese Rollen aufzulösen und junge Mädels und Frauen dazu ermutigen, ihr eigenes Ding zu machen.“

  • Kritik

Louisa Verch, Gründerin und CEO von apartmen: „Meine persönliche Key Challenge lautet, den Glauben an die eigene Idee und Fähigkeiten nicht zu verlieren. Kritisches Feedback kann einen oftmals ins Zweifeln bringen. Lasse dich nicht zu schnell von Außenstehenden verunsichern. Viele kennen deinen Markt oder dein Produkt nicht in der Tiefe. Nutze deren Feedback für dich als Learning, aber gehe weiter deinen Weg.“

Die zentralen Key-Challenges erfolgreicher Unternehmer:innen und Gründer:innen zeigen: Frauen stehen im Rahmen der Existenzgründung noch immer vor großen und zum Teil anderen Herausforderungen als Männer. Neben weniger Bürokratie und finanzieller Unterstützung brauchen Gründerinnen daher vor allem Austausch mit Gleichgesinnten und kompetente Beratung. LEXROCKET unterstützt Gründerinnen seit 2017 durch individuelle Förderung und Coaching. Bereits 44 Teilnehmende konnten davon profitieren, darunter 17 Gründerinnen. Ihr prozentualer Anteil liegt mit rund 39 Prozent dabei überproportional hoch, verglichen mit den knapp 16 Prozent, die Frauen in der deutschen Gründerszene insgesamt ausmachen. „Uns ist Diversität wichtig. Das Ungleichgewicht in der Gründerlandschaft wollen wir daher nicht bei unseren Teilnehmer:innen reproduzieren, sondern legen Wert darauf, möglichst viele Gründerinnen für unsere Netzwerk- und Coachingformate zu gewinnen“, so Yalun Meng von LEXROCKET.

Yalun Meng …

Yalun Meng LEXROCKET

… ist Kopf der Gründer- und Start-up-Initiative LEXROCKET vom Freiburger Software-Unternehmen Lexware. Ihr Ziel ist es, deutschlandweit Gründerinnen und Jungunternehmen Starthilfe zu geben und sie langfristig zum Erfolg zu führen. Hinter der Plattform steckt ein junges, dynamisches Team von Gründerinnen, Kreativschaffenden und Young Professionals.

 

[1] https://www.bmwi.de/Redaktion/DE/Pressemitteilungen/2020/20200423-unternehmensgruendungen-in-deutschland-2019-auf-hoechstem-stand-seit-20-jahren.html

[2] https://femalefoundersmonitor.de/wp-content/uploads/FemaleFoundersMonitor_2020.pdf

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