Gründerinnen im Porträt

ACTitude: Dein Begleiter für psychische Flexibilität

Diana Huth // Foto: Sebastian Fuchs

ACTitude – Dein Begleiter für psychische Flexibilität. ACTitude hilft Menschen dabei, schwierige Situationen zu meistern. Dazu werden Onlinekurse genutzt, die sich nach den Bedürfnissen der Nutzer:innen aufbauen und zum Teil von Krankenkassen erstattet werden können. Das Team besteht aus Diana Huth (Psychologin und Medienproduzentin), Theresa Frank (Psychologin und Researcherin), Dr. Jan Klobucnik (Volkswirt) und Jan Philip („Phil“) Wildschütz (Marketing Spezialist und Fotograf).

ACTitude gehört zu den Preisträger*innen der Kultur- und Kreativpiloten 2021.

Was ist die Besonderheit Ihres Start-ups?

Wir kümmern uns um psychische Belastungen, ohne dass Erkrankungen vorliegen (müssen). Sprich, wir sind auf Prävention ausgelegt, weil wir finden, dass es zu wenig Angebote gibt, die Menschen unterstützen, bevor eine psychische Erkrankung diagnostiziert wird. ACTitude nutzt die Akzeptanz- und Commitment-Therapie (kurz ACT), eine Weiterentwicklung der Verhaltenstherapie, die sich durch die Verwendung von Metaphern und vielen praktischen Übungen sehr gut für alltägliche Belastungen eignet. Als Personenmarke wollen wir ACTitude persönlicher und nahbarer machen. Mein Erfahrung als Moderatorin und Psychologin hilft dabei, das Bindeglied zwischen Expert*innen und Hilfesuchenden zu sein.

Was sind Ihre ersten beruflichen Erfolge?

Wir bekommen das EXIST-Gründer*innenstipendium und wurden auch im Inkubatorprogramm „Media Lift“ von next.Media Hamburg finanziell gefördert. Außerdem sind wir Teil der Impact Factory und als Person bin ich auch Teil des Stealth Mode Programms von Factory Berlin. Beim Pitchevent Female StartAperitivo des Hamburger Investoren Netzwerks konnte ich mich gegen 15 inspirierende Gründerinnen durchsetzen und gewann den ersten Preis, was auch im NDR Fernsehen zu sehen war. Phil und ich gewannen außerdem bei der E-Health Leitidee (World Factory der Ruhr-Universität Bochum und Wirtschaftsförderung Bochum) den ersten Preis. Die Auszeichnung Kultur- und Kreativpilot*innen freut uns sehr, da sie zum einen bundesweite Aufmerksamkeit bekommt und zum anderen an Unternehmer*innenpersönlichkeiten verliehen wird, die unsere Werte teilen.

Wie ist Ihr beruflicher Werdegang?

Nach dem Studium der (klinischen) Psychologie (Ruhr-Universität Bochum) habe ich noch das Studium der Medienproduktion (Technische Hochschule Ostwestfalen-Lippe) drangehängt und arbeitete gleichzeitig als Psychologin in einer Reha-Klinik. Mein letztes Semester absolvierte ich an der University of Westminster und blieb in London, um dort erste Erfahrungen im Marketing zu sammeln. 2014 kam ich nach Hamburg und habe seitdem in verschiedenen Agenturen und bei Gruner und Jahr für das BARBARA Magazin mit Frau Schöneberger gearbeitet. Zuletzt war ich Teamleitung Social Web bei der Körber-Stiftung. Manche Jobs waren kreativer ausgerichtet, andere psychologischer. Doch es gelang mir nie, beide Welten in einer Anstellung zu vereinen. Dies schaffe ich nun mit ACTitude, woran ich seit 2020 arbeite, seit Mitte 2021 durch EXIST auch in Vollzeit und gemeinsam mit einem tollen Team.

Was war für Sie der Auslöser, ein eigenes Unternehmen zu gründen?

Ich habe mich schon immer gefragt, warum uns niemand beibringt, wie wir mit emotionalen Herausforderungen wie Ablehnung, Trauer oder Krankheit umgehen können. Beim Thema psychische Gesundheit steckt die Aufklärung noch in den Kinderschuhen und viele selbsternannte Speaker und Coaches versprechen das große Glück und füllen damit vor allem ihren eigenen Geldbeutel. Gleichzeitig sind wissenschaftlich fundierte Angebote oft sehr trocken und nicht zeitgemäß aufbereitet. Mit ACTitude wollen wir eine Plattform schaffen, die wissenschaftliche Methoden ansprechend und zugänglich aufbereitet. Wissenschaft für’s Wohlbefinden oder therapeutische Themen alltagstauglich aufbereitet könnte man auch sagen.

Wer hat Sie beraten, wer sind Ihre Helfer und Mentoren?

Als Team arbeiten wir vor allem datengetrieben. Wir fragen also potenzielle Nutzer:innen nach ihren Wünschen und Bedürfnissen. Im ersten User Research kam raus, dass die Themen „Umgang mit Stress“ und „Selbstwert stärken“ am meisten nachgefragt werden. Darum werden das unsere ersten Onlinekurse. Potenzielle Kunden*innen sind also unsere besten Berater*innen. Gleichzeitig profitieren wir von einem ganzen Pool an Menschen, die uns helfen: Das Netzwerk der Inkubator-Programme, die World Factory der Ruhr-Universität, die uns auch bei EXIST spitzenmäßig berät und natürlich das Netzwerk an Gründer*innen, das extrem hilfsbereit, inspirierend und bereichernd ist.

Was war Ihre größte Herausforderung und wie haben Sie diese gemeistert?

Deutschlands Bürokratie und die Befindlichkeiten von uns Menschen. Angefangen beim Beantragen von Fördermittel, wofür es oft den Passierschein A38 (bekannt aus „Asterix erobert Rom“) – also eben jede Menge Geduld, Disziplin und Nerven – braucht über die ordnungsgemäße Verwendung von Sachmitteln bis hin zur Zertifizierung von Präventionskursen, kann es ordentlich ruckeln. Wenn die Nerven dann einmal blank liegen, kommuniziert es sich leider viel schlechter – auch unter Psychologen*innen. Ob im Team untereinander oder im Austausch mit externen Dienstleistern, es entstehen immer wieder unterschiedliche Erwartungshaltungen, Missverständnisse und Vorstellungen von Prioritäten, gerade wenn viel zu tun ist und das ist es in (Vor-)Gründungsphasen immer. Dabei hat uns eine klare und offene Kommunikation geholfen, der persönliche Kontakt und letztlich auch unser eigener Stressbewältigungskurs.

Wie machen Sie auf Ihr Unternehmen aufmerksam?

Wir starten gerade einige digitale Kommunikationsmaßnahmen. Durch die Marktanalyse wissen wir, dass viele Menschen über die Onlinesuche zu unseren Mitbewerbern kommen. Darum richten wir unser Content Marketing nach Suchanfragen aus. Wir sammeln unterschiedliche Medien wie den Podcast „Die Aufwärtsspirale“, Videos aus unserem YouTube Kanal und Übungen in unserem Magazin auf der Webseite. Auch Instagram ist Teil der Digitalstrategie. Über bestimmte Themen wie Weihnachtsstress und Nachlassen der Neujahrsvorsätze wollen wir auch Platzierungen in der Presse bekommen und letztlich ist jeder Pitch, jedes Event und jedes Gespräch eine Möglichkeit, ACTitude in den Blick der Menschen zu bringen.

Was ist Ihre beste Vermarktungsidee?

Da wir zunächst mit einer B2C-Zielgruppe starten, versuchen wir über Onlinewerbung möglichst viele Kunden*innen zu generieren. Parallel sprechen wir mit Unternehmen, Institutionen, Versicherungen und Verbänden über eine mögliche B2B-Partnerschaft. Dort bieten wir maßgeschneiderte Pakete in Form von Kombinationen aus persönlichen Workshops und Lizenzen für Mitarbeiter*innen. Außerdem sprechen wir gerade mit Portalen, die Anbieter für Angebote zur betrieblichen Gesundheitsförderung listen.

Wie haben Sie die Finanzierung Ihrer Gründung umgesetzt?

Hauptsächlich über die Fördermittel des EXIST-Gründer*innenstipendiums und von next.Media. Auch Preisgelder von kleineren Wettbewerben haben geholfen. Zusätzlich habe ich noch etwas Eigenkapital eingebracht.

Welchen Traum möchten Sie noch verwirklichen?

Um gesellschaftlich wirklich etwas verändern zu können, müssen wir bei Kindern und Jugendlichen ansetzen. Laut der COPSY-Studie (COrona und PSYche) des UKE Hamburg ist aktuell jedes dritte Kind verhaltensauffällig (vor der Pandemie war es jedes fünfte). Angebote zur Emotionsregulation und zur Identitätsentwicklung könnten dazu beitragen, die psychische Flexibilität von jungen Menschen nachhaltig zu stärken und die Wahrscheinlichkeit des Auftretens psychischer Erkrankungen im Erwachsenenalter reduzieren.

Ihr Tipp: Was würden Sie anderen Gründerinnen empfehlen?

Überlegt euch sehr genau, warum ihr etwas machen wollt. Es wird euch vieles, wenn nicht gar alles abverlangen und das schafft ihr nur, wenn ihr wirklich dafür brennt. Sucht euch Hilfe bei Mentor*innen und anderen Gründer*innen. Haltet durch, wenn es mal stürmisch wird und lasst los, wenn es scheitert. Es gibt viele Träume zu leben. Macht auch mal Pause, denn nicht jede Nachtschicht lohnt sich.

Vielen Dank für das Gespräch und viel Erfolg!

Hier geht es direkt zur Homepage von ACTitude.

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