Gründerinnen im Porträt

bli bla blub: Inklusive Kinderbücher

bli bla blub ist ein inklusiver Kinderbuchverlag, der sich für mehr Diversität, Inklusion und Geschlechtergleichheit in Kinderbüchern einsetzt. Gegründet wurde er von Özge Efendi und Britta Lützenkirchen. Zwar gibt es mittlerweile einige diverse Kinderbücher, doch leider ist die Auswahl immer noch begrenzt und marginalisierten Autor:innen und Illustrator:innen wird selten eine Stimme gegeben. An dieser Stelle setzen die beiden Gründerinnen mit ihrem Verlag an: Sie kreieren und veröffentlichen Kinderbücher, die von der realen Diversität unserer Gesellschaft erzählen. So kann sich jedes Kind repräsentiert fühlen und rassismuskritisch aufwachsen. Wir möchten so einen bewussten Umgang mit Vielfalt in der Gesellschaft fördern und dazu beitragen, dass Diversität, Inklusion und Geschlechtergleichheit endlich im Mainstream ankommen.

Bisher wurde bli bla blub rein ehrenamtlich betrieben, um dies zu ändern, wurde heute eine Crowdfunding-Kampagne gestartet: www.mitwirken-crowd.de/bliblablub

Was ist die Besonderheit Ihres Start-ups?

Mit bli bla blub kreieren und veröffentlichen wir nicht nur diverse Kinderbücher. Uns ist es darüber hinaus wichtig, dass diese auch von Autor:innen und Illustrator:innen gestaltet werden, die ebenso divers sind (Dieser Thematik hat sich auch der Hashtag #ownvoices angenommen). Dass wir als Verlag explizit für die Themen Inklusion, Diversität und Geschlechtergleichheit stehen, soll aktiv ein Zeichen setzen, dass sich die Verlagslandschaft verändern muss.

 Was sind Ihre ersten beruflichen Erfolge?

Ende 2020 haben wir den 3. Platz bei dem UNIKAT Ideenwettbewerbs der Uni Kassel belegt und 2021 das vom Land Hessen finanzierte Stipendium „Hessen Ideen“ erhalten. Wir konnten viele Menschen von unserer Mission überzeugen und so erfolgreich einen Instagram-Account aufbauen und haben über 50 Bewerbung auf eine Ausschreibung zur (bislang noch) ehrenamtlichen Mitarbeit erhalten. Zudem hat uns das Kulturamt der Stadt Kassel mit einer Förderung zur Erstellung unseres 1. Buches unterstützt – die Fertigstellung ist für Juli/August geplant. Parallel dazu führen wir diesen Mai ein Crowdfunding zur Finanzierung der 1. Auflage durch.

Wie ist Ihr beruflicher Werdegang?

Özge Efendi hat Nanostrukturwissenschaften studiert und promoviert aktuell. Sie hat während ihrer Schul- und Studienzeit zudem lange im sozialen Bereich gearbeitet. Britta Lützenkirchen hat BWL und Wirtschaftspsychologie studiert, in unterschiedlichen Unternehmen im Projektmanagement gearbeitet und ist aktuell Projektleiterin bei einem freien Träger für Integration und Sprachförderung.

Was war für Sie der Auslöser, ein eigenes Unternehmen zu gründen?

Vor ca. 2 Jahren verbrachte Özge viel Zeit damit, ihrer damals 10 jährigen Nichte Nisa vorzulesen. Dabei fiel Özge auf, dass sich Nisa häufig mit den Protagonist:innen ihrer Bücher verglich und dabei feststellte, dass diese nie so aussahen wie sie selbst. Özge recherchierte daraufhin und stellte fest, dass es sehr wenig Bücher gab, die vor diesem Hintergrund für Nisa interessant gewesen wären. Darüber hinaus wurde deutlich, dass neben Personen mit Migrationshintergrund auch alle anderen marginalisierten Personengruppen stark unterrepräsentiert waren und die Bücher auf dem Markt tatsächlich kaum etwas mit der Realität zu tun hatten. Zeit, dies zu ändern: Mit einem inklusiven Kinderbuchverlag, der sich dafür einsetzt, dass alle Kinder in Büchern gezeigt werden.

Was war Ihre größte Herausforderung und wie haben Sie diese gemeistert?

Unsere größte Herausforderung war bisher, uns für eine Autorin und eine Idee für das erste Buch zu entscheiden. Wir hatten lange die Vorstellung, dass das erste Buch quasi „perfekt“ sein müsse und hatten Schwierigkeiten, uns von dieser Vorstellung zu lösen. Mit der Planung des Crowdfundings diesen Mai haben wir uns dann selbst eine Deadline gesetzt, so dass wir mehr oder weniger gezwungen waren anzufangen und uns zu entscheiden. Das war definitiv eine gute Entscheidung! Wir sind nun wahnsinnig glücklich mit dem Ergebnis und hätten uns tatsächlich kein besseres 1. Buch für unseren Verlag vorstellen können.

Wie machen Sie auf Ihr Unternehmen aufmerksam?

Unser Fokus liegt bislang stark auf Social Media (Instagram: @bliblablubverlag) und regionaler Vernetzung in Kassel. Als nächsten Schritt möchten wir über Buchhandlungen und weiteren Einzelhandel auf unser 1. Buch und so unseren Verlag aufmerksam machen. Außerdem möchten wir auch weitere Social Media Kanäle aufbauen um so unsere Zielgruppe zu erweitern.

Wie haben Sie die Finanzierung Ihrer Gründung umgesetzt?

Für die Finanzierung der Erstellung unseres 1. Buches konnten wir das Kulturamt der Stadt Kassel gewinnen. Die Druckkosten der 1. Auflage sowie die laufenden Kosten unserer UG für das Jahr 2022 sollen über das Crowdfunding finanziert werden. Mit Hilfe eines erfolgreichen Crowdfunding – und damit einem Proof of Concept – möchten wir schließlich eine weitere Finanzierung sicherstellen. Wie genau diese aussehen wird, werden wir auf Basis der Ergebnisse und der Learnings aus dem Crowdfunding entscheiden.

Welchen Traum möchten Sie noch verwirklichen?

Da wir gerade erst gegründet haben, ist unser Traum in jedem Fall „bli bla blub“ zu einem erfolgreichen Unternehmen zu machen, Arbeitsplätze für uns und andere zu schaffen und mit unserer Mission die Verlagswelt in Deutschland nachhaltig zu verändern.

Ihr Tipp: Was würden Sie anderen Gründerinnen empfehlen?

Wir haben es oft gehört, doch es kann nicht oft genug gesagt werden: Einfach machen! Mut haben, an sich glauben und sich nicht von Menschen beeinflussen lassen, die nicht an die eigene Idee glauben. Denn diese Menschen wird es immer geben. Insbesondere bei Frauen, die gründen möchten, haben wir – wie bei uns selbst – oft Bescheidenheit und Zurückhaltung erlebt. Lasst das hinter euch und lauft drauf los! Ausprobieren, testen und davon lernen sind besser als lange zu planen und in Perfektionismus zu versinken.

Vielen Dank für das Gespräch und viel Erfolg!

Hier geht es direkt zur Homepage von bli bla blub: www.bliblablub.de

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