Gründerinnen-Stories

Nathalie Crivelli: Vom Model zur selbstständigen Kunsthändlerin

Nathalie Crivelli wurde 1984 in Zürich geboren und arbeitete in den Bereichen Event-Management und Finanzen, bevor sie die Kunstszene für sich entdeckte und unter dem Künstlernamen LUCKY als Akt-Model und Muse arbeitete. Seit 2016 lebt Crivelli in Berlin, wo auch die Idee einer eigenen Galerie entstand. An der Freien Universität Berlin belegte sie Kurse in Kunstgeschichte zur Weiterbildung und eröffnete 2018 ihre eigene Galerie, die Lucky Gallery.

Frau Crivelli, Sie haben in Berlin eine Gallery eröffnet, keine Alltäglichkeit. Wie kamen Sie auf die Idee?

Ich bin nach Berufserfahrungen in den Feldern Banking und Event-Management im Jahre 2015 aus der Schweiz nach Berlin gezogen und habe hier einen Neustart als Aktmodell gemacht. Ich hatte in meinem letzten Job in einer Amerikanischen Investmentbank in Zürich ein Burnout mit schweren Depressionen erlebt und sehnte mich nach Ausdruck und Freiheit um wieder zu mir selbst zu finden. In der Kunst habe ich ein neues Zuhause gefunden.
Nichtsdestotrotz bin ich im Herzen nicht nur Künstlerin sondern auch Unternehmerin. Bald bekam ich also Lust, in diesem Bereich was Eigenes auf die Beine zu stellen, wo ich mein eigener Chef bin. Und so entstand die Idee, Künstler für die ich u.a. selber als Muse tätig war als Galeristin zu vertreten und zu vermarkten. An der Freien Universität Berlin habe ich mich also in Kunstgeschichte und Management im Kunstmarkt meinem Bachelor in Kommunikation und mein Master in Management hinzu weitergebildet und bin nun seit 2018 selbstständige Galeristin.

Was ist Ihr ganz persönliches Alleinstellungsmerkmal mit Ihrer Gallery?

Drei Aspekte.
Erstens reicht es heutzutage nicht mehr aus, sich Galerieräumlichkeiten anzumieten, Bilder an die Wand zu hängen und darauf zu warten, dass die Sammler reinspazieren. Man muss geographisch flexibel sein und selber zu den Leuten gehen – sowohl off- wie auch online. Deshalb glaube ich an das Pop-Up Galeriemodell an immer wieder wechselnden HotSpots und an die Macht von Instagram.

Zweitens liegt der Fokus meines Konzepts aus „Art & Experience“, wo „Experience“ gerne auch Mal „Spass haben“ bedeuten darf. Der Gedanke, dass Kunst etwas Todernstes und Elitäres sein soll kann ich absolut nicht nachvollziehen. An meiner letzten Vernissage im Lifestyle-Hotel Nhow Berlin, wo ich meine aktuelle Ausstellung kuratiere, gab es z.B. ein Live-Bodypaint wo das Model anschliessend zum Lebenden Kunstwerk wurde, eine Charity-Versteigerung geführt von einem Entertainer in blauem Hasen-Glitzerkostüm und Highheels, eine DJne aus Mailand und einen Vodka-Sponsor. Wurde eine ziemlich lustige Party!

Drittens biete ich in den Räumlichkeiten der Galerie zusammen mit meinem Kollegen Herr Wolfram Rossner von Art Thinking℠ auch Networking- und Weiterbildungsveranstaltungen rund um das Thema Kunst als Kreativmotor und Knowledge-Transfer Tool an.
Ich versuche also queer und „out of the box“ zu denken, strategische Kooperationspotentiale und branchenübergreifende Synergien zu erkennen und den Leuten einen Mehrwert zu bieten, ohne dass dabei die Unterhaltung und der Spassfaktor zu kurz kommt. Die Zeiten haben sich geändert, wir leben in einer hochvernetzten und teils digitalisierten Welt und es ist höchste Zeit, dass sich auch der Kunstmarkt mit neuen Ideen und Ansätzen anpasst und modernisiert.

Wie suchen Sie „Ihre“ Künstler aus?

Manche kannte ich bereits durch meine Tätigkeit als Aktmodell und Muse, andere finde ich auf Instagram anhand von was mich selber inspiriert und begeistert.

Was gab den Impuls, sich selbstständig zu machen?

Ich bin ein Vulkan an Ideen und Kreativität. In einem Bürojob so wie ich ihn früher hatte, wo es nur um das pure Ausführen von vorgegebenen Aufgaben unter enormen Zeit- und Leistungsdruck ging, wurde dies alles im Eimer erstickt und hat mich letztendlich regelrecht krank gemacht.
Ich habe zwar in diesem Finanzunternehmen in der Schweiz sehr viel Geld verdient, war aber zutiefst unglücklich mit meinem Leben. Ich wusste, ich musste was ändern und die Antwort war, mein eigenes Ding zu machen um meinen Ideen freien Lauf zu geben. Ich würde nie mehr zurück gehen wollen.

Was waren oder sind die größten Hemmnisse bei Ihrer Gründung gewesen?

Am Anfang wohl die Menschen, die es mir mit Phrasen wie „Was willst du denn schon als Frau in so einer schwierigen Branche, und dann noch in Berlin wo sowieso niemand Kunst kauft!“ ausreden wollten. Am Anfang hat es mich verunsichert, heute kann ich darüber lächeln und bin froh, dass ich nicht auf diese Leute gehört  habe.

Gab es während des Gründungsprozesses eine Umstellung, da Sie gemerkt haben, dass Ihre ursprüngliche Idee nicht die richtige ist?

Mein erstes Projekt war eine einmonatige Pop-Up Ausstellung in einem kleinen Galerieraum in Berlin-Mitte im September 2018. Durch die aktuelle positive Erfahrung im Lifestyle Hotel Nhow Berlin hat sich nun das Prinzip der Kunstausstellungen mit starken Kooperationspartnern wo die jeweiligen Brands sich gegenseitig positiv beeinflussen in meinem Strategiekonzept verstärkt. In der Hotelbranche scheint das gut zu funktionieren. Das nächste Projekt findet Ende April im Designhotel „The Weinmeister Berlin“ statt und ich freue mich jetzt schon darauf.

Hatten Sie Unterstützung bei der Umsetzung Ihrer Geschäftsidee?

Bis auf meinen Partner, der immer an mich glaubt und mir den Rücken stärkt, wenn ich Mal einen schlechten Tag habe, eigentlich niemand. Ich habe alles selber aufgebaut.

Was hätten Sie getan, wenn Sie nicht erfolgreich gegründet hätten?

Ich hätte wohl weiterhin als Muse gearbeitet (was ich im Übrigen immer noch tue) und mich für ein Tierheim engagiert.

Was ist Ihr Tipp für andere Gründerinnen.

Seid mutig, hört nicht auf negative Menschen, seid diszipliniert, hört niemals auf zu lernen, arbeitet hart, verkauft euch nicht unter eurem Wert und verbindet euch mit Gleichgesinnten.

Vielen Dank für das Gespräch!

Die Lucky Gallery im Internet: www.luckygallery.de

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