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Mentale Stärke durch Teamplay: Lina Rixgens liebt Hochseesegeln

Lina Rixgens avanade / Foto Blondsign

Wer sich 4.000 Seemeilen allein in einem über sechs Meter langen Segelboot bewegt, hat jede Menge Mut und Selbstvertrauen. Diese Erfahrung bringt die 1994 geborene Medizinstudentin Lina Rixgens bei Avanade ein, wo sich BeraterInnen in einem hochdynamischen und agilen Umfeld ähnlichen Herausforderungen ausgesetzt sehen – wenn auch unter anderen Vorzeichen.

Frau Rixgens, Sie sind ambitionierte Seglerin und nehmen an der Mini-Transat teil. Wie kommt eine Ärztin dazu, auf einem nur 6,5 Meter langen Boot allein über den Atlantik zu segeln?

Neben der Faszination für die Medizin ist das Segeln seit über 15 Jahren meine große Passion. Beides miteinander zu vereinen, ist nicht einfach, aber es ergeben sich fast immer Wege und Möglichkeiten. Nach vielen intensiven Jahren im Jollen-Regattabereich hat es mir das Hochseesegeln allein und zu zweit an Bord besonders angetan. Nach einer ersten Solo-Transatlantikregatta 2017, der Mini-Transat, bereite ich mich aktuell auf eine zweite im Herbst 2021 vor.

Die Mini Transat ist ein Einzelrennen – aber ohne Team geht es nicht, oder?

Richtig. Auch wenn ich allein an Bord bin bei den Regatten, gibt es viele Aufgaben im Hintergrund, die ich allein nicht stemmen könnte. Das fängt bei technischen Optimierungen und Reparaturen am Boot an, geht weiter über den Medienauftritt und die Kommunikation des Projekts bis hin zur mentalen Vorbereitung.

Welche Rolle spielt das Thema Gleichberechtigung bei Ihrem Sport?

Beim Offshore-Segeln ist das Tolle, dass Frauen und Männer in ein- und derselben Wertung gegeneinander segeln können. Da es bei dieser Art des Segelns vor allem um Ausdauer und hohe Geschwindigkeit auf langen Strecken geht, gibt es kaum Nachteile durch körperliche Unterschiede. Vielleicht hat man als Frau sogar manchmal das bessere körpereigene Energiemanagement und segelt vorausschauender. Trotzdem ist und bleibt der Hochseesegelsport mit fünf bis zehn Prozent Frauen bei den Regatten männerdominiert, die Tendenz ist aber steigend.

Wie können Sie mit dieser Art von Teamplay mentale Stärke schöpfen, wenn Sie 4.200 Seemeilen allein bewältigen?

Laut Regelwerk darf ich außer dem Funkgerät mit etwa 40 km Reichweite keinerlei Kommunikation während der Regatten haben. Aber zu wissen, dass ich ein tolles Team im Rücken habe, das mich unterstützt, an mich glaubt und verfolgt, wo ich gerade lang segle, gibt mir unglaublich viel Kraft. Außerdem ist es mir auch sehr wichtig, zurück an Land das ganze Erlebte weitergeben zu können und alle daran teilhaben zu lassen.

Wie schaffen Sie es, sich auf die Unwägbarkeiten solcher Turns

avanade / Foto Blondsign

vorzubereiten?

Eine gute und umfangreiche Vorbereitung ist dafür das Wichtigste. Ein Restrisiko bleibt immer, aber es lässt sich bestmöglich minimieren. Dazu kommen sechs Jahre Erfahrung bei Solo-Offshore-Regatten und inzwischen fast zwei Jahre auf meinem derzeitigen Boot. Aber letzten Endes muss ich mich trotzdem schnell auf ungewöhnliche Situationen einstellen und sie mit an Bord praktikablen Lösungen allein meistern.

Avanade ist Ihr Hauptsponsor – eine IT-Beratung … wo ist der Zusammenhang mit dem Segelsport?

Regattasegeln ist ein komplexer, mitreißender und bei Mitarbeitern und Kunden Begeisterung auslösender Sport. Vor allem das Zusammenspiel von Mensch, Technik und Naturgewalt tritt dabei sehr stark hervor. Die erste große Parallele ist das Projektmanagement: Mein Vorhaben geht über zwei Jahre und umfasst viele verschiedene Bereiche und Etappen; bei Avanade dauern einzelne Projekte für einen Kunden auch mehrere Monate mit zahlreichen Schritten bis zum „go-live“. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei Avanade sind mit Engagement und Leidenschaft als Team bei der Sache – genau wie ich mit meinem kleinen, großartigen Team bei der Vorbereitung zum Projekt Solo-Atlantiküberquerung.

Was können Unternehmen davon lernen?

Ein Sponsoring im Segelsport kann ein positives, umweltfreundliches Image transportieren und Werte wie Innovation, Leidenschaft oder ausdauerndes Engagement bestens verkörpern. Dabei eine Seglerin in einem von Männern dominierten Sport zu unterstützen, greift zusätzlich ganz direkt das Thema der Gleichberechtigung auf. Insofern können Unternehmen also sehen, dass gelebte Diversität in Teams zu großartigen Erfolgen führen kann. Das bereits angesprochene Thema „eigenes Energiemanagement“ ist darüber hinaus auch bedeutsam für Unternehmen – also das Projektmanagement jenseits von Kennzahlen, Datenbanken usw.

Und was nehmen Sie selbst aus der Wirtschaft mit?

Durch meine Hochsee-Regattaprojekte bin ich mit vielen Bereichen der Wirtschaft in Berührung gekommen. Angefangen mit der Firmengründung meiner UG und damit zum Beispiel dem Thema Buchhaltung und Businessplan. Aber auch das Projektmanagement, die organisatorischen Aspekte und die Verhandlung mit neuen Sponsoren kommen dazu. Nicht zuletzt auch die Kommunikation mit Handwerkern und Serviceunternehmen aus verschiedenen Bereichen.

Was denken Sie, wie Sie diese Erfahrungen für Ihre weitere Karriere prägen? Wollen Sie nach der Mini-Transat als Ärztin tätig sein?

Das möchte ich definitiv. Auch wenn ich mir nicht vorstellen kann, mit dem Hochseesegeln aufzuhören, so ist die Medizin einfach ein weites und spannendes Feld, in dem ich ebenso meinen Weg finden möchte. Für meine weitere Karriere an Land nehme ich dabei bestimmt vor allem eine gute Selbstkenntnis mit, ebenso Erfahrung mit der Kommunikation in einem Team, eine klare Zielsetzung und die nötige Ausdauer, um dieses Ziel zu erreichen. Und trotz Schlafdefizit Leistung bringen zu können, kann auch bei Nachtschichten hilfreich sein.

Neben dem sportlichen Projektziel verfolgen Sie als Botschafterin der DKMS auch ein soziales Ziel – wie kam es dazu?

 Es war mir bei diesem zweiten Mini-Transat-Projekt ein großes Anliegen, die öffentliche Aufmerksamkeit für ein wichtiges soziales Thema zu nutzen und nicht „nur zu segeln“. Es ist unschwer zu erraten, dass es mir mit meinem medizinischen Hintergrundwissen am Herzen liegt, potenzielle neue Stammzellspender für Leukämie-Patienten zur Registrierung bei der DKMS zu motivieren. Ein Praktikum in der Hämatologie/Onkologie während meines Medizinstudiums hat diesen Wunsch noch verstärkt. Analog zu meiner Bootsnummer sollen es bis zur Mini-Transat 982 nun neue Spender werden.

Welchen Rat können Sie unseren Leserinnen noch mitgeben?

Aus meinen beiden Mini-Transat-Projekten habe ich vor allem mitgenommen, dass man seine Ziele erreichen kann. Man muss alles dafür tun, hart arbeiten, Rückschläge wegstecken und immer weitermachen. Daher kann ich nur an alle weitergeben, seine Ziele und Träume nicht aus den Augen zu verlieren, sondern sie voller Elan und Durchhaltevermögen anzugehen.

Vielen Dank für das Gespräch!

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