Gründerinnen-Stories

Tales & Tails: Viel Entwicklungspotential im Tiernahrungswesen

Sie kennen sich seit Schultagen und teilen auch die gemeinsame Liebe zu Vierbeinern. Cathrin, Stella, Inga und Kaja haben aus einem täglichen Tun, den Hund zu füttern, ein eigenes Unternehmen gegründet. Tales &Tails steht für eine natürliche und gesunde Ernährung. Wie die vier das gemeistert haben, erzähhlen sie SHE works!.

Tales & Tails bietet Hundesnacks an. Können Sie Ihr Unternehmen einmal etwas detaillierter vorstellen?

Mit Tales&Tails bieten wir unseren Kunden 100% natürliche, getreide- und zuckerfreie Leckerli, Snacks sowie Nassfutter und Öl für Hunde an. Das Besondere an unseren Produkten ist ihre Herkunft sowie das Herstellungsverfahren. Es werden ausschließlich natürliche Zutaten verwendet, die aus Island bezogen und mit 100% erneuerbarer Energie vor Ort verarbeitet werden.
Der Fisch für unsere Leckerli und Snacks wird schonend an der Luft über längere Zeit getrocknet und dabei nicht erhitzt oder gebacken. So bleiben wichtige Nährstoffe erhalten.
Einige Hunde kennen getrockneten Fisch bereits, aber durch unser spezielles Herstellungsverfahren erreichen wir einen einzigartigen Geschmack, der von Hunden besonders gut angenommen wird.

Sie haben Tales & Tails zu viert gegründet. Wie schafft man es vier verschiedene Menschen bei einem solchen Projekt unter einen Hut zu bringen?

Cathrin, Stella und ich kennen uns seit der Schulzeit. Inga ist die Freundin meines Bruders, arbeitet hauptberuflich als tiermedizinische Angestellte und berät Kunden zu Ernährungsfragen ihrer Vierbeiner. Alle vier bringen unterschiedliche Kompetenzen mit, ergänzen sich gegenseitig und bilden zusammen ein tolles Team.

Was gab bei Ihnen den Impuls sich selbstständig zu machen?

Seit einiger Zeit sind wir selbst Hundebesitzer und damit täglich vor die Herausforderung einer ausgewogenen, gesunden Ernährung für die Fellnasen gestellt. Da wir viel Erfahrung in der Lebensmittelbranche haben, stellten wir schnell fest, dass im Tiernahrungssegment noch großes Entwicklungspotenzial besteht. So ist die Idee in uns herangereift das Unternehmen Tales & Tails zu gründen. Unsere Hunde stammen aus Tierschutzorganisationen. Die Erfahrung mit ihnen hat uns gezeigt, wie einzigartig und dankbar diese Tiere sind und welch furchtbare Schicksale sie teilweise erlitten haben. Mit Tales&Tails wollen wir dabei helfen, die Welt für Hunde in Not ein kleines bisschen besser zu machen und deshalb einen Teil unserer Umsätze an Tierschutzorganisationen spenden.

Nun sind Gründungen nicht unbedingt schnell und einfach über die Bühne zu bringen. Was waren oder sind die größten Hemmnisse bei der Gründung gewesen?

Da zwei von uns (Kaja und Stella) bereits einmal ein Unternehmen gegründet haben, konnten wir bei Tales&Tails viele Hemmnisse von vornherein umgehen. Trotzdem wird man bei jeder Gründung natürlich vor neue und einzigartige Herausforderungen gestellt. Aus unserer Sicht sind das bei Tales&Tails z.B. die internationale Beschaffung: unser Futter wird in Island hergestellt und von dort per Schiff zu uns nach Deutschland gebracht. Am Zielhafen in Deutschland findet dann die Verzollung statt, bevor die Ware per LKW in unser Lager transportiert wird. Die Kommunikation mit dem Vorlieferanten in Island, die Währungsunterschiede und die Zollabwicklung haben uns bei den ersten Lieferungen schon vor die ein oder andere neue Aufgabe gestellt. Weiterhin spielt natürlich auch immer die Finanzierung eine entscheidende Rolle. Bislang haben wir Tales&Tails aus unseren finanziellen Mitteln finanziert, haben aber vor kurzem eine Crowdfunding-Kampagne gestartet, um so weiteres Kapital für die Firma bereitzustellen. Dadurch können wir unseren Bestellprozess reibungsloser gestalten und eine größere Produktion in Island auslösen.

Hatten Sie Unterstützung bei der Umsetzung Ihrer Geschäftsidee?

Wir hatten bei der Umsetzung unserer Geschäftsidee viel Unterstützung durch Familie und Freunde. In einem Freund von Kajas Familie haben wir im Dezember 2016 den idealen Produktionspartner für unsere Produkte gefunden: er ist Isländer und hat in seiner Heimat das zuvor beschriebene besondere Trocknungsverfahren entwickelt. Bei mehreren Besuchen konnten wir uns vor Ort ein genaues Bild machen und uns von den Produkten überzeugen. Die kleine Manufaktur und das einzigartige Herstellungsverfahren haben uns sofort begeistert – und unsere Hunde sind verrückt nach den kleinen Fischleckerlis. Daraus ist eine partnerschaftliche Zusammenarbeit entstanden und wir haben Tales&Tails ins Leben gerufen. Mit einer Grafikdesignerin im Team stand beim Markenaufbau natürlich besonders der moderne Markenauftritt im Vordergrund, für den wir schon sehr viel positives Feedback bekommen haben. Im August 2017 sind wir mit der ersten Produktion Tales&Tails gestartet.

 Das größte Hindernis bei Gründungen sind meistens die Finanzen. Sie starten vor diesem Hintergrund gerade eine Crowdfunding Kampagne. War die Vorbereitung schwer?

Die Vorbereitung war sehr umfangreich und hat viel Zeit sowohl in der Erarbeitung als auch in der Umsetzung gebraucht. Nicht nur der Aufbau unseres Profils auf der Crowdfunding Seite inklusive aller Texte und Bilder hat viel Zeit in Anspruch genommen, sondern vor allem das zugehörige Video. Man darf nicht unterschätzen wie viel Arbeit es doch ist, sich ein Konzept bzw. kleines Drehbuch für das Video zu überlegen und die einzelnen Szenen dann zu drehen. Keiner von uns ist ja Profi vor der Kamera und somit kann es auch manchmal ein Weilchen dauern bis man die richtigen Szenen wie gewünscht im Kasten hat. Hinzu kommt, dass das Schneiden und „Zusammenbasteln“ des Videos auch nochmal einiges an Zeit in Anspruch nimmt. Rundherum gibt es natürlich viele weitere Dinge, die vor und während der Kampagne auf einen zukommen – allen voran die gesamte Kommunikation rund um das Projekt.

Neben der Produktion der Tiernahrung haben Sie aber auch noch ein soziales Projekt am Start. Wollen Sie mal erzählen?

Wir haben das Privileg, eine der ersten Generationen in der Geschichte zu sein, die von Geburt an in Wohlstand und Frieden aufwächst. Krieg kennen wir glücklicherweise nur aus Büchern und dem Geschichtsunterricht, wir haben nie Hunger leiden und nie frieren müssen. Es geht in unserer Gesellschaft nicht mehr ums Überleben, sondern um das bestmögliche Leben. Es soll schöner, erfüllter und glücklicher sein als das der anderen. Daraus hat sich eine Entwicklung ergeben, die uns nachdenklich und traurig stimmt: das eigene Wohl und Ansehen steht über Fürsorge und Achtsamkeit. Indem wir billig produzierte Lebensmittel kaufen, sparen wir Geld um teure Autos zu fahren oder Luxusurlaub zu machen. Wir nehmen dafür in Kauf, dass Tiere unter absolut grauenhaften Bedingungen gehalten und zu Fleisch verarbeitet werden, dass die Landwirtschaft immer stärker zu umweltschädlichen Dünge- und Schädlingsbekämpfungsmitteln greifen muss, um Obst & Gemüse möglichst günstig herzustellen, dass Produktionsstandorte ins Ausland verlagert werden, um Lohnkosten zu sparen. Das sind nur einige Beispiele, welche Auswirkungen unser Billig-Gedanke hat.

Mit Tales&Tails wollen wir zeigen, dass es nicht so sein muss. Wir wollen Konsum mit gutem Karma verbinden. Unsere Produkte haben ihren Preis, der hochwertige Zutaten, umweltschonende Herstellungsverfahren und einen Beitrag für Tiere in Not beinhaltet. Natürlich müssen auch wir unsere Mieten und unser Essen bezahlen, aber Tales&Tails funktioniert nicht nur nach dem BWL-Leitgedanken der Gewinnmaximierung. Sobald sich die Stückkosten, die durch die aktuell niedrigen Herstellungsmengen noch relativ hoch sind, verringern, können wir die Spendenbeiträge pro verkaufte Tüte erhöhen. Mit der Erweiterung des Sortiments kann zusätzlich ein größeres Spendenvolumen generiert werden. Auch von zukünftigen Jahresüberschüssen wird immer ein Teil denen zu Gute kommen, die es dringender brauchen als wir. So wollen wir den Verbraucher zu mehr Achtsamkeit auffordern: jede Tüte eine Spende – kauf etwas für dich und hilf dabei einem anderen. Damit bedienen wir die wachsende Nachfrage nach bewussterem, nachhaltigerem Konsum, die sich als Gegenbewegung zu oben genannter Entwicklung formiert.

Die Bilder aus dem asiatischen Hundefleischhandel haben uns zutiefst erschüttert, sodass wir uns dazu entschieden haben, bis auf weiteres alle Spenden exklusiv an den Förderverein Animal Hope and Wellness e.V. weiterzuleiten, um möglichst vielen Hunden dieses grausame Schicksal zu ersparen.

Was ist Ihr Tipp für andere Gründerinnen?

Das würden wir gern ganz kurz formulieren: Sich trauen und einfach machen. Wenn man eine Idee hat, dann loslegen, rausgehen und umsetzen. Mehr als Scheitern kann man nicht und selbst dabei lernt man noch eine Menge.

Mehr auf der Webseite: www.talesandtails.de

vdu
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