Gründerinnen-Stories

Sarah Kosmann: Baubranche kann weiblich sein

Die Initiative „Frau liebt Bau“ hat es sich zur Aufgabe gemacht Mädchen und jungen Frauen zu zeigen, dass die Baubranche spannend, weiblich und familienfreundlich sein kann. Sarah Kosmann ist Gründerin der Initiative „Frau liebt Bau“, eine der sechs Expertinnen und selbst studierte Bauingenieurin mit Schwerpunkt Bauphysik.

Frau Kosmann, Frauen am Bau sind immer noch eine Besonderheit, warum?

So richtig erklären kann ich mir das nicht, denn ich persönlich finde das Baugewerbe unheimlich vielseitig und spannend. Ich glaube es sind viele Vorurteile und vor allem fehlende Vorbilder, sodass Frauen schlicht nicht auf die Idee kommen, Berufe am Bau in Betracht zu ziehen.

Wo findet man Frauen bei Bau am häufigsten? Als Architektin und Gestalterin oder auch mal mit Bauhelm und Kelle auf der Baustelle?

Es gibt in den Architekten- und Ingenieurbüros mittlerweile gefühlt 50% Frauen, wobei Frauen dort etwas häufiger Ausbildungsberufe vertreten und die Unternehmenshierarchien auch unter Akademikern nach oben deutlich männerlastiger werden. Auf der Baustelle selber sieht das Bild leider anders aus. Dort gibt es, wenn überhaupt, eher Frauen in den Ausbaugewerken, also z.B. Malerinnen oder Tischlerinnen.

Sie haben mit Ihrer Initiative „Frau liebt Bau“ einen Weg eingeschlagen, um Frauen am Bau sichtbarer zu machen. Wie ist die Resonanz bei Frauen?

Extrem gut. Wir haben im Herbst 2018 zu 5. angefangen uns dieses Netzwerk aufzubauen und haben mittlerweile über 20 Frauen, die in fast vergleichbarer Situation sind: Bau. selbstständig, kleine Kinder. Der Austausch und die Energie sind enorm. Es ist, als wenn wir alle nur darauf gewartet haben, endlich einen Austausch auf Augenhöhe, mit den gleichen Problemen und Erwartungen, zu haben. Und auch andere Frauen, die nicht schon in dieser Situation sind, fangen an über diese Möglichkeit nachzudenken. Denn genau das ist unser Ziel, die vielen Möglichkeiten eines Berufslebens um eine zu erweitern.

Und was sagen die männlichen Kollegen dazu?

Ich würde die Haltung als neutral bis positiv beschreiben. Einige finden unsere Idee super, an den meisten geht das jedoch vorbei.

Es gibt ja Initiativen und Projekte, um mehr Frauen für die Baubranche zu interessieren, beispielsweise durch das rkw Kompetenzzentrum. Bringen die was?

Ja, definitiv. Es geht immer um Vorbilder und um das, was man vorgelebt bekommt. Der Mensch lernt durch Nachahmung – wenn es nichts nachzuahmen gibt, wie soll man diesen Weg dann einschlagen?

Wie machen Sie auf das Problem fehlender Frauen am Bau aufmerksam?

Unsere Position ist nicht, dass Frauen am Bau fehlen, wir möchten unsere Message positiv entwickeln: Seht her, die Baubranche ist spannend, vielfältig, weiblich, familienfreundlich. Dazu ist unser Kernaspekt die Selbstständigkeit, denn in dieser Arbeitsumgebung ist man unabhängig von frauenfeindlichen Kollegen, familienunfreundlichen Zeiten und Strukturen. Dort gibt es den perfekten Platz für individuelle Bedürfnisse.

Am 8. März planen Sie Großes!

Richtig, wir planen um 10 Uhr einen Expertinnentalk im Livestream auf YouTube auf unserem Kanal „Frau liebt Bau“. Dort werden wir Fragen zu unserem Werdegang, unserer Selbstständigkeit oder unseren anderen Erfahrungen beantworten. Wir sind dort mit unserem Gründungsteam vertreten, das fachlich sehr breit gestreut ist. So hoffen wir, alle Fragen, die man einer jungen Unternehmerin in der Baubranche schon immer mal stellen wollte, beantworten zu können. Fragen können gerne vorab über unsere Homepage, Facebook oder während des Talks im Livechat gestellt werden.

Was würden Sie sich für die Zukunft wünschen?

Im „Großen“: dass das Thema „Vereinbarkeit“ endlich flexibel gelöst wird, sowohl in den Köpfen der Menschen, als auch von der Politik. Und im „Kleinen“: dass sich noch mehr tolle Frauen unserem Netzwerk anschließen und unser Austausch so lebendig und unterstützend bleibt.

Wenn sich eine Frau für Ihr Projekt interessiert, an wen muss sie sich wenden?

Auf unserer Homepage www.frau-liebt-bau.de gibt es, neben Infos zum Livestream, unsere Expertinnenprofile. Dort kann man entweder eine direkte Nachricht an die Expertin oder allgemein an uns alle schreiben. Zudem sind wir auf Facebook unter @frauliebtbau und der zugehörigen Gruppe „Frau liebt Bau – Masterming“ zu erreichen.

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