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Lina Magull – Dir steht nichts im Weg, wenn du an dein Potenzial glaubst

Lina Magull begann ihre Profi-Karriere 2009 beim FSV Gütersloh. Ihr Bundesliga-Debüt gab sie 2012 für den VfL Wolfsburg. 2015 wurde sie an den Sc Freiburg ausgeliehen und 2017 unter Vertrag genommen. Seit der Saison 2018/19 spielt die Nationalspielerin für den FC Bayern München. Zu ihren größten Erfolgen gehören der jeweils zweimalige Gewinn der Deutsche Meisterschaft und des DFB-Pokals. Zudem wurde sie zweimal Champions-League-Siegerin. Lina Magull ist darüber hinaus gemeinsam mit Julia Simic vom AC Mailand und Laura Vetterlein von West Ham United Gründerin von „PlayForHer“, der neuen Plattform für den Frauenfußball.

Frau Magull, wie definieren Sie Erfolg?

In erster Linie verstehe ich Erfolg als ein positives Resultat aus Leistung. Dabei betrachte ich ihn sowohl aus persönlicher als auch aus mannschaftlicher Sicht. Mein persönlicher Erfolg setzt sich aus meinen Lebenszielen zusammen – die Ausschöpfung meiner fußballerischen Leistung, Weiterbildungen neben dem Fußball, Zufriedenheit in meinem Privatleben und meine Persönlichkeitsentwicklung. Das läuft sozusagen im Hintergrund. In den Vordergrund stelle ich den mannschaftlichen Erfolg, also die Teamleistung. Ich liebe den Mannschaftssport, weil wir dort gemeinsam Ziele verfolgen und keine Einzelkämpfer sind. Wir werden von den gleichen Werten angetrieben, arbeiten jeden Tag miteinander, um am Ende der Saison einen klar definierten Erfolg zu erreichen, der sich bei uns in Titeln widerspiegelt. Dabei gilt es, sich im Laufe der Saison immer wieder kleine Ziele zu setzen, um sozusagen die kleinen Erfolge im Team zu feiern und sich bewusst zu sein, dass man den richtigen Weg verfolgt.

Was zeichnet Sie aus?

Eine sympathische Mischung aus Zielstrebigkeit und Humor. Ich weiß, welche Faktoren für mich persönlich wichtig sind, um mich zu entfalten und das Leben zu führen, das mich zufrieden stellt. Meine Fußballleidenschaft verfolge ich entschlossen und ehrgeizig. Dabei versuche ich immer mir selbst treu zu bleiben. Gleichzeitig haben meine Wertvorstellungen in den letzten Jahren immer mehr Raum bekommen. Ich bin mir meiner verantwortungsvollen Rolle besonders in meinem Umfeld und im Bereich des Frauenfußballs bewusst.

Wer oder was ist Ihr Motor?

Ganz klar mein Herz. Nicht nur, weil es mich am Leben hält – es lässt mich deutlich spüren, wofür ich brenne. Von klein auf war ich in den Ball verliebt und wusste, dass der Fußball mein Weg ist, meine Fähigkeit, die ich nutzen muss, um mein Leben in die richtige Richtung zu lenken. Zusätzlich treibt mich die stetige Bestätigung und Unterstützung meiner Familie, engsten Freunde und der Menschen, die ich begeistern kann, an.

Straighter Weg oder Abzweigungen – wie verlief Ihr Berufsweg bisher?

Eine direkte Vorstellung von meinem Berufsweg hatte ich schon sehr früh. Dennoch gab es dabei eine Abzweigung, die ich mir im Vorhinein anders gewünscht hätte, die aber letztendlich meine Entwicklung positiv beeinflusst hat: Mit 17 Jahren ging ich einen großen Schritt zum aufkommenden Erstligisten VfL Wolfsburg. Nach drei sehr erfolgreichen Jahren war ich mit meinem persönlichen Standing nicht mehr zufrieden. Kurz gesagt, ich hatte zu wenig Spielzeit und war

nicht glücklich. Daher beschloss ich, einen Schritt zurückzugehen und mich zum SC Freiburg ausleihen zu lassen, wo ich sofort zur Führungsspielerin wuchs, im selben Jahr noch zur Nationalspielerin wurde und schließlich drei schöne Jahre verbrachte, ehe ich bei meinem Wunschverein, dem FC Bayern München, eine neue Herausforderung suchte. Auch dort verlief das erste Jahr für mich nicht nach meinen Vorstellungen, aber ich habe weniger gezweifelt und weiter an mich geglaubt, bis ich letztlich im dritten Jahr zur Kapitänin gereift bin und ein wichtiger Bestandteil der Frauen-Nationalmannschaft wurde.

Gibt es Rollenbilder in Ihrem Alltag, denen Sie gern entkommen möchten?

Als Profifußballerin wünsche ich mir, dass die Gesellschaft sich so weit entwickelt, dass wir die Leistungen unserer Spielerinnen nicht mehr nur mit denen der Männer vergleichen, sondern dass es zur Selbstverständlichkeit wird, dass Frauen diesen wunderbaren Sport ebenso ausüben – ohne jegliche Hinterfragungen oder Skepsis. Fußballerin zu sein ist ein Beruf. Es ist ein Leistungssport, dem überwiegend die notwendigen organisatorischen Strukturen in den Ligen, Vereinen und Verbänden fehlen. Zudem haben wir mit unbefriedigender Anerkennung und geringer medialer Sichtbarkeit zu kämpfen. In vielerlei Hinsicht haben wir in der Gesellschaft bei der Empowerment von Frauen Fortschritte gemacht. Das wünsche ich mir auch in dem männerdominierten Sportbereich des Fußballs.

Welche eigene Erfahrung geben Sie anderen Frauen als Tipp mit auf den Weg?

Wenn du erkennst, welche Fähigkeit an dir besonders ist, dannnutze dieses Talent und finde heraus, wie du dich in diesem Bereich weiterentwickeln kannst, welche Möglichkeiten und Wege dir offenstehen. Wir als Frauen sollten uns auf unserem Berufsweg von unserer inneren Stärke anstatt von Vorurteilen leiten lassen. Dir steht nichts im Weg, wenn du an dich und dein Potential glaubst, dich mit den richtigen Menschen umgibst, die dich auf deinem Weg unterstützen, und dich traust, mutig zu sein.

Auf dem Weg hin zu mehr Gleichberechtigung ist es mir auch wichtig, dass wir Frauen uns gegenseitig unterstützen. Das ist der Grund, warum ich mit meinen Kolleginnen Laura Vetterlein und Julia Simic die Frauenfußball-Plattform “Play for Her” ins Leben gerufen habe. Wir hoffen, damit junge Fußballerinnen zu inspirieren und ihnen Mut machen zu können, ihre Ziele zu verfolgen. Indem wir unsere sportliche und berufliche Expertise über Social Media teilen und Einblicke in den Profi-Alltag geben, wollen wir zeigen, dass der Sport Grenzen und Vorurteile sprengen kann und wie weit Mädchen und junge Frauen kommen können, wenn sie unbeirrt ihren Weg gehen.

Vielen Dank für das Gespräch!

Hier geht es zur neuen Plattform Playforher

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2 Kommentare

  1. Anpfiff Podcast
    31. Mai 2021 at 21:11

    Sc Freiburg, nicht FC!

  2. 2. Juni 2021 at 18:36

    Korrigiert!

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