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Warum gibt es weniger weibliche Firmengründer in Deutschland?

Es gibt in Deutschland jedes Jahr viele Firmengründungen. Warum hört man aber nicht so oft, dass Frauen Start-ups gründen? Immerhin schaffen sie es auch, sich in anderen Berufsfeldern durchzusetzen. Wir sind der Fragestellung nachgegangen und haben uns in der Gründerszene, aber auch anhand von durchgeführten Studien informiert, woran das liegt.

Laut der aktuellen Global Entrepreneurship Monitor-Studie gründen nur 3,9 Prozent der Frauen in Deutschland ein Unternehmen. Damit liegt Deutschland im internationalen Vergleich weit abgeschlagen. Doch wie kommt es zu so einem niedrigen Wert?

Start-ups sind in Deutschland absolut von Männern dominiert – zumindest was die Gründung anbelangt. Wer nun denkt, dass Frauen einfach generell gründungsmüde sind, der irrt: Bei den klassischen Unternehmensgründungen liegt der Anteil der Frauen bei über 50 Prozent. Warum also der Unterschied? Gründen Frauen anders?

Negative Wahrnehmung der Gründungschancen für weibliche Firmengründer

In der oben genannten Umfrage wurden Frauen und potenziellen Gründerinnen befragt, weshalb das Gründen eines Start-ups unter Frauen nur einen so geringen Prozentsatz erreicht.

Einer der Gründe ist die negative Wahrnehmung. Nur 35 Prozent der Frauen schätzten die Chance der Gründung als positiv ein – die Ursachen dafür sind unbekannt. Bei Männern hingegen liegt der Wert bei 45 Prozent. Der statistische Unterschied zwischen den Geschlechtern besteht in diesem Bereich schon länger. Doch die Zahlen scheinen sich über die Jahre auch nicht großartig zu bewegen. Mögliche Gründe sind, dass die meisten potenziellen Gründer zu große Angst vor dem möglichen Scheitern ihres Unternehmens haben, und sich deshalb erst gar nicht trauen zu beginnen.

Angst vor dem Scheitern

Nur 47 Prozent der Frauen und 37 Prozent der Männer lassen sich laut Studie von der Angst des Scheiterns vom Gründen abhalten. Somit ist der Anteil der sich nicht abschrecken lässt mit 53 Prozent der Frauen sehr hoch. Es muss also noch andere Gründe geben.

In den weiteren Fragen kamen mehrere Punkte hoch. Das Fehlen von Rollenvorbildern zum Beispiel, die Frauen den notwendigen Mut geben können, ist ein solcher Grund. Die geringe Zahl an Gründungen von Frauen sorgt eben dafür, dass es keine oder kaum Vorbilder gibt. Zudem sind die Gründungschancen für Frauen im ingenieurwissenschaftlichen Bereich sehr niedrig. Das liegt vielleicht auch daran, dass in dieser Branche der Frauenanteil im Vergleich generell sehr gering ist.

Aller Anfang ist schwer bei der FirmengründungWo ist Handlungsbedarf?

Die Ergebnisse zeigen, dass die Befragten vor allem in drei Bereichen Handlungsbedarf sehen, um eine unternehmerische Laufbahn für Frauen attraktiver zu machen und den Weg von der ersten Idee zur erfolgreichen Gründung zu beschleunigen:

  • Verstärkte Vermittlung von Know-how hinsichtlich betriebswirtschaftlicher und rechtlicher Grundlage
  • Stärkung von Softskills wie z. B. Verhandlungs- und Präsentationstechnik
  • Vernetzung und gegenseitige Unterstützung von Gründerinnen.

Wirft man einen Blick auf die Branchen, in denen Frauen Gründen, dann sieht man auch, dass dann ist die Antwort auf die Frage, ob Frauen anders gründen, Ja lautet: Denn Frauen haben zumeist in den Bereichen Kunst und Kultur (19 Prozent), Medien- und Kreativwirtschaft (18 Prozent), Consulting und Agentur (17 Prozent), sowie Marketing und PR (13 Prozent) gegründet. Auch bei den zukünftigen Gründerinnen liegen diese Branchen hoch im Kurs. Nur ein geringer Anteil der befragten Frauen hat ein Unternehmen im Bereich Technik, IT oder Life Sciences gegründet oder will dies in Zukunft tun.

Die Bereiche Technik, IT oder Life Science sind absolut in männlicher Hand – hier müssten mehr Anreize geschaffen werden, dass Frauen den Schritt wagen, künftig auch in diese Richtung zu gehen.

Mangelndes Selbstbewusstsein?

Frauen, die bereits ein Unternehmen gegründet haben, wurden auch nach ihrer Einschätzung zum Gründungsverhalten zwischen Frauen und Männern befragt. Der geringe Frauenanteil in der Start-up-Szene wird von der Mehrheit der befragten Gründerinnen (65 Prozent) auf gesellschaftliche und kulturelle Faktoren zurückgeführt: 56 Prozent geben an, dass Männer selbstbewusster auftreten und entschlussfreudiger und risikobereiter sind. Knapp 20 Prozent waren der Meinung, dass Männern schneller eine Chance gegeben wird, während Frauen stärker um Unterstützung (zum Beispiel von Investoren) kämpfen müssten.

Weiters wurde mitgeteilt, dass Entrepreneurship hauptsächlich eine männliche Domäne ist. Die befragten Gründerinnen wünschen sich deswegen eine gesteigerte Bewusstseinsbildung bei Männern sowie Frauen, um traditionelle Rollenbilder und Muster aufzubrechen und gleiche Bedingungen für alle zu schaffen. Die Anregungen, unternehmerische Skills und Gründergeist bereits ab Beginn der Schullaufbahn zu vermitteln, wäre ein ersten Ansatz um auch Frauen in die männerdominierten Bereiche zu bringen.

Unsicherheiten sind nicht förderlich für weibliche Gründer

Ein weiterer wichtiger Grund für den geringen Anteil an Gründerinnen ist die Angst vor Ungewissheit, vor allem im finanziellen Bereich. 44 Prozent der Gründerinnen nannten solche Aspekte in den offenen Antworten. Was kann Frauen diese Ungewissheit nehmen? Ein regelmäßiger Erfahrungsaustausch unter Frauen in spezifischen Netzwerken, Workshops, Dialoggruppen oder Mentoring-Programme könnten dazu beitragen, mehr Frauen für eine unternehmerische Laufbahn zu begeistern und Unsicherheiten abzubauen. Auch der Wunsch nach stärkerer Vernetzung ist sehr groß. Vor allem potenzielle Gründerinnen, die erst vorhaben, ein Unternehmen zu gründen, wünschen sich intensivere Austauschmöglichkeiten mit erfolgreichen Gründerinnen und ein längerfristiges Coaching und Mentoring. Für diejenigen, die bereits gegründet haben, war dieser Punkt eine zentrale Hilfestellung im Gründungsprozess.

Leider aber trifft in diesem Bereich wieder der Wunsch auf den aktuellen Alltag. Erfolgreiche Gründerinnen, die Ihr Wissen in den o. g. Netzwerken oder über Mentoring weitergeben könnten, sind beruflich so stark eingespannt, dass dies ein Ding der Unmöglichkeit ist. Was aber sind geeignete Maßnahmen?

Welche Maßnahmen können unternommen werden, um das Bild zu ändern?

Um die Gründungszahlen von Frauen zu erhöhen, gab es in den letzten Jahren einige politische Maßnahmen in Deutschland. So zum Beispiel der Anspruch jedermanns auf einen Kindergartenplatz für die eigenen Kinder oder die zahlreiche Einrichtung von Ganztagsschulen, damit Familie und Beruf auch vereinbar gemacht werden kann. Auch das stärkere Engagement von Männern könnte dem Problem Abhilfe schaffen.

 

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