Gründerinnen im Porträt

startupfeminist: Beratung, Training und Workshops für Teams & Führungskräfte

Anna Ullmann hat startupfeminist gegründet. Das Unternehmen bietet Beratung, Training und Workshops an und zielt darauf ab, Teams und Führungskräfte zu den Themen unbewusste Vorurteile, Mikroagressionen und warum Gleichberechtigung am Arbeitsplatz von oben nach unten umgesetzt und gelebt werden muss.

Was ist die Besonderheit Ihrer Firma?

Wir sind eine von Frauen gegründete und geführte Unternehmensberatung, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, für Diversität und Gleichstellung in Unternehmen einzustehen und parallel beim Wachstum zu helfen. Die Besonderheit ist also bereits unsere Zusammensetzung und die Tatsache, dass wir ein Feld bedienen, das zwar (zum Glück) zunehmend mehr Beachtung bekommt, aber noch weit vom Ideal entfernt ist. Außerdem wollen wir, als zweite Säule unserer Beratung, anderen Frauen helfen, den Sprung ins eigene Unternehmen zu schaffen. Hier unterstützen wir mit unserer Expertise in Form von One-on-one Consultations, Kursen und einem Netzwerkprogramm.

Was sind Ihre ersten beruflichen Erfolge?

Ich hatte das Glück, größere Verantwortung schon sehr früh bei meinem ersten Job übernommen zu haben. So hatte ich mit nur einem halben Jahr Berufserfahrung – quasi frisch aus der Uni – bereits erste eigene Kundenprojekte, was keine Selbstverständlichkeit und eine super Möglichkeit war, schnell zu lernen. Mein größter Erfolg dabei war es, dass ich mit 25 Jahren eines der weltgrößten und -bekanntesten FMCG-Unternehmen als Kunden mit einem Proof of Concept gewinnen konnte, für den ich dann selber verantwortlich war.

Wie ist Ihr beruflicher Werdegang?

Mein heimisches Gefilde ist der SaaS-Bereich. Ich habe als Projektmanagerin Implementierungsprojekte mit einem komplexen Produkt bei Fortune100 Unternehmen geleitet. Später habe ich dann Kunden als Customer Success Managerin betreut, eine Enablement, Learning & Development Abteilung samt Team für einen Großteil des Unternehmens, bei dem ich tätig war, aufgebaut und wurde unter anderem auch in Chicago eingesetzt. Ich durfte zudem einen Abstecher zum E-Commerce machen, um schließlich das Growth Team bei einem Venture Builder zu leiten. Danach habe ich gegründet.

Was war für Sie der Auslöser, ein eigenes Unternehmen zu gründen?

Ich hatte es satt, mich ständig für andere aufzureiben. Vor allem meine letzte Station war der Schubser, den ich insofern noch gebraucht habe. Außerdem möchte ich Dinge verändern und angehen, die mir wichtig sind und nicht was mir vom Management eines Unternehmens vorgeschrieben wird. So ist es mir auch wichtig, selbst aussuchen zu können, mit wem ich zusammenarbeiten möchte. Von wesentlicher Bedeutung war mir dabei auch das persönliche Anliegen, nicht an veralteten und verkrusteten Strukturen widerwillig festhalten zu müssen und stattdessen auch meine berufliche Energie in gesellschaftlich-emanzipatorische Veränderungen zu kanalisieren.

Wer hat Sie beraten, wer sind Ihre Helfer und Mentoren?

Es gibt zum Glück wunderbare staatlich geförderte Hilfe in Deutschland, vermehrt auch mit dem Fokus auf Frauen, die gründen wollen. Meine Helfer und Mentoren kommen von der Enterprise Gründungswerkstatt in Potsdam – an dieser Stelle möchte ich auch noch mal Danke sagen für die tolle Unterstützung auch über meine Gründung hinaus! Was auch ein wichtiger Faktor war, ist die Unterstützung meiner Familie und Freunde. Ein Faktor, der einen großen Einfluss haben kann und der bei mir zum Glück positiv war.

Was war Ihre größte Herausforderung und wie haben Sie diese gemeistert?

Die größte Herausforderung auf dem Weg zur Gründung war, meinen Existenzgründerzuschuss zu erhalten. Leider hatte ich einige Schwierigkeiten mit meiner Beraterin bei der Agentur für Arbeit, die mir das Gründen mehr oder weniger aus dem Kopf schlagen wollte. Aus diesem Grund war es für mich bis zum Schluss nicht klar, ob ich den Zuschuss kriegen würde oder nicht. Am Ende habe ich ihn zum Glück mit Hilfe der Gründungswerkstatt bekommen, was eine große Erleichterung für mich war.

Wie machen Sie auf Ihr Unternehmen aufmerksam?

Grundsätzlich sind wir Freunde von Social Media und Content-Marketing: so nutzen wir für unsere Unternehmenszielgruppe überwiegend LinkedIn, für unsere Einzelgründerinnen bzw. -unternehmerinnen ist es Instagram. Auf letzterem kollaborieren wir mit anderen tollen und z.B. auch rein von Frauen geführten Unternehmen und pushen uns so gegenseitig. Darüber hinaus schalten wir auch Anzeigen (auf Social Media) und wollen unsere Webseite längerfristig optimieren.

Was ist Ihre beste Vermarktungsidee?

Das erste Kundengespräch mit einem Unternehmen hatten wir tatsächlich Dank eines Artikels auf LinkedIn, den ich noch vor der Ausstrahlung einer bekannten Fernsehshow zu einem gewissen pinken Handschuh über genau diesen geschrieben habe. Die Idee uns als Thought Leader über entsprechenden Content zu etablieren, ist etwas das wir jetzt so richtig angehen wollen und das in unterschiedlichen Ausprägungen. So planen wir Blogartikel, einen Podcast, Videos und Live-Interviews. Außerdem ist guter Content aber auch Kollaborationen auf Instagram tatsächlich etwas, das bei unserer anderen Zielgruppe super funktioniert.

Wie haben Sie die Finanzierung Ihrer Gründung umgesetzt?

Dank des Existensgründerzuschusses konnte ich relativ frohen Mutes den Sprung in die finanzielle Ungewissheit der Selbstständigkeit wagen, bei meiner Mitgründerin Vanessa war es genauso. Zum Glück fallen bei einer Unternehmensberatung als Dienstleister keine großen Kosten an, weswegen wir uns sonst um keine weitere Finanzierung kümmern mussten, außer eben die persönlichen Kosten wie Miete, Essen, etc. zu decken. So arbeiten wir beide noch mit unseren privaten Laptops.

Welchen Traum möchten Sie noch verwirklichen?

Beruflich möchte ich irgendwann selbst Business Angel werden und helfen die strukturelle Benachteiligung bei Finanzierungsfragen von Frauen und marginalisierten Gruppen die gründen wollen, aufzubrechen. Es rollt mir jedes Mal die Zehennägel hoch, wenn ich Statistiken wie z.B. den Female Founders Monitor sehe. Das kann echt nicht sein, immerhin haben wir 2021 und es fühlt sich an wie die 50er des letzten Jahrhunderts.

Privat möchte ich irgendwann mein Häuschen im Grünen haben, um dann noch weitere Hunde zu adoptieren.

Ihr Tipp: Was würden Sie anderen Gründerinnen empfehlen?

Als erstes: traut euch! Es gibt viele Wenns, Obs und Vielleichts, aber es gibt auch zum Glück tolle Beratungsstellen, die euch genau bei diesen Fragezeichen helfen und euch an die Hand nehmen.

Auch wird sich auf dem Weg zur Gründung und darüber hinaus einiges verändern und anpassen, wie z.B. eure Geschäftsidee, die sich in eine andere Richtung entwickelt oder schärft, weil ihr euer erstes Kunden- oder Marktfeedback bekommen habt. Das ist total in Ordnung und völlig normal – nutzt es für euch!

Vielen Dank für das Gespräch und viel Erfolg!

Hier geht es direkt zur Homepage von startupfeminist.

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