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Immer mehr erwerbstätige Mütter in Deutschland

In Deutschland gibt es immer mehr erwerbstätige Mütter. Das spricht zum einen für ein funktionierendes Elterngeld, zum anderen aber auch für einen gesellschaftlichen Wandel: Denn immer mehr Väter kümmern sich um die Kinder. Das zeigt eine Erhebung des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln.

Beruf und Familie verändern sich kontinuierlich, wenn auch sehr langsam: So ist der Anteil der erwerbstätigen Mütter, die in Teilzeit arbeiten, von 70 Prozent im Jahr 2008 auf 68 Prozent im Jahr 2017 leicht zurückgegangen. Vor allem Mütter, deren Kinder im Kindergartenalter sind, nutzen die Möglichkeit.

Veränderung gibt es auch bei der Beteiligung der Väter. So steigt der Anteil der Väter, die in Elternzeit gehen und Elterngeld beziehen, seit Jahren kontinuierlich. Waren es 2008 lediglich rund 19 Prozent, verzeichnete das Statistische Bundesamt im Jahr 2015 fast 37 Prozent.

Viele nutzen darüber hinaus Homeoffice, um Familie und Beruf besser zu vereinen. Aktuelle Auswertungen des Statistischen Bundesamtes zeigen, dass Mütter nur unwesentlich häufiger als Frauen ohne Kind den Heimarbeitsplatz nutzen. Lediglich elf Prozent der Erwerbstätigen arbeiten gelegentlich im Homeoffice, mit Kind sind es 13 Prozent. IW-Arbeitsexpertin Andrea Hammermann rät, im Homeoffice für ausreichend Ruhe zu sorgen: „Arbeiten und gleichzeitig Kinder betreuen funktioniert meist nicht“, sagt Hammermann. „Dieses Multitasking können Eltern gar nicht leisten, und es löst bei den Betroffenen Stress aus. “

Im europäischen Vergleich nutzen deutsche Eltern das Homeoffice vergleichsweise selten, was auch an den vielen ortsgebundenen Tätigkeiten, wie etwa der Fertigung liegt. In den Niederlanden arbeiten 38 Prozent aller Erwerbstätigen auch zuhause. Das Schlusslicht bilden die Rumänen: Nur 0,6 Prozent tauschen das Büro gegen die eigenen vier Wände ein.

Väter kümmern sich mehr um ihre Kinder

Mütter tragen zwar nach wie vor die Hauptlast der Kinderbetreuung, doch immerhin holen die Väter langsam auf. Eine gemeinsame Elternzeit könnte die Gleichstellung weiter fördern.

Seit Jahren nehmen Männer eine immer aktivere Rolle in der Familie ein, zeigen neue Berechnung des Instituts der deutschen Wirtschaft. Im Jahr 1997 widmeten sich Väter rund 17 Stunden pro Woche der Kinderbetreuung. 2007 waren es schon 22 Stunden, 2017 kamen sie auf sogar auf 26 Stunden. Besonders Männer mit Kindern unter drei Jahren legen viel Wert auf Zeit mit ihrem Nachwuchs: Sie kommen auf 29 Stunden je Woche. Dennoch übernehmen Mütter bei der Kinderbetreuung den Löwenanteil: Im Schnitt betreuen sie die Kinder 64 Stunden in der Woche: Vor zwanzig Jahren waren es 60 Stunden. Insgesamt verbringen Eltern heute also mehr Zeit mit ihren Kindern als früher.

Das zunehmende Engagement der Väter dürfte auch an den sogenannten Partnermonaten liegen, auf die Eltern seit 2007 Anspruch haben. Dabei verlängert sich die Elternzeit von 12 auf 14 Monate, wenn beide Eltern eine berufliche Auszeit nehmen. So haben im Jahr 2018 rund 433.000 Väter Elterngeld bezogen, 2015 waren es nur 326.000. Bei der Dauer der Elternzeit gibt es allerdings noch deutliche Unterschiede: Väter nehmen sich oft gerade einmal zwei Monate Zeit für ihre Kinder, bei den meisten Müttern sind es mindestens zehn Monate. Das dürfte vor allem an den Gehaltsunterschieden zwischen Männern und Frauen liegen: Väter haben im Durchschnitt höhere Erwerbseinkommen.

Würden Väter länger in Elternzeit gehen, könnte das die Gleichberechtigung stärken. „Eine mögliche Idee könnte sein, die Partnermonate auf drei oder vier Monate zu erhöhen und dafür die Elterngeld-Bezugsdauer des anderen Elternteils entsprechend zu senken“, sagt IW-Ökonom Axel Plünnecke. „In diesem Fall müssten Eltern allerdings auch Anspruch auf einen Betreuungsplatz ab dem elften Lebensmonat des Kindes haben.“ Schon jetzt fehlen für Kinder im Alter unter drei Jahren nach IW-Berechnungen 273.000 Kitaplätze.

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1 Kommentar

  1. 27. Juni 2019 at 17:10

    Ein erfreulicher Artikel. Ergänzend möchte ich zufügen: Auch immer mehr Unternehmen setzen auf familienfreundliche Benefits – die sind gerade auch der heranwachsenden Generation besonders wichtig. Ein Fortschritt wäre, wenn mehr Unternehmen insbesondere Eltern erlauben würden Routineaufgaben auch von zu Hause aus zu erledigen. Dies sollte (außer bei Werksarbeiten in der Produktion), heutzutage keine oder nur wenige Umstände bereiten.

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